17.04.2016

Schmerzen und Verspannungen Die neue Triggerpunkt-Therapie hilft, wenn nichts mehr geht

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Foto: ©istock/SIphotography

Verhärtete Muskeln werden ordentlich unter Druck gesetzt und wieder schön locker. Man kann sich sogar selbst behandeln.

Der Nacken tut bei jeder Drehung weh. Im Rücken sticht und brennt es wie bei einem Hexenschuss. Doch was die Medizin erst seit Kurzem weiß: Hinter solchen Schmerzen stecken oft Auslöser, die an einer ganz anderen Stelle des Körpers sitzen.

Sie werden Trigger genannt und sind schmerzhaft verkürzte Muskelfasern mit einer Stoffwechselund Durchblutungsstörung. Bei der Trigger- Krankheit senden überaktive Nervenplatten an den Muskelfasern Schmerzsignale zu anderen Körperregionen aus. "Triggerpunkte sind die Hauptursache für Schmerzen und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates. Bis zu 90 Prozent der Schmerzen strahlen von ihnen aus. Dagegen quälen nur 10 Prozent wirklich dort, wo sich die lokale Ursache befindet," sagt Physiotherapeut Walter Lieb von der Internationalen Triggerpunkt-Akademie in Kaufbeuren.

Normalerweise spannt sich ein Muskel an und entspannt sich wieder. Doch unter Dauerbelastung, zu wenig Bewegung und bei Verletzungen kann er verkrampfen. Triggerpunkt-Experte Lieb: "Auch Stress wie Lebenskrisen oder Liebeskummer führen zu einer Daueranspannung. Der Muskel wird schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Es entstehen Schmerzen." In der Folge bilden sich knubbelige Knoten, die sogar für den medizinischen Laien leicht zu ertasten sind. "Er erkennt Triggerpunkte auch daran, dass sie empfindlicher auf Druck reagieren als gesunde Muskulatur. Außerdem schränken sie die Bewegung ein, führen zu Kraftverlust und örtlichen Reaktionen wie vermehrtem Schwitzen.

"Schmerzhafte Knubbel

Blockieren die GelenkeTriggerpunkte können unter anderem zu Tennisellenbogen, Problemen mit den Knien, Fersensporn, Kopfschmerzen oder Bauchweh, auch zu Gangstörungen und Blockaden der Gelenke führen. "Frauen leiden häufiger als Männer unter Kopf-und Kiefergelenkschmerzen. Auch Schulter, Unterarm und die Hände sind öfter betroffen, ebenso wie Unterschenkel, Fuß und Zehen", so Lieb.

Ein klassischer Triggerpunkt z.B. liegt im Trapeziusmuskel zwischen Schulter und Wirbelsäule. Er ist der häufigste Verursacher des sogenannten Fragezeichen-Kopfschmerzes, der vom Nacken über den Hinterkopf zur Schläfe verläuft. Trigger im Schulterblattheber-Muskel "M. levator scapulae" führen zu Nackenschmerzen, die oft mit Tinnitus und Schwindelattacken verbunden sind. Der Kaufbeurer Physiotherapeut: "Der äußere schräge und der gerade Bauchmuskel strahlen typischerweise bis in den Unterleib aus. Und Schmerzen im unteren Rückenbereich entstehen häufig durch Triggerpunkte im mittleren Gesäß-und im quadratischen Lendenmuskel."

Muskeln werden mit 15 Kilo unter Druck gesetzt

Bei der Therapie wird der Triggerpunkt aufgelöst. Oft reicht bereits ein kräftiger Druck mit dem Daumen. Neu ist die sogenannte Ischämische Kompression. Dabei wird der entspannte Muskel bis an die Grenze des Erträglichen gedehnt. Erst erzeugt der Therapeut mit dem Daumen direkt auf dem Triggerpunkt einen anhaltenden Druck. Lässt der Schmerz nach, wird er nach und nach mit beiden Daumen wieder so weit verstärkt, wie es notwendig ist. Der Therapeut setzt diesen Vorgang bis zu 90 Sekunden mit einem Auflagegewicht von 10 bis 15 kg fort. "Ein Physiotherapeut mit einer speziellen Triggerpunkt-Ausbildung benutzt aber nicht nur seine Hände, sondern z.B. auch Vibrations-und Stoßwellengeräte, Elektrotherapie, Wärmeanwendungen und Dehnübungen", sagt Lieb. Meist verordnet der Arzt sechs Behandlungen à 20 bis 50 Minuten. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Kosten in Höhe von rund 90 Euro pro Sitzung leider nicht.

Wie Sie sich selbst therapieren können, erfahren Sie hier:In 3 Schritten Schmerzen selbst wegtriggern -so funktioniert es

Quelle: Bild der Frau 27032015

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