Aktualisiert: 09.03.2021 - 18:17

Entspannung handgemacht Regelschmerzen? Probieren Sie es mal mit Masturbation!

Selbstbefriedigung entspannt – sogar so sehr, dass sie Menstruationsschmerzen lindern kann.

Foto: Getty Images/Alexmia

Selbstbefriedigung entspannt – sogar so sehr, dass sie Menstruationsschmerzen lindern kann.

Etwa die Hälfte der Menschheit menstruiert einen großen Teil ihrer Lebenszeit rund einmal monatlich – doch die Schmerzen sind noch immer ein Stigma. Ein Weg, der laut einer neuen Studie aber langfristig dagegen helfen kann, fällt ebenfalls unter die Tabuthemen. Es ist an der Zeit, über Masturbation zu sprechen!

Schmerzhafte Unterleibskrämpfe, allgemeines Unwohlsein: Ein großer Teil der menstruierenden Menschen leiden regelmäßig an Schmerzen während und vor der Periode. Die Dunkelziffer dürfte höher sein, weil viele den Schmerz in unserer noch immer männlich dominierten Welt lieber ignorieren.

Regelschmerzen und andere Probleme in Zusammenhang mit der Menstruation sind nämlich noch immer kaum erforscht, dafür stark stigmatisiert. Das Resultat: Viele Menschen schlucken bei Menstruationsschmerzen Schmerzmittel und quälen sich durch den Tag. Dabei kann eine ganz natürliche "Entspannungstherapie" helfen: Masturbation hilft gegen Periodenschmerzen.

Frauengesundheit
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Ja! JA! Mit Masturbation gegen Periodenschmerzen

Wenn der monatliche Schmerz mal wieder da ist, also einfach Hand anlegen? Tatsächlich soll das helfen. Zu diesem Ergebnis kam eine im Mai 2020 gestartete, klinische Studie vom Bio-Periodenprodukte-Unternehmen The Female Company und dem Toy-Hersteller Womanizer, die "Menstrubation Studie" – eine Mischung aus Menstruation und Masturbation. Studienleiter war der Sex-Therapeut und klinische Psychologe Dr. Christopher Jones von der Universität Mainz.

Einem Aufruf im Mai sind rund 20.000 menstruierende Menschen gefolgt, am Ende wurden 486 davon ausgewählt und während der Studie weiter begleitet. Nach einem Fragebogen über den aktuellen Stand ihrer Periodenschmerzen im ersten Monat wurden sie drei Monate lang gebeten, auf ihre eigentlich bevorzugten Methoden gegen die Schmerzen zu verzichten.

Stattdessen sollten sie masturbieren und ihre Symptome in einem Fragebogen dabei weiter notieren. Im fünften Monat durften sie dann wieder auf ihre gewohnten Schmerzkiller zurückgreifen – als Kontrolle. Im sechsten Monat gab es dann eine letzte Befragung zu den Schmerzen.

Und die Ergebnisse sind eindeutig: Anhand einer 10-Punkte-Skala zu Intensität und Häufigkeit der Schmerzen zeigte sich, dass beide Parameter im Verlauf der Testphase deutlich gesunken sind – und sogar nach dem Kontrollmonat noch niedriger lagen als zu Beginn der Testphase. 90 Prozent der Studienteilnehmer:innen würden Masturbation gegen Schmerzen weiterempfehlen. Sprich: Ja, Masturbation kann bei Menstruationsproblemen helfen.

Masturbation entspannt und der Orgasmus schüttet stresslindernde Hormone aus

Aber warum eigentlich? Das erklärt die Psychosexologin Dr. Andrea Burri, die neben ihrer Funktion als "Sexual Wellness"-Expertin bei Womanizer noch Gründerin des "Institute for Sex Counselling and Sexual Sciences (ISCSS) ist: "Während der Periode zieht sich die Gebärmutter krampfartig zusammen, um die Schleimhaut abzustoßen, die für eine mögliche Schwangerschaft gebildet wurde. Das allein verursacht Schmerzen."

