Aktualisiert: 05.03.2021 - 19:50

Unterschätztes Kraut Die Brennnessel: Bestechende Heilwirkung

Sie piekst und brennt – aber sie kann auch heilen: Was die Brennnessel alles kann

Foto: Getty Images/Judith Haeusler; Canva.com [M]

Sie piekst und brennt – aber sie kann auch heilen: Was die Brennnessel alles kann

Brennnesseln rufen im Kopf erst einmal ein gewisses Unbehagen aus Kindertagen hervor. Dabei kann die schmerzlich behaarte Grünpflanze viel für unsere Gesundheit leisten.

"Brennnesseln sind gut gegen Rheuma!" So lautete bei uns damals gerne der Spruch, wenn wieder einmal ein Kind nähere Bekanntschaft mit einem Busch der gefürchteten Grünpflanze gemacht hatte. Unser damaliges akutes Leid konnte die Erkenntnis nicht lindern, wussten wir damals doch nicht einmal, was Rheuma überhaupt ist.

Aber auch heute wissen viele nicht um die Heilkraft der Brennnessel – einer unterschätzten Heilpflanze, der wir seit jeher aufgrund ihrer schmerzenden Nadeln mit Vorsicht begegnen.

Bestechende Wirkung: Unterschätztes Heilkraut Brennessel
Bestechende Wirkung: Unterschätztes Heilkraut Brennessel

Die Brennnessel: Unterschätztes Heilkraut

Dabei kann sie so viel, die Urtica dioica, wie die Brennnessel in der botanischen Sprache heißt. Denn die kleinen Nadeln, eigentlich Haare, pieksen nicht nur, sondern sie enthalten auch eine Flüssigkeit unter anderem aus Ameisensäure und verschiedenen anderen entzündungsfördernden Substanzen. Die wiederum sind schuld an den brennenden, roten Quaddeln, die sich nach unvorsichtigem Kontakt mit der Pflanze bilden. Denn etwa die enthaltenen Histamine lösen eine Art allergische Reaktion aus – nämlich Nesselsucht, passend zum botanischen Namen der Brennnessel auch Urtikaria genannt. Ein Schutzmechanismus der Pflanze, um sich vor Fressfeinden zu schützen.

Dabei kann die Pflanze selbst einen hohen Beitrag zu unserer Gesundheit leisten. Die Brennnessel gilt sogar offiziell als Heilpflanze – bestätigt von der Kommission E, einem wissenschaftlichen Zusammenschluss mit Schwerpunkt auf pflanzliche Arzneimittel innerhalb des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Diese Stoffe machen die Brennnessel so gesund

  • Blätter: Ob man es glaubt oder nicht, aber die Blätter der Brennnesselpflanze wirken tatsächlich schmerzstillend und, ganz anders als ihre gemeinen Härchen, entzündungshemmend. Sie wirken aber auch harntreibend, was sie etwa als Tee zu einem starken Mittel etwa gegen Harnwegsinfekte macht und gegen die Symptome einer Blasenentzündung anwirken kann. In den Blättern stecken nämlich jede Menge Flavonoide, sekundäre Pflanzenstoffe, die unter anderem leicht harntreibend oder – im Falle des enthaltenen Rutin – antioxidativ und antientzündlich wirken. Außerdem sind ätherisches Öl, die Vitamine C, B und K, Mineralstoffe wie Kalium, Calcium und Kieselsäure und andere organische Säuren enthalten.
  • Wurzeln: Aus Brennnesselwurzeln lassen sich Auszüge herstellen, die ebenfalls harntreibend wirken und etwa bei Männern in den Anfangszügen einer gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt werden. Dafür sind möglicherweise die enthaltenen pflanzlichen Steroidhormone, etwa beta-Sitosterol, verantwortlich. Außerdem enthalten die Wurzeln Lignane, Lectine und Polysaccharide.
  • Brennhaare: Die Brennhaare lösen wie erwähnt durch enthaltene Histamine eine Nesselsucht aus. Weiterhin steckt aber auch der Botenstoff Serotonin in der Flüssigkeit, ebenso wie Acetylcholin und Scopoletin.

