23.11.2018

Duftende Ruhe Lavendel: Sanfte Heilpflanze mit großer Wirkung

Lavendel hat nicht nur eine Wirkung: Vor allem wirkt der Duft der Pflanze beruhigend – gleichzeitig stimmungsaufhellend. Die Heilpflanze hat aber noch mehr tolle Vorteile.

Foto: iStock/eclipse_images

Lavendel hat nicht nur eine Wirkung: Vor allem wirkt der Duft der Pflanze beruhigend – gleichzeitig stimmungsaufhellend. Die Heilpflanze hat aber noch mehr tolle Vorteile.

Dass der Lavendelduft beruhigend wirkt, wissen viele. Aber dass sich dadurch auch Ängste lösen können, die wenigsten. Eine Studie bringt jetzt Licht ins Dunkel: daher kommt die beruhigende Wirkung der lila Pflanze.

Lavendelduft kann eine echte Hilfe sein, wenn Körper und Geist am Abend einfach nicht zur Ruhe kommen wollen. Die beruhigende Wirkung von Lavendel liegt unter anderem am Stoff Linalool. Aber die Pflanze kann noch mehr: nämlich Motten und Blattläuse vertreiben, Speisen würzen, Muskeln entspannen und dabei auch noch gut aussehen.

Lavendel und seine Wirkung haben lange Tradition

Der Lavendel wirkt ja oft etwas altbacken. Dabei kann die Heilpflanze des Jahres 2008 viel mehr als in Form eines Duftsäckchens die Wäsche im Schrank frisch riechen lassen – auch wenn das gegen Motten im Schrank hilft. Der "echte Lavendel" (Lavandula angustifolia) wirkt sowohl beruhigend als auch krampflösend und antiseptisch.

Die Blume aus der Provence hat bereits lange Tradition. Schon zu Zeiten der Römer wurde sie als Badezusatz genutzt. Übrigens rührt daher wahrscheinlich auch der Name: Denn "waschen" heißt auf lateinisch "lavare".

Das Lavendelöl besitzt zudem antiseptische, antivirale und bakterizide Eigenschaften, das haben bereits französische Parfümhersteller festgestellt, und die Kräuterkundlerin Hildegard von Bingen (1098-1179) beschrieb den Lavendel als "die Augen klar machenden" Duft, der Läuse vertreibt.

Neue Studie enthüllt: Lavendel wirkt vor allem durch den Duft

Jetzt haben Forscher übrigens festgestellt, dass die beruhigende und schlaffördernde Wirkung des Lavendels durch Linalool anders funktioniert als bisher angenommen – nämlich allein durch Aufnahme über die Nase, also den Geruchssinn. Bisher dachte man, Linalool würde als pharmakologischer Wirkstoff über den Körper aufgenommen.

Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr wirkt Lavendel gar nicht beruhigend, wenn die Inhaltsstoffe durch Einnahme ins Blut übertreten. Der Duft des Lavendels muss über den Geruchssinn aufgenommen werden – aber auch das klappt nur, wenn dieser funktioniert. Das haben die Forscher an Mäusen getestet: Tiere ohne funktionierenden Geruchssinn konnten mit Lavendelduft nicht beruhigt werden, obwohl sie die Inhaltsstoffe durch Einatmen aufgenommen haben.

Das bedeutet: Der Duftstoff muss in der Nase bestimmte sogenannte olfaktorische Sensoren reizen, damit diese Nervensignale an das Gehirn weiterleiten. Dafür muss der Einatmende den Duft aber wahrnehmen können.

Bedeutet das aber jetzt, dass Lavendeltee und Co gar nichts bringen? Doch! Die Studie hat sich lediglich mit der beruhigenden Wirkung befasst. Hilfe gegen Verdauungsbeschwerden zum Beispiel lassen sich immer noch mit einer frischen Tasse Lavendeltee bekämpfen. Mehr dazu und zur weiteren Lavendel-Wirkung verraten wir Ihnen weiter unten im Text.

Bedeutung in der Homöopathie

Homöopathen beschreiben Lavendel als Seelenpflanze: sie fördert Neues, klärt, beruhigt und stärkt die Nerven.

Der Duft wird häufig in der Aromatherapie eingesetzt, wenn es darum geht, zu beruhigen und Stress, Migräne oder Schlafprobleme loszuwerden.

Vorsicht beim Kauf: Fälschungen kommen häufig vor

Lavendelöl ist beliebt – das haben auch verschiedene Hersteller bemerkt. Die Herstellung ist allerdings aufwendig und benötigt viel Rohstoff: Auf ein Kilogramm Lavendelöl kommen 120 Kilogramm Blüten. Daher gibt es auf dem Markt viele gestreckte oder durch andere Stoffe verfälschte Öle. Sollten Sie sich nicht sicher sein, achten Sie auf das A.O.C.-Siegel auf dem Etikett.

Die Alternative: frischer Lavendel

Zwar kommt Lavendel aus der Provence, aber auch in unseren heimischen Gärten kann man ihn anbauen. Wenn Sie frischen Lavendel ernten wollen, machen Sie dies aber am besten in den Morgenstunden, denn dann besitzt die Pflanze den höchsten Gehalt an ätherischen Ölen. Dann können Sie ihn ganz unten am Stängel abschneiden und etwa zum Trocknen kopfüber in Sträußen an ein schattiges Plätzchen hängen, etwa in die Abstellkammer oder den Keller. Gut eine Woche sollte die Pflanze trocknen.

