24.05.2018

Naturheilkunde Pflanzenmedizin: Zehn Heilblüten und ihre Anwendung

Geballtes Wissen über die Themen, die Frauen bewegen Von

Auf üppigen Wiesen und in Bio-Supermärkten können Sie Heilblüten finden, die unterschiedlich angewendet bei einer ganzen Reihe von Beschwerden helfen können.

Foto: iStock/altmodern

Auf üppigen Wiesen und in Bio-Supermärkten können Sie Heilblüten finden, die unterschiedlich angewendet bei einer ganzen Reihe von Beschwerden helfen können.

In der Natur gibt es nicht nur jede Menge schöne Pflanzen, sondern auch viele kraftvolle. Wir stellen ihnen zehn Blüten vor, die beides zugleich sind.

"Viele Blütenblätter haben nicht nur einen angenehm zarten, oftmals auch würzigen Geschmack. Sie enthalten auch Heilkräfte", erklärt Dr. Christine Volm, Agraringenieurin und Buchautorin aus Sindelfingen. Doch woher kommen die Kräfte der Heilblüten? "Mit am wertvollsten sind ihre Farbstoffe, die Anthocyane", weiß die Expertin, "Blütenmedizin ist aber auch immer Aromatherapie. Denn die Lockstoffe für bestäubende Insekten, ätherische Blüten-Öle, haben eine nachgewiesene Wirkung auf unsere Gesundheit. Studien zeigen, dass die Duftstoffe an Rezeptoren im Gehirn andocken. Deshalb beeinflusst allein schon das Schnuppern an einer Blüte über das zentrale Nervensystem die Gesundheit."

Wir stellen Ihnen zehn bekannte Heilblüten samt ihren Wirkungsweisen vor und verraten, wie Sie sie anwenden können.

Diese 10 Heilblüten helfen bei unterschiedlichsten Beschwerden

1. Hibiskus

Das Gewächs kann bis zu fünf Meter hoch werden. Im Garten lockt es Hummeln, Bienen und andere nützliche Insekten an.

Gesund-Stoffe: Zitronen-, Apfel-, Wein-, Hibiskussäure, Anthocyane, Flavonoide, Phytosterole

Wasser bei Stress, Erschöpfung: 2 gehäufte EL Blüten, 3 Zitronenscheiben 3 Stunden in Wasserkaraffe geben. Mit Frischhaltefolie abdecken, in der Sonne 3 bis 4 Stunden ziehen lassen. Blüten herausfiltern. Über den Tag verteilt trinken.

2. Flieder

Das Ölbaumgewächs aus Vorderasien fand seinen Weg in unsere Gärten und Parks Ende des 16. Jahrhunderts. Das deutsche Wort "Lila" leitet sich ab von dem französischen Wort für Flieder: "lilas".

Gesund-Stoffe: Ätherische Öle, Panesol, Bitterstoffe, Alpha-Pinene, Syringin

Tee gegen Verstopfung, Blähungen, bei Reizdarm: Blüten von der Rispe abzupfen, 2 TL davon mit 200 ml Wasser aufbrühen, 5 Minuten zugedeckt ziehen lassen. 2 bis 3 Tassen pro Tag. Geheim-Rezept bei Schluckauf und Fieber.

3.Wiesen-Schaumkraut

Schmetterlinge lieben diesen Frühblüher. Die Heilblüe hat es gerne feucht, wächst an Gräben, Pfützen, gern auf sumpfigen Wiesen.

Gesund-Stoffe: Ätherische Öle, Glycoside, Senföle, Bitterstoffe, Magnesium

Tee bei Gelenkschmerzen, Leberproblemen: 2 TL Blüten, 1 TL Wiesen-Schaumkraut mit 350 ml heißem Wasser überbrühen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. 3-mal täglich eine Tasse.

4. Duft-Geranie

Über 200 Sorten der Pflanze duften intensiv nach Orangen, Zitronen, Minze, Rosen oder exotischen Gewürzen.

Gesund-Stoffe: Ätherische Öle, Citronellol, Geraniol, Linalool, Rosenoxid

Öl bei Regelstörungen, PMS, Wechseljahrbeschwerden: 6 bis 8 Blütenköpfe über Nacht auf einem Handtuch antrocknen. 500 ml Sesamöl erwärmen. Blüten in Weckglas geben, mit warmem Öl übergießen, bis sie bedeckt sind. Glas verschließen, 2 bis 3 Wochen an warmen Ort stellen. Abseihen. 3-mal täglich 3 Tropfen Geranienöl in 1 Glas lauwarmem Wasser einnehmen.

Apropos Kraft der Natur: Kennen Sie diese heimischen Wildkräuter zum Entgiften, die Sie auf jeder Wiese finden können?

5. Gundermann

Der Lippenblütler wächst auf Wiesen, an Waldrändern, in Ufernähe.

Gesund-Stoffe: Beta-Pinen, Limonen, Linalool, Menthol, Sitosterol

Butter für entzündete Haut, Ekzeme, schlecht heilende Wunden: 8 EL fein gehackte Blütenblätter in 250 g zimmerwarmer Butter gleichmäßig verteilen. Abdecken, bei Raumtemperatur 6 bis 7 Stunden stehen lassen. In Tiegel füllen, im Kühlschrank lagern. Messerrückendick auf die betroffenen Stellen auftragen. Mit Tuch abdecken, 20 bis 30 Minuten wirken lassen. 3-mal täglich.

Sollten die Heilblüten eigentlich gekauft oder von der Wiese gepflückt werden? Expertin Dr. Christine Volm erklärt: "Vom Wirkstoffgehalt her macht das keinen Unterschied. Gekaufte Blüten sollten immer Bio-Qualität haben, also nicht Pestizid- und Dünger-belastet sein. Sie können die Pflanzen aber auch mit Bio-Saatgut selbst ziehen. Und Blüten nicht an einer stark befahrenen Straße, einem Hunde-Gassi-Weg pflücken. Ein No-Go: Pflanzen aus dem Blumenladen."

Auf der nächsten Seite finden Sie die nächsten fünf Heilblüten, die u. a. bei Bronchitis, Schlafproblemen und Blasenentzündung helfen können.

 

6. Duft-Veilchen

Wegen ihrer Farbenpracht und ihres betörenden Duftes war diese Heilblüte in der Antike den Liebesgöttinnen Aphrodite, Freya und Venus geweiht.

Gesund-Stoffe: Ätherische Öle, Rutosid, Farbstoffe wie Violanin, Schleimstoffe

Sirup gegen Husten, verschleimte Bronchien: 500 ml Wasser mit 500 g Zucker aufkochen, bis sich der Zucker löst. Saft 1 Bio-Zitrone hinzugeben. 2 bis 3 Handvoll Veilchenblätter in den lauwarmen Sirup geben, 3 bis 4 Tage im Dunkeln ruhen lassen. Hat sich der Sirup rosa bis violett verfärbt, abseihen. 4 bis 6 TL am Tag im Mund zergehen lassen.

Lesen Sie auch, mit welchen Pflanzen Sie Medizin selber herstellen und so eine eigene Hausapotheke anlegen können.

7. Taubnessel

Die sanfte Schwester der Brennnessel wächst entlang von Wegesrändern, an Zäunen und Hecken, wird etwa 50 cm groß.

Gesund-Stoffe: Gerb-, Farb-, Bitter-, Schleimstoffe, Histamin

Bad gegen Schlafprobleme: 200 g Blüten mit 500 ml heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen gelassen. Sud ins 38 Grad warme Badewasser geben. 1-mal täglich 60 Minuten vorm Schlafengehen.

8. Bärlauch

Der grüne Bruder des Knoblauchs fühlt sich in der Nähe von Laubbäumen und Bächen besonders wohl.

Gesund-Stoffe: Aminosäure Alliin, keimtötende Lauchöle

Essig für ein starkes Immunsystem und Herz: 2 Handvoll Blüten 36 Stunden in 1 l Apfelessig ziehen lassen, abseihen. Morgens nüchtern 1 EL in kleines Glas mit warmem Wasser geben. Bärlauch-Essig schluckweise trinken.

9. Kapuzinerkresse

Der Blütensporn der leuchtend gelborange blühenden Zierpflanze und Heilblüte mit ihrem pfefferartigen Duft erinnert an die Kapuze einer Mönchskutte –daher der Name. Das natürliche Antibiotikum senkt die Anfälligkeit für Infekte um gut 50 Prozent.

Gesund-Stoffe: Antibakterielle Senföl-Glycoside

Sitzbad bei Blasenentzündung, Reizblase: Einen stärkeren Tee-Aufguss aus 4 EL grob gehackten Kapuzinerkresse-Blüten und 250 ml kochendem Wasser herstellen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Absud bei laufendem, 38 Grad warmem Wasser ins Sitzbad geben. 20 Minuten darin baden.

10. Malve

Kaiser Karl der Große (747-814) ordnete an, den Sommerblüher als Heilpflanze in den Klostergärten anzubauen. Heute wächst er an Wegrändern, Häusermauern, sogar auf Schuttplätzen.

Gesund-Stoffe: Anthocyan-Farbstoff Malvidin, Schleimstoffe wie Galactose, Glucuronsäure, Gerbstoffe

Inhalation bei Halsweh, Heiserkeit, Reizhusten: Auf 1 l siedend heißes Wasser 3 EL grob zerzupfte Malvenblüten geben. Zudecken, 5 bis 7 Minuten ziehen lassen. Heildampf unterm Handtuchzelt ca. 10 Minuten langsam und tief durch den Mund einatmen, durch die Nase wieder aus. 3-mal täglich.

Kennen Sie auch schon diese pflanzliche Antibiotika, die bei Infektionskrankheiten helfen?

Kann es bei der Blütenmedizin Allergien geben? "Bei Kindern unter vier Jahren sollten grundsätzlich keine Blüten eingesetzt werden", rät Dr. Volm, "Menschen mit einer Allergie, z. B. gegen Korbblütler, sollten vorher mit ihrem Arzt sprechen. Und natürlich Pflanzen nur pflücken, wenn Sie über botanische Kenntnisse verfügen. Denn es gibt auch Giftpflanzen wie Maiglöckchen oder Herbstzeitlose."

Auf unserer umfangreichen Themenseite finden Sie neben den kraftvollen Heilblüten weitere abwechslungsreiche und informative Ratgeber rund um die Naturheilkunde und ihre Kräfte.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 17.

Seite

Kommentare