Brennnesseltee selbst machen: So geht's

Brennnesseltee etwa kann darüber hinaus aber sogar bei Magenschmerzen oder Menstruationsbeschwerden helfen und den Blutdruck senken – und wirkt wie gesagt gut bei Harnwegsinfekten. Präparate gibt's in jeder Apotheke. Sollten Sie aber Brennnesseln im Garten haben, können Sie sich auch aus diesen einen Tee herstellen.

  1. Die Ernte: Brennnesseln wachsen vor allem von Mai bis September, pflücken Sie aber am besten junge Pflanzen im Frühling. Handschuhe an und kurz über dem Boden ein paar junge Triebe abschneiden.
  2. Vorbereitung: Jetzt geht's an den "gefährlichen" Teil: Unbedingt Handschuhe anziehen und dann vom Fuß der Pflanze mehrmals´ Richtung Kopf streichen. So entfernen Sie die Brennhaare.
  3. Trockenzeit: Jetzt einfach die "enthaarten" Triebe mit dem Fuß nach oben in einem trockenen Raum aufhängen. Anschließend Blätter abzupfen und vorsichtig in eine Dose krümeln. So hält sich der Tee einige Monate.
  4. Tee aufgießen: Einfach einen Teelöffel der getrockneten Brennnesselblätter in einem Tee-Ei in einer kleinen Kanne mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser aufgießen und rund 10 Minuten ziehen lassen.

Beachten Sie aber: Auch wenn Heilpflanzen mitunter hohe Wirksamkeit zeigen: Gehen die Beschwerden nicht weg oder kommen neue dazu, suchen Sie bitte ärztliche Hilfe auf.

Zwar gelten Präparate aus der Brennnessel, so auch Brennnesseltee, als sehr verträglich. Doch aufgrund der harntreibenden Wirkung müssen Sie darauf achten, in Zeiten der Einnahme genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Außerdem sollten Sie Brennnesseltee nur über einen kurzen Zeitraum zu sich nehmen, maximal drei bis sechs Wochen, und höchstens drei Tassen am Tag zu sich nehmen.

Brennnesseln bitte nicht anwenden, wenn...

Sollten Sie unter eingeschränkter Nierenfunktion oder Herzschwäche leiden, sollten Sie auf Brennnesseltee verzichten.

Mediziner*innen raten außerdem davon ab, Brennnesseltee während der Schwangerschaft oder dem Stillen zu trinken oder ihn Kindern und Jugendlichen zu geben. Das liegt jedoch an unvollständiger Studienlage.

Hilft die Brennnessel denn nun gegen Rheuma?

Die antientzündliche Wirkung von Brennnesseln ist mittlerweile im Labor nachgewiesen worden. Damit können zumindest leichte Beschwerden mit dem Heilkraut als unterstützende Kraft behandelt werden.

Jedoch ist bis heute nicht abschließend geklärt, wie gut das Kraut gegen entzündliches Rheuma oder gegen Arthrose hilft. Doch Extrakte aus Brennnesselblättern eignen sich vermutlich aufgrund ihres Gehalts an den antirheumatisch und antientzündlich wirkendem Stoff Caffeoyläpfelsäure und den enthaltenen ungesättigten Fettsäuren zur unterstützenden Behandlung von Rheuma und entzündlichen Gelenkerkrankungen. Positive Erfahrungen hat man mit der Kombination aus Brennnesselblatt-Extrakt und nichtsteroidalen Antirheumatika gemacht. Deren Dosis konnte laut einer Studie mithilfe des Extrakts gesenkt werden.

Mehr Infos: Rheuma: Diese Symptome sind typisch für Arthritis und Co

Wenn die Pflanze also hilft, werden wohl (leider, oder zum Glück?) nicht allein die Inhaltsstoffe der Brennhaare und damit die schmerzenden Quaddeln dazu beitragen, sondern eher die Stoffe aus Blättern und Wurzeln. Wildes Geschubse in Brennnessel-bewachsene Wiesen bleibt also vor allem eines: ein gemeiner Kinderscherz oder ein unglücklicher Unfall.

Übrigens: Wer Bekanntschaft mit den Brennhaaren der Brennnessel gemacht hat, kann sich mit verdünntem Apfelessig oder etwas Seifenwasser etwas Linderung verschaffen.

Mehr über Powerpflanzen wie die Brennnessel, etwa zum ebenfalls unterschätzen Engelwurz lesen Sie auf unserer Themenseite Naturheilkunde.

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Quellen:

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