Die frischen oder getrockneten Blüten lassen sich ganz einfach zu einer Tinktur oder einem Badezusatz – Lavendelwasser – verarbeiten:

  • Für Lavendelwasser kochen Sie einfach eine Tasse Lavendelblüten in einem Liter Wasser auf. Ein paar Minuten köcheln lassen und dann durch ein Sieb ins Badewasser geben.
  • Für eine Tinktur setzen Sie eine Handvoll Blüten in klarem Alkohol an. Stellen Sie die fest verschlossene Flasche einige Wochen an einen dunklen Ort.

Öl, Tinktur und Blüten: Wie wende ich Lavendel an?

Wichtig: Mancher reagiert auf ätherische Öle sowie auf Lavendel speziell allergisch. Dies sollten Sie vorher vorsichtig testen. Babys und Kleinkinder sollten niemals mit unverdünntem Lavendelöl in Berührung kommen. Und auch in Schwangerschaft und Stillzeit ist bei ätherischen Ölen Vorsicht geboten. Manchmal hilft es, das Öl einfach etwas zu verdünnen, etwa mit einem Trägeröl wie dem geruchsneutralen Arganöl. Haben Sie dies alles getestet und eine Unverträglichkeit ausgeschlossen, kann es losgehen:

Wie Sie die frische oder getrocknete Pflanze sowie ihr Öl anwenden, kommt auf den Grund an. Damit der Lavendel seine Wirkung entfalten kann, um abends zu beruhigen und den Schlaf zu fördern, können Sie ein kleines Kissen mit getrockneten Lavendelblüten füllen oder ein Kirschkernkissen mit Lavendelöl beträufeln. Oder Sie geben einfach ein paar Tropfen Öl auf Ihr Kissen.

Zudem lassen sich Cremes gut mit Lavendelöl mischen. Diese können Sie dann sanft auf die Schläfen auftragen oder die Arme damit einreiben.

Wer abends so richtig entspannen möchte, kann sich ein Vollbad einlaufen lassen und einige Tropfen Lavendelöl ins warme Badewasser geben. Oder Sie greifen gleich auf einen Bio-Badezusatz zurück.

Wenn Sie in den Urlaub fliegen oder zurückkommen und unter Jetlag leiden, probieren Sie es mit ein bisschen Lavendel. Die Wirkung hilft, besser mit der Zeitumstellung zurechtzukommen.

Beduften Sie den Raum mit Lavendelöl, wirkt das zwar beruhigend und ausgleichend, aber auch stimmungsaufhellend.

Wundheilung fördern mit Lavendel

Aber das ätherische Öl hilft auch bei anderen, körperlichen Problemen, etwa bei Wunden: Ob Schnittwunde, Schürfwunde, Verbrennung, Prellung, Insektenstich oder anderer Entzündung: Etwas Lavendelöl beruhigt die verletzte Stelle, wirkt antiseptisch und fördert die Wundheilung. Auf ein Vollbad mit Lavendel sollten Sie bei offenen Wunden und Hautentzündungen sowie bei Fieber, Herzschwäche und Kreislaufbeschwerden aber verzichten.

Für Behandlungen der Haut können Sie, nach vorherigem Allergietest, übrigens auch die oben erwähnte Tinktur benutzen. Die hilft auch bei unreiner Haut. Einfach etwas Tinktur auf ein Wattepad geben und das Gesicht nach der Reinigung vorsichtig abtupfen. Eincremen danach aber nicht vergessen, denn der Alkohol trocknet die Haut aus.

Kochen mit Lavendel

Lavendel schmeckt auch: Als Tee kann das Kraut Magen-Darm-Beschwerden lindern und Blähungen bekämpfen. Der Tee wirkt allerdings appetitanregend. Lavendelöl hingegen hemmt das Hungergefühl. Hinweis: Vorübergehend kann Lavendel bei innerlicher Anwendung zu Aufstoßen, Übelkeit oder Verstopfung führen.

Streuen Sie vielleicht auch einfach mal ein wenig getrockneten Lavendel in Ihren Eintopf oder auf Ihr Fischgericht. Denn Lavendel ist, was viele vielleicht nicht wissen, Bestandteil vieler Gewürzmischungen, die als "Kräuter der Provence" im Handel erhältlich sind.

Und noch ein Tipp: Ein paar Lavendelblüten unter dem Bettlaken sollen dafür sorgen, dass sich Paare, die im selben Bett schlafen, nicht streiten! Na, wenn das nicht noch eine tolle zusätzliche Lavendel-Wirkung ist…

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Pflanzenmedizin ist ein riesiges Themengebiet. Eine ähnlich vielseitige Heilpflanze ist übrigens die Kamille, deren Wirkung vor allem für einen angeschlagenen Verdauungstrakt sowie gestresste Haut wichtig ist. Für die Hautpflege gibt's noch eine ganze Menge toller Blumen. Lesen Sie mehr bei uns über das Thema Hautpflege.

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Hier finden Sie noch die oben erwähnte Studie der Forscher der Kagoshima Universität Japan zur beruhigenden Wirkung von Lavendelduft.

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