08.05.2018

Chancen der „Heil-Trance“ Medizinische Hypnose: So wirkt sie gegen Schmerzen

Geballtes Wissen über die Themen, die Frauen bewegen Von

Medizinische Hypnose wird immer populärer – kein Wunder, wirkt sie doch unter anderem gegen Schmerzen, Migräne oder Bluthochdruck.

Foto: iStock/Antonio_Diaz

Medizinische Hypnose wird immer populärer – kein Wunder, wirkt sie doch unter anderem gegen Schmerzen, Migräne oder Bluthochdruck.

Hypnose statt Narkose: Würden Sie sich das trauen? Tatsache ist: Immer mehr Studien belegen, wie wirk- und heilsam der Trance-Zustand ist. In immer mehr Kliniken und Praxen kommt die medizinische Hypnose zum Einsatz. Hypnose-Arzt Dr. Wolfgang Blohm erklärt, wie's funktioniert.

Der Begriff Hypnose kommt vom griechischen Wort "hypnos" = Schlaf. Doch wer hypnotisiert ist, schläft nicht. Die hypnotische Trance ist ein Wachzustand in tiefer Entspannung, in dem das Bewusstsein in den Hintergrund, das Unterbewusstsein in den Vordergrund rückt. So wird der Patient für Suggestionen empfänglich, die ein seriöser Therapeut vorher mit ihm vereinbart hat. Und die später auch im Wachzustand wirksam bleiben. Hypnose klappt bei über 90 Prozent der Menschen. Hypnose-Arzt Dr. Wolfgang Blohm erklärt im Interview, wie medizinische Hypnose zur Anwendung kommt.

Das versprechen sich Mediziner von medizinischer Hypnose

BILD der FRAU: Dr. Blohm, mal ehrlich: Kann Hypnose wirklich eine Narkose ersetzen?

Dr. Wolfgang Blohm: Ja, kann sie – bei Gelenk-oder Augenoperationen zum Beispiel. Hypnose kommt bei vielen Eingriffen zum Einsatz, außer bei größeren Operationen im Bauchraum oder am Herzen. Es dauert nur einige Minuten, bis sich Patienten in einer hypnotischen Trance befinden. Das klappt in über 90 Prozent der Fälle. Und anders als bei einer Vollnarkose fühlen sich frisch Operierte danach weniger wackelig, haben weniger Schmerzen und eine um ein Drittel schnellere Heilung.

Und Schmerz-Patienten brauchen dank Hypnose keine Medikamente mehr?

Ja, die meisten brauchen nur noch ein Drittel der bisherigen Menge. Sogar chronische Schmerzpatienten profitieren. Hypnose kann die Durchblutung verbessern, Stresshormone reduzieren – das allein schon dämpft den Schmerz. Der Therapeut lenkt die Aufmerksamkeit des Patienten außerdem so um, dass der Schmerz nicht mehr im Mittelpunkt steht.

Bei diesen Krankheiten kommt Hypnose zum Einsatz

Hypnose soll sogar beim sogenannten "Frauen-Rheuma", der Fibromyalgie helfen – stimmt das?

Das stimmt. Eine neue Studie beweist auch hier eine Verbesserung der Schmerzen um mindestens 50 Prozent.

Welche Krankheiten stehen noch auf der Erfolgsliste?

Die ist tatsächlich lang. Hypnose wird erfolgreich angewendet bei Burnout, Migräne, Neurodermitis, Tinnitus, stressbedingten Krankheiten, Ängsten, Depressionen, Reizdarm, Allergien wie Heuschnupfen, ADHS. Und auch bei Wechseljahrsproblemen.

Aber bin ich als Patient dem Hypnotiseur nicht völlig ausgeliefert? Ist das nicht die reinste Gehirnwäsche?

Nein. Eine gute Hypnose schaltet das wache Bewusstsein nicht aus, sondern mindert es nur vorübergehend. Der Patient ist immer Herr seiner Sinne, kann die Hypnose auch jederzeit abbrechen.

Klappt Selbsthypnose?

Wenn sie beim Therapeuten erlernt wurde, ja. Untersuchungen zeigen, dass Selbsthypnose Stressauslöser entschärft und Stressfolgen mildert. Blutdruck und Herzfrequenz sinken, die Atmung vertieft sich. Anfangs hält diese Wirkung nur etwa zwei Stunden an, nach einem halben Jahr aber stellt sich ein positiver Dauereffekt ein.

