17.03.2016

Neue Studien Die Heilkräfte des Waldes

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Foto: ©iStock / Piotr Krześlak

Wer regelmäßig in Waldluft "badet", tut seiner Gesundheit viel Gutes. Und auch das Berühren der Baumborke schleust Vitalstoffe in unseren Körper.

Ruhe atmen, Kraft tanken, den Kopf frei bekommen. Instinktiv wissen wir, dass uns der Wald guttut. Immer mehr Studien belegen, dass zwischen Mensch und Wald ein heilendes, geradezu therapeutisches Band besteht. Und dass Ausflüge in die 11,1 Millionen Hektar des deutschen Waldes Herz, Immunsystem, Stoffwechsel und Psyche positiv beeinflussen.

Der Biophilia-Effekt

Diese heilsame Wirkung nennt die Wissenschaft Biophilia-Effekt (altgriech.: bios =Leben, philia =Liebe). Bäume, Sträucher und andere Pflanzen tauschen untereinander Botschaften. Sie informieren sich z. B. über Schädlinge, damit alle Gewächse ihr Immunsystem hochfahren. Die Pflanzen sind sogar in der Lage, Insekten zu Hilfe zu rufen. "Sie tun das mit chemischen Substanzen aus der Gruppe der Terpene. Das sind sozusagen die Pflanzenvokabeln. Auch unser Immunsystem hat sich als kommunikationsfähiges Sinnessystem erwiesen, das darauf reagiert", erklärt Clemens G. Arvay, Diplom-Biologe und Buchautor aus Graz.

Der Wald als organische Antenne

Betreten wir den Wald, fängt es wie eine organische Antenne die Pflanzen-Funksprüche auf und entschlüsselt sie sogar ähnlich wie die Pflanzen selbst. "Forscher der Nippon Medical School in Tokio haben herausgefunden, dass die Terpene in der Waldluft Anzahl und Aktivität unserer Killerzellen deutlich erhöhen. Diese vernichten nicht nur Viren, sondern bekämpfen auch Krebszellen. Außerdem entstehen durch den Einfluss der Waldluft mehr von den drei wichtigsten Anti-Krebs-Proteinen, mit denen unser Immunsystem gefährliche Zellen beschießt und vergiftet."

Waldluft senkt bei Frauen die Stresshormone

Die sekundären Pflanzenstoffe in der Waldluft regen auch die Nebennierenrinde dazu an, mehr von der Herzschutzsubstanz DHEA zu bilden. Arvay: "Das ist eine Hormon-Vorstufe, die uns vor der koronaren Herzkrankheit schützt, also vor einer sehr gefährlichen Form der Gefäßverkalkung, die zum Herzinfarkt führen kann." Außerdem aktiviert die Waldatmosphäre den Parasympathikus - den Nerv der Ruhe. "Weil so die Stresshormone sinken, wirkt sich der Wald auch über die psychische Ebene günstig auf unser Herz-Kreislauf-System aus. Und Studien mit Frauen zeigen, dass die Konzentration des Stresshormons Adrenalin nach einem Tag im Wald um mehr als die Hälfte, am zweiten Tag sogar um nahezu drei Viertel sinkt."

Mit der Waldluft den Blutzuckerspiegel senken

Bei Menschen mit einem Altersdiabetes (Typ II) fällt der Blutzuckerspiegel auf ganz natürliche Weise, und auch bei Bluthochdruck-Patienten regulieren sich die Werte in Richtung Normbereich. Schon der Blick auf Bäume macht Kranke schneller gesund. "Von den gesunden Terpenen aus der Pflanzenkommunikation geben Nadelgehölze wie Fichten und Tannen etwas mehr ab als Laubbäume wie Eichen oder Buchen. Die Konzentration ist im Sommer - vor allem von Juni bis August -, nach Regen und tief im Wald am höchsten", sagt der Pflanzenwissenschaftler.

Bäume sind aber immer und grundsätzlich gesund für uns: Schon in den 80er-Jahren erschien in der Fachzeitschrift "Science" eine Studie des schwedischen Gesundheitswissenschaftlers Prof. Roger Ulrich. Er konnte beweisen, dass allein der Anblick eines Baumes die Selbstheilungskräfte aktiviert. Und Patienten, die aus dem Krankenhausfenster auf einen Baum blicken konnten, wurden nach einer OP schneller wieder gesund als eine Vergleichsgruppe, die nur auf eine Hausmauer sah. Die Wundheilung ging bei der "Baumgruppe" schneller, sie brauchten weniger Schmerzmittel.

"Auf der psychologischen Ebene sind lichte Baumbestände oder Wiesen mit einzelnen Bäumen besonders effektiv, weil wir sie gut überblicken können und unsere inneren Alarmsysteme ganz auf , Entspannen' schalten. Da können die beruhigenden Reize der Natur noch besser wirken", so Arvay. "Diese parkartigen Landschaftsformen wirken sogar gegen ADHS, Burnout, Depressionen, Angst-und Panikstörungen."

Gehen Sie regelmäßig zum "Waldbaden"

Die gesundheitsfördernden Substanzen der Bäume stecken nicht nur in ihren Blättern. Der Biologe: "Die Borke ist eine besonders reiche Quelle für die gesunden Terpene aus der Pflanzenkommunikation. Vielleicht haben Menschen, die Bäume umarmen, das schon immer intuitiv gespürt?" Doch nicht nur Bäume, Sträucher und andere Pflanzen geben sie ab, sondern auch "Waldbewohner" wie Pilze und Bodenorganismen. Sie alle sind Teil des riesengroßen kommunizierenden Organismus Wald.

Die Japaner sind uns in dieser Erkenntnis weit voraus und haben das regelmäßige "Waldbaden" schon seit Langem in ihr Gesundheitsprogramm aufgenommen. "Erfahrene japanische Waldmediziner empfehlen, pro Monat zwei volle Tage in einem Waldgebiet zu verbringen. Bei zwei Tagen pro Monat bleiben die natürlichen Killerzellen und die Anti-Krebs-Proteine dauerhaft erhöht", betont Arvay. Aber auch kürzere Ausflüge nutzen der Gesundheit. Der Experte empfiehlt, mindestens zwei Stunden am Stück im Wald abzutauchen. Genießen Sie es!

Und hier die Top-Liste der für Menschen gesündesten Bäume:

  • Fichte

Der schnell wachsende Nadelbaum wird intensiv von der Forstwirtschaft genutzt, z. B. zur Papierherstellung.

  • Eiche

Nach der Buche der zweithäufigste Laubbaum bei uns. Meist in