13.08.2019

Zellen identifiziert Forschungsdurchbruch: Zähne könnten bald nachwachsen

Zähne nachwachsen lassen und so Karies und Co heilen? Was bei Mäusen geht, ist möglicherweise auch zukünftig beim Menschen möglich.

Foto: iStock/Natali_Mis

Zähne nachwachsen lassen und so Karies und Co heilen? Was bei Mäusen geht, ist möglicherweise auch zukünftig beim Menschen möglich.

Ein kaputter Zahn ist eigentlich nicht zu retten – jedenfalls nicht bei uns Menschen. Bei manchen Tieren sieht das allerdings anders aus. Und das haben sich Forschende jetzt genauer angesehen – mit Erfolg!

Könnte es etwa sein, dass unsere Zähne bald nachwachsen, wenn sie abgenutzt oder kaputt sind? Daran arbeitet jedenfalls gerade ein Team internationaler Wissenschaftler. Der Trick: Sie haben sich die Zähne von Tieren genauer angesehen – und wissen nun, warum sich etwa die Zähne von Mäusen oder Haien regenerieren können. Wäre das nicht auch beim Menschen möglich?

Nachwachsende Zähne: Können wir bald auf künstlichen Zahnersatz verzichten?

Ein natürlich nachwachsender Zahn – wie schön das wäre. Bis heute ist uns leider nicht das vergönnt, was etwa Mäuse auf ganz natürlichem Wege können. Sind deren Zähne abgenutzt, so wachsen sie einfach nach. Bei uns hingegen muss ein abgebrochener Zahn künstlich mit Keramik oder Kunststoff neu aufgebaut und nachmodelliert werden. Auch das sieht man heutzutage kaum noch – ist aber eben eine gewisse Prozedur, die auch noch teuer ist.

Auch bei Karies können Zahnärzte nichts machen außer Löcher stopfen. Wie viele unangenehme Bohr-Termine wir uns doch sparen könnten, würden unsere Zähne die Arbeit einfach selbst übernehmen?

Das Team von Wissenschaftlern, das sich diese Frage gestellt hat, ist beim Untersuchen von Mäusen auf die Idee gekommen, dass das möglicherweise auch beim Menschen klappen könnte. Denn aufgebaut sind Zähne per se erstmal aus denselben Stoffen.

Zellen können nachwachsen: Gen ist verantwortlich

Ausschlaggebend ist das Dentin: Dieser Stoff in Form eines Hartgewebes macht die Zähne hart und fest – und zwar bei Mensch und Tier. In den Frontzähnen von Mäusen haben die Forscher – darunter übrigens auch ein Team der Technischen Universität Dresden – nun eine Form von Stammzellen gefunden, die Dentin aufbauen. Sie konnten die genetischen Abläufe hinter dem Vorgang identifizieren.

In Mäusezähnen sind bestimmt Stammzellen vorhanden, die sich in spezialisierte Zellen umwandeln, wenn sie gebraucht werden – bei Mäusen sind das sogenannte mesenchymale Stromazellen. Ein bestimmtes Gen (Dlk1) ist daran beteiligt. Dieses Gen steuere auch die Geweberegeneration bei der Wundheilung, erklären die Forscher. Werden neue Zellen benötigt, wird ein Signal an die Mutterzellen des Gewebes gesendet, die dann neue Zellen produzieren.

Weitere Forschung nötig – aber Wundheilung könnte auch profitieren

Das Gen ist also auch beim Menschen vorhanden – und müsste "lediglich" aktiviert werden. Zumindest wäre das laut dem Wissenschaftler-Team ein möglicher Ansatz. Wie das genau aussehen soll, muss aber noch getestet werden. Eine klinische Studie muss jetzt anschließen. Dann könnte es allerdings sein, dass über diesen oder einen ähnlichen Ansatz zukünftig nicht nur Zahnkrankheiten wie Karies oder Kreidezähne sowie abgebrochene Zähne und Verschleiß von Zähneknirschen (Bruxismus) der Vergangenheit angehören – und so manchem vielleicht die Angst vor dem Zahnarzt ersparen –, sondern sich sogar die Wundheilung beschleunigen ließe.

Bis dahin müssen wohl erst einmal die neuen Formen von Zahn-Implantaten ausreichen. Ein paar stellen wir vor. Zudem können unsere Tipps bei Zahn-Notfällen helfen. Bei einer Zahnfleischentzündung können zum Glück Hausmittel erste Hilfe leisten. Und auch ohne Probleme können Sie mit ein paar Tricks zumindest für weiße Zähne sorgen!

Die Forschungsergebnisse erschienen im renommierten Journal "Nature Communications".

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