Doch damit nicht alles: "Die Kontraktionen der Gebärmutter werden des Weiteren von dem Hormon Prostaglandin gesteuert. Dieses Hormon ist ein Schmerzbote und wirkt zum Beispiel auch bei Entzündungen mit. Je höher der Prostaglandinspiegel im Körper einer Person, desto stärker können auch die Periodenschmerzen sein.“

Und wie hilft da jetzt ein Orgasmus? "Nach dem Orgasmus schüttet der Körper eine Reihe von Hormonen aus, unter anderem Dopamin, was Stress reduziert und eine innere Ausgeglichenheit begünstigt", erklärt Burri. Andere Prozesse im Körper, etwa Schmerzen, könnten dadurch in den Hintergrund rücken. Außerdem fördert die Aktivität den Stoffwechsel und die Durchblutung. "Beides wirkt schmerzlindernd", weiß die Expertin.

Zu guter Letzt: "Beim Orgasmus ziehen sich die Muskeln im Unterleib abwechselnd zusammen und entspannen sich, wodurch schmerzhafte Krämpfe gelöst werden können. Diese chemischen Prozesse sind zwar am stärksten während und nach dem Orgasmus, finden aber auch während der Masturbation statt – nur in einer leicht abgeschwächten Form."

Masturbation wirkt offenbar auch langfristig

43 Prozent der Befragten würden zwar bei starken Schmerzen weiter Schmerzmittel nehmen, doch 42 Prozent sehen demnach Masturbation als bessere akute Schmerzlinderungs-Methode. Vom Rest würden die meisten einen Mix aus beidem wählen oder auf Wärme, CBD(-Öl), Schlaf oder Bewegung zurückgreifen. Doch wie erwähnt würden 90 Prozent der Teilnehmer:innen Masturbation gegen Periodenschmerzen weiterzuempfehlen, 85 Prozent wollen weiter darauf zurückgreifen.

Dabei kann Masturbation im Akutfall helfen. Die Skala-Ergebnisse legen aber auch nahe, dass ein langfristiger Effekt zu spüren ist. Sowohl Intensität als auch Häufigkeit können abnehmen: 70 Prozent der Teilnehmenden zeigten sich nach der Studie überzeugt, dass sich regelmäßige Masturbation auf die Schmerzintensität auswirkt. 42 Prozent gaben zudem an, dass die Häufigkeit der Schmerzen nach regelmäßiger Masturbation abgenommen habe.

"Es ist bemerkenswert, wie schnell die Teilnehmer:innen eine Verbesserung ihrer Beschwerden spürten. Nach nur einem Monat bewusster Masturbation sind die Werte schon signifikant gesunken", zeigt sich Dr. Jones erfreut. Er habe zudem bereits einen langfristigen Effekt vermutet. Er geht davon aus, dass sich die Werte bei einer längere Testphase noch weiter verbessert hätten.

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Masturbation also als starkes und zudem noch nebenwirkungsfreies Mittel gegen Menstruationsschmerzen? Ob per Hand oder mit Sextoy – wir sagen: einen Versuch ist es allemal wert, oder? Jedenfalls besser, als sich durch diese unsägliche Woche im Monat zu quälen und sich mit Schmerzmitteln aktiv zu halten. Wussten Sie, dass wir im Laufe des Lebens über 20.000 Euro für unsere Menstruation ausgeben? Da zählen Schmerzmittel und Co mit rein, aber natürlich auch Hygieneprodukte. Dabei gibt es mittlerweile langfristig günstigere Alternativen, etwa Periodenunterwäsche. Wir haben den Test gemacht.

Und das alles nur, um einerseits nicht leiden zu müssen, andererseits aber irgendwie auch, um nicht als schwach dazustehen, oder? Dabei sollten wir bedenken: Wer nicht menstruiert, kann sich da gar nicht reinversetzen. Warum sollten wir uns dann von denen in unserem Verhalten verändern lassen, die gar nicht wissen, was genau da eigentlich jeden Monat los ist? Lesen Sie mal: Unglaublich, wie manche Männer über die Monatsblutung denken.

Wer sich jetzt allerdings fragt, ob Selbstbefriedigung schlecht fürs Sexleben ist, sei beruhigt. Im Gegenteil. Gerade für Frauen, die sich schwer mit dem Orgasmus tun, kann regelmäßige Masturbation eine echte Hilfe dabei sein, den Körper kennenzulernen und sich beim Sex besser fallen zu lassen.

Es kann übrigens aber auch sein, dass die Menstruationsschmerzen so stark sind, dass ärztlicher Rat notwendig wird. So könnte etwa eine unentdeckte Endometriose dahinter stecken. Dabei auch interessant: Das verrät die Farbe der Periode über Ihre Gesundheit

Mehr Infos zur Studie? Die finden Sie hier unter menstrubation.com/de.

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