"Nach der Behandlung waren die Krämpfe weg"

Seit sie 21 Jahre alt ist, leidet Nadia Bösch (38) unter Morbus Crohn. "Ich habe verschiedenste Medikamente genommen, auch Kortison, weil ich ständig Bauchkrämpfe hatte", erzählt Bösch. Aber die Nebenwirkungen der Medikamente setzen ihr immer mehr zu. Schließlich lässt sie sich vom Schweizer Experten Hansruedi Wipf hypnotisieren.

Sie soll herausfinden, wann sie zum ersten Mal die Beschwerden hatte. Nadia Bösch sieht plötzlich vor sich, wie sie als Kind allein in einem Aufzug eingeschlossen ist. Die Sitzung liegt inzwischen zwei Jahre zurück, die höllischen Krämpfe sind verschwunden. Nur ab und zu hat Nadia noch leichte Blutungen. "Aber die bekomme ich mit einer zweiten Sitzung auch noch weg!"

"Ich bin meinen Bluthochdruck los"

Vor drei Jahren beginnt Christiane Radny (47), Tabletten gegen zu hohen Blutdruck zu nehmen. "Die Werte stabilisierten sich – aber ich fühlte mich nicht besser", erzählt sie. "Der Stress im Büro zerrte an meinen Nerven, ich hatte Schlafstörungen." Sie sucht nach neuen Wegen zu entspannen, recherchiert im Internet – und fährt schließlich zum Hypnose-Therapeuten nach Berlin.

In der Sitzung schickt er sie zurück an den Ort, an dem sie das erste Mal gespürt hat, dass ihr Blutdruck in die Höhe schnellt. Sie landet bei ihrem cholerischen Vater. "Da war ich noch ein Kleinkind, ich kenne meinen Vater kaum!" Nach der Sitzung fühlt sie sich befreit, schläft wieder gut. Sie setzt die Blutdruck senkenden Mittel probeweise ab – ihre Werte bleiben niedrig.

"Fünf Sitzungen vertrieben meine Migräne"

Schon als Teenager hatte ich schlimme einseitige Kopfschmerzen", erzählt Claudia K. (42) aus Berlin. "Aber die Ärzte fanden nichts." Also nimmt sie jahrelang Schmerzmittel. "Mit Anfang 30 habe ich es nur noch im Dunklen ausgehalten." Endlich die Diagnose: Migräne.

Sie sucht Hilfe bei Therapeut Nikolai Hanf-Dressler vom Berliner "Hypnos®-Zentrum für Hypnose". Der erklärt: "In fünf Sitzungen habe ich Claudia in Situationen zurückgeführt, die Kopfschmerzen ausgelöst hatten." Claudia erkennt das Muster, befreit sich davon. "Und die Migräne-Beschwerden gingen tatsächlich weg! Heute habe ich nur noch manchmal leichte Kopfschmerzen."

"Mein Baby kam mit Hypno-Birthing"

Nach drei Stunden war Tochter Franziska da (heute 2) – und "es war eine wunderschöne Geburt", schwärmt Stefanie Gross (29) aus Diedorf nahe Augsburg. "Ich hatte vorher die Hypno-Birthing-Technik gelernt." Dabei geht es darum, den Zustand tiefer Entspannung zu erreichen. "Mit bestimmten Atemtechniken zum Beispiel."

Stefanie Gross gibt heute sogar selbst Hypno-Birthing-Kurse für werdende Eltern (www.geborgenekinder.de)."Weil andere Frauen auch erleben sollen, wie großartig es ist, ein Kind stressfrei zur Welt zu bringen." In diesen Tagen erwartet Stefanie ihr zweites Baby: "Natürlich wieder mit Selbsthypnose-Technik."

Was kostet eine Hypnose-Sitzung?

Eine 50-minütige Sitzung kostet etwa 100 Euro. Gesetzliche Kassen zahlen selten, nachfragen lohnt sich aber. Seriöse Therapeuten finden Sie über: Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e. V., Daruper Str. 14, 48653 Coesfeld, Tel. 0 25 41/88 07 60, www.dgh-hypnose.de.

Medizinische Hypnose kann bei Schmerzen und Krankheiten ganz ohne Einsatz von Medikamenten wirksam sein. Wenn Sie sich für natürliche Heilmittel interessieren, werfen Sie doch einen Blick auf unsere Artikel zum Thema Naturheilkunde.

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