24.05.2019

Höhere Sterberate Studie im Fokus: Ist Fruchtsaft wirklich ein "Killer"?

Ein Glas Orangensaft tut dem Körper gut? Nicht, wenn es nach einer US-Studie geht. Demnach ist Fruchtsaft ein echter Killer. Ob man das jedoch so unterschreiben kann...

Foto: iStock/mediaphotos

Ein Glas Orangensaft tut dem Körper gut? Nicht, wenn es nach einer US-Studie geht. Demnach ist Fruchtsaft ein echter Killer. Ob man das jedoch so unterschreiben kann...

Fruchtsäfte gelten gemeinhin als gesünder als Limonade und Co. Und doch enthalten sie Zucker. Eine US-Studie schockt nun mit der Behauptung, dass Fruchtsaft uns früher ins Grab bringt. Was ist dran?

Lecker, süß und gesund – wer einen Saft trinkt, hat das Gefühl, dem Körper etwas Gutes zu tun. Nur das Beste aus dem Obst in flüssiger Form. Perfekt, oder? Nun, so stimmt das leider nicht. Fruchtsäften fehlt es zum einen nämlich an den im ganzen Obst enthaltenen Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Und zum anderen – und das ist das Ausschlaggebende – stecken sie voller Zucker. Da sie sich so leicht trinken lassen, laufen wir schnell Gefahr, zu viel Zucker zu uns zu nehmen.

Eine Studie aus den USA schockt jetzt allerdings mit der Behauptung: "Fruchtsaft ist ein stiller Killer!" Bringt Fruchtsaft uns wirklich früher ins Grab? Oder was meinen die Forscher damit?

Sterben wir früher, weil wir Fruchtsäfte trinken?

Nun, die Antwort auf diese Frage ist ein klares: Jein!

Aber fangen wir vorne an: Die Forscher der Studie, die im JAMA Journal erschienen ist, sind erst einmal ganz allgemein der Frage nachgegangen, ob der Konsum zuckerhaltiger Getränke (mit Zucker gesüßte Getränke sowie Fruchtsäfte) mit einem erhöhten Sterberisiko zusammenhängt. Dazu hatten sie insgesamt 13.440 Erwachsene in einem Alter von über 45 zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und nach sechs Jahren geschaut, wer noch lebt. Das Ergebnis grob zusammengefasst: Jede zusätzliche tägliche Menge von rund 350 ml an zuckerhaltigen Getränken erhöhe das Sterberisiko um 11 Prozent. Jedes zusätzliche Glas Fruchtsaft in derselben Menge erhöhe das Sterberisiko sogar um 24 Prozent.

Kurzer Einschub: Als Fruchtsaft darf ein Getränk bezeichnet werden, wenn es 100 Prozent Fruchtgehalt aufweist und keine zusätzlichen Zuckerzusätze enthält. Das Problem: Der Fruchtzucker im Saft ist nicht niedriger als der Zuckeranteil etwa in Softdrinks. Gleichzeitig fehlen wichtige Bestandteile, die in Obst enthalten sind und die sättigend wirken und uns wichtige Nährstoffe liefern.

Zahlreiche Studien sind nun auf diese Studie aufmerksam geworden und berichten über den potentiellen neuen Killer Fruchtsaft. Aber schauen wir uns die Studie einmal genauer an. Die weist nämlich Mängel auf.

Mängel an Studie: Änderungen im Ess- und Trinkverhalten nicht beachtet

Zu Beginn der Studie musste jeder der Probanden auf einem Fragebogen Angaben zur Ernährung machen: 110 Lebensmittel und Getränke waren vorgegeben, jeder sollte auswählen, wie häufig sie oder er jedes dieser Produkte konsumierte. Eine Folgebefragung dazu gab es allerdings nicht. Und hier liegt das Problem: Ob die Probanden ihre Ess- und Trinkgewohnheiten in den sechs Jahren Studienzeit geändert haben, können die Forscher nicht nachvollziehen. Hinzu kommt, dass Menschen über ihren Gesundheitszustand und ihre Ernährungsgewohnheiten nicht immer ganz wahrheitsgetreu antworten. Man stellt sich schließlich gerne besser dar, als es eigentlich der Fall ist – oft übrigens einfach unbewusst.

Beobachtet wurden die Probanden während der Studienzeit nicht. Nach den sechs Jahren wurde lediglich geschaut, wer davon noch lebt. Die Statistik zeigte den Forschern nun die oben genannten Ergebnisse. Nur: Von den 13.440 Probanden waren lediglich 1.168 Teilnehmer gestorben. Diese Zahl ist im Vergleich und mit Hinblick auf möglicherweise nicht ganz wahrheitsgetreue Angaben zu gering für signifikante Aussagen zum Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Getränke und dem Sterberisiko.

Ob sich ein Teil der Menschen, die gerne Fruchtsäfte trinken, insgesamt ungesünder ernährt hat, gerne beides trinkt oder auch anderweitige Probleme hatte, wird so nicht klar.

Dass ein zu hoher Zuckerkonsum allerdings einen Einfluss auf die Gesundheit haben kann, wurde auch in anderen Studien gezeigt. Und Softdrinks stehen ja schon länger aufgrund ihrer Kalorien in der Kritik. Wer auf die Verpackung eines Fruchtsaftes schaut, sieht, dass der Zuckergehalt sich mit dem von Softdrinks quasi deckt.

Fazit ist also: Der "Killer", von dem in der Studie und in den sie aufgreifenden Medien gesprochen wird, ist nicht der Fruchtsaft an sich. Es ist wohl vor allem der hohe Zuckeranteil, der sich umso mehr summiert, wenn man große Mengen der leckeren Getränke konsumiert. Allerdings stecken in Fruchtsaft auch Vitamine und Nährstoffe, in Fällen von roten Säften zum Beispiel auch Antioxidantien, die die Zellen schützen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät daher einem Erwachsenen zu nicht mehr als 200 ml Fruchtsaft pro Tag. Für Kinder sollte es weit weniger sein. So können Sie einem Kind etwa 50 ml Fruchtsaft mit frischem Wasser verdünnen.

Es tut insgesamt gut, den Zucker-Konsum zu reduzieren. Manchmal kann es auch nicht schaden, komplett auf Zucker zu verzichten un den Alltag zuckerfrei zu gestalten. Mehr Tipps und auch Rezepte gesucht? Wie Sie sich zuckerfrei ernähren können, verraten wir Ihnen auf unserer Themenseite.

Die oben genannte Studie aus dem JAMA-Journal finden Sie hier.

Seite

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen