Aktualisiert: 28.05.2021 - 21:18

Wir atmen zu flach Richtig atmen – und Herz und Kreislauf beruhigen

Richtig atmen ist uns eigentlich angeboren – wir verlernen es aber leicht. Doch Bauchatmung lässt sich wieder antrainieren.

Foto: Getty Images/Westend61

Richtig atmen ist uns eigentlich angeboren – wir verlernen es aber leicht. Doch Bauchatmung lässt sich wieder antrainieren.

Wir wetten mit Ihnen, dass Sie verlernt haben, richtig zu atmen. Langfristig flache Atmung aber kann unsere Konzentration senken und sogar unser Herz schädigen oder das Immunsystem schwächen. Der Grund: zu viel Kohlendioxid. So lernen Sie, wieder richtig tief Luft zu holen.

Bauch rausgestreckt und schön tief einatmen! Zugegeben, das sieht nicht schön aus – aber das sollte uns unsere Gesundheit wert sein, oder? Wir alle atmen, sonst könnten wir nicht überleben. Doch leider ist unsere Atmung oft viel zu flach. Richtig atmen, tief und kraftvoll hingegen hilft uns, klar und konzentriert zu bleiben und uns sogar gegen Krankheiten zu wappnen!

Richtig atmen lernen – warum haben wir die perfekte Atmung verlernt?

Horchen Sie einmal in sich hinein, wenn Sie ruhig sind und ganz normal atmen. Wo atmen Sie hin? In den Bauch oder in die Brust? Die meisten Menschen tun Letzteres. Die Brustatmung allerdings ist eigentlich für Stresssituationen gedacht: Schnelles, dafür aber flaches Atmen, das den Körper nur mit dem Nötigsten an Sauerstoff versorgt, aber dabei nicht viel Kraft kostet.

Dabei ist es genau anders richtig: Tief in den Bauch einatmen. Das fühlt sich, so meldeten Forschende aus Harvard schon im Jahr 2018, für viele von uns heute irgendwie unnatürlich an. Wie ist es mit Ihnen?

Aber warum atmen wir so flach? Weil wir a) viel häufiger unter Stress stehen, den wir teilweise nicht mal richtig merken und b) weil wir wohl unbewusst versuchen, mit möglichst flachem Bauch durch die Gegend zu laufen – insbesondere in enger Kleidung. Zudem sitzen wir zu viel, was die Bauchatmung erschwert. Das Blöde: Der Körper gewöhnt sich schnell daran, die Brustatmung als normal anzusehen.

Darum ist die richtige Atmung so wichtig für den Körper

Warum ist das aber so negativ? Direkt merken Sie davon in der Regel nicht viel – es sei denn, sie atmen sehr, sehr flach. Dann kann es durchaus passieren, dass Ihnen aufgrund von Sauerstoffmangel schummerig wird. Meist atmen wir aber latent zu flach und kriegen das gar nicht so richtig mit.

Auf Dauer kann flache Atmung aber einige Probleme mitbringen. Stellen Sie sich vor: Wir atmen täglich rund 20.000 Mal ein und aus. Mindestens ein halber Liter Sauerstoff findet bei jedem Atemzug den Weg in unsere Lungen. Atmen wir tief ein, können es sogar vier Liter pro Atemzug ein. Dass dabei natürlich auch mehr Sauerstoff in den Körper fließt, lässt sich leicht ausrechnen – und der ist wichtig für all unsere Zellen. Unser Blut nimmt den Sauerstoff auf und transportiert ihn durch den ganzen Körper.

Aber dabei passiert noch etwas: Im Körper geschieht ein Gasaustausch. Während Sauerstoff, chemisch "O2", aufgenommen wird, wird Kohlendioxid, "CO2" abgegeben – als Abfallprodukt unseres Stoffwechsels. Und das muss wieder aus dem Körper heraus. Das Blut nimmt es mit, führt es zurück in die Lunge, wo es ausgeatmet wird. Atmen wir aber zu flach, kann nicht alles CO2 aus dem Körper heraus.

Resultate davon sind nicht nur Müdigkeit und Schwindel oder der klassische Konzentrationsmangel, sondern auch ein geschwächtes Immunsystem und sogar Bluthochdruck oder andere Herz-Kreislauf-Krankheiten. Denn werden unsere Zellen nicht richtig mit Sauerstoff versorgt und wird das für sie giftige CO2 nicht abgebaut, "vermüllen" sie sozusagen und sterben schneller ab.

Richtiges Atmen wieder antrainieren: So geht's!

Das Gute ist, dass sich die Bauchatmung, die wir übrigens als Babys und Kleinkinder ganz natürlich hatten, wieder antrainieren lässt. Und das geht am besten so:

  • Ruhig hinsetzen oder hinlegen.
  • Die Hand auf den Bauch legen – so lernen Sie, wie es sich anfühlt, richtig zu atmen. Hebt sich der Bauch spürbar, atmen Sie richtig.
  • Tief einatmen und die Lungen so weit füllen, bis sich der Bauch ausdehnt. Vorsicht: Weh tun soll das nicht, atmen Sie so viel ein, wie es sich für Sie richtig anfühlt – solange Sie merken, dass die Bauchdecke sich hebt.
  • Dann vollständig wieder ausatmen. Kleiner Tipp: Zählen Sie beim Einatmen bis 3 und beim Ausatmen bis 6.

Ganz toll eignet sich dieses Atemtraining übrigens einerseits morgens nach dem Wachwerden, um den Körper gleich mit einem Sauerstoffkick zu versorgen. Es lohnt sich aber auch, es abends vor dem Einschlafen für rund 15 Minuten als eine Art Ritual durchzuführen. Denn gleichmäßiges und fokussiertes Ein- und Ausatmen entspannt und beruhigt. Probieren Sie es doch einmal mit dieser Atemtechnik zum Einschlafen! Ein paar Minuten Atemtraining können dabei wie eine Meditation wirken.

Meditation lernen leicht gemacht
Meditation lernen leicht gemacht

Übrigens lässt sich richtiges Atmen auch wunderbar beim Yoga-Training integrieren. Denn auch hier ist tiefes, ruhiges Atmen wichtig und hilft dabei, dem Körper Kraft zu verleihen.

Gut zu wissen, wenn Sie sich mit der Bauchatmung anfangs unwohl fühlen: Richtiges Atmen kann auch beim Abnehmen helfen.

Übrigens atmet ein gesunder Mensch zwölf bis 16-mal in der Minute. Eine erhöhte Atemfrequenz ohne vorhergehende Anstrengung dagegen kann auf eine Lungenerkrankung hinweisen. So können Menschen, die befürchten, an Covid-19 erkrankt zu sein, die Atemfrequenz selbst checken.

Quellen: Harvard Medical School, focus.de, geo.de, tk.de

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