26.11.2019

Belastung durch Pestizide Öko-Test: Viele Hustentees fallen durch – Gesundheitsgefahr

Besser selbst zusammenmischen: Öko-Test hat 18 Husten- und Bronchialtees getestet. Das Ergebnis ist erschreckend, fast alle fallen durch.

Foto: iStock/andriano_cz

Besser selbst zusammenmischen: Öko-Test hat 18 Husten- und Bronchialtees getestet. Das Ergebnis ist erschreckend, fast alle fallen durch.

Er soll eigentlich dafür sorgen, dass es uns besser geht. Doch Hustentee ist nicht gleich gesund. Das hat Öko-Test jetzt herausgefunden.

Wenn es im Hals kratzt und der Hustenreiz ständiger Begleiter ist, versuchen wir es gerne mit sanften Heilmitteln, zumindest unterstützend. Beliebt sind dabei Heißgetränke, deren pflanzliche Inhaltsstoffe schnelle Linderung versprechen. Doch im großen Hustentee-Test von Öko-Test schneiden viele Kräuterteemischungen gar nicht gut ab. Der Grund: Viele sind mit Pestiziden belastet.

Hustentees im Test: Pestizide und andere Stoffe in 2/3 aller Sorten

18 Tees aus Apotheke, Drogerie, Discounter und Supermarkt hatte Öko-Test auf verschiedene Aspekte geprüft – elf davon fallen mit dem Testurteil "mangelhaft" oder gar "ungenügend" glatt durch. In diesen hatte man Pestizide oder andere bedenkliche Stoffe gefunden, darunter etwa das Mückenschutzmittel "DEET". Und auch bei den besten Tees schaffen es die wenigsten über ein "ausreichend" hinaus, weil die Wirkung nicht bestätigt werden kann.

Die schlechtesten Noten im Test bekamen Tees, bei denen Rückstände von Stoffen gefunden wurden, die wir nicht im Körper haben wollen. Unter anderem fanden die Tester das stark kritisierte Glyphosat.

Aufgrund von Pestizidbelastung hagelte es im Test siebenmal die Note "Ungenügend", eine glatte sechs also. Darunter der H&S Arzneitee Nr. 8 Husten- und Bronchialtee. Hier lag der analysierte Rückstand für ein Pestizid sogar über der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmenge. Betroffen von der schlechtesten Note außerdem: Salus Kräutertee Nr. 8 aus dem Reformhaus sowie der Multinorm Tee von Aldi. In beiden wurde Glyphosat gefunden.

Testsieger mit Note "Ausreichend"

Die besten Noten konnten sich Husten- und Bronchialtees aus der Apotheke sichern. Keinerlei Pestizide konnten in der Tee-Mischung von Heumann nachgewiesen werden. Erschreckend: Das ist der Einzige ohne auch nur Spuren von diesen gesundheitsschädlichen Stoffen. Gänzlich überzeugen konnte der Tee dennoch nicht, aufgrund der Pyrrolizidinalkaloide (s.u.) und aufgrund fehlender Wirkung. Am Ende reicht es für ein "Ausreichend" – und damit erschreckenderweise für den Testsieg.

Neben dem Tee von Heumann konnten nur sieben weitere Mischungen diese Note erzielen, unter anderem der Bombastus Husten- und Bronchialtee im Beutel sowie der Sidroga Husten- und Bronchialtee im Beutel. Alle drei sind in der Apotheke erhältlich. Die anderen mit dieser Note sind der Lebensbaum Husten- und Bronchialtee, Bad Heilbrunner Tee und der Mivolis Husten- und Bronchialtee von dm. In letzterem stecken aber auch ein paar mehr Pestizid-Rückstände. In den anderen fand man weniger bis hin zu Spuren.

Gesundheitsgefahr Pyrrolizidinalkaloide

Ein weiterer Stoff, der äußerst bedenklich ist, ist bereits öfter in Kräutertees und anderen Tees aufgefallen: Pryrrolizidinalkaloide (PA). PA sind Pflanzeninhaltsstoffe, die leberschädigend wirken, wenn sie in hohen Dosen eingenommen werden. Gefunden wurden sie auch im Tee von Heumann.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte bereits 2013 zu PA in Tees berichtet. Da die damals getroffene Auswahl jedoch nicht repräsentativ gewesen sei, wie das BfR selbst sagt, sei eine finale Einschätzung schwer. Doch die Wahrscheinlichkeit bei längerfristigem Verzehr von Produkten mit hohem Gehalt an PA könne laut BfR gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Das komme aber immer auf den Einzelfall an. Sehr hohe Dosen könnten demnach zu akuten Leberschäden führen. Bestimmte PA konnten im Tierversuch auch als genotoxische Kanzerogene ausgemacht werden. Bei einer kurzzeitigen Einnahme (weniger als 14 Tage am Stück) sei eine "akute Gesundheitsschädigung" aber "für Erwachsene und Kinder unwahrscheinlich", so das BfR. Doch schon 2013 forderte das BfR, die PA-Gehalte in Kräutertees "so weit wie möglich zu senken".

Bei Pyrrolizidinalkaloiden handelt es sich nicht um Pestizide, sondern um pflanzliche Stoffe, die in anderen Pflanzen stecken. Wachsen diese zwischen den Kräutern, die etwa für einen Tee genutzt werden, können sie bei maschineller Ernte laut Öko-Test-Einschätzung, mitgeschnitten werden und so in den Tee gelangen.

Im Salus Kräutertee Nr. 9a Hustentee sowie im Kneipp Husten- und Bronchialtee wurden PA-Werte über dem von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) festgelegten Zielwert von 0,35 Mikrogramm für eine 50-Kilo-Person gefunden. Es gab die Note fünf. Bei Sidroga, dm, Lebensbaum und Bombastus konnten laut Öko-Test keine PA nachgewiesen werden.

Mückenschutzmittel in drei Tees

Wahrscheinlich aufgrund der enthaltenen Lindenblüten können auch Mückenschutzmittel in Tee gelangen. So geschehen bei Müller Fit + Vital Husten- und Bronchialtee, Aldis Multinorm Husten- und Bronchialtee und Salus Kräutertee Nr. 8 Bronchialtee. Das liege vermutlich daran, dass Lindenblüten oft per Hand gepflückt werden und die Arbeiter sich mit einem "DEET"-haltigen Mückenmittel vor den Stechtieren schützen.

Besser: Hausmittel gegen die Beschwerden

Den Hustentees ohne große Belastung an gesundheitsgefährdenden Substanzen fehle schlicht und einfach die wissenschaftliche Evidenz. "Genießen Sie das angenehme Aroma und die Wärme einer Tasse der kaum belasteten Tees – aber erwarten Sie nicht zu viel", heißt es seitens Öko-Test. "Am Ende bleiben das angenehme Aroma und der wärmende Effekt einer heißen Tasse Erkältungstees – das mag wohltuend sein, ist aber unter wissenschaftlichen Maßstäben letztlich, wenig überzeugend'“, so Öko-Test.

Immerhin: Die Wärme eines Heißgetränkes tut dem Rachen gut. Das geht allerdings auch mit anderen, etwa frischen Tees oder anderen Hausmitteln gegen Bronchitis, beispielsweise mit heißem Ingwer. Das Geld für Husten- und Bronchialtees können Sie sich dabei also sparen – oder zumindest darauf achten, keine mit Pestiziden belasteten Tees zu kaufen. Aber Vorsicht: Egal welches Heißgetränk – nicht zu heiß trinken, sonst verbrennen Sie sich den sowieso schon gereizten Rachen noch.

Zitrone bringt als Hausmittel bei Erkältung übrigens nichts. Dafür können Sie Halsschmerzen etwa mit Hausmitteln wie Salzwasser entgegenwirken. Wichtig bei alledem ist es, richtig zu husten, damit der Schleim sich auch gut löst. Und ganz wichtig: Gönnen Sie sich viel Ruhe! Dann werden Sie eine Erkältung hoffentlich schnell wieder los.

Hier finden Sie die Testergebnisse von Öko-Test. Und die Risikoeinschätzung von PA des BfR können Sie hier nachlesen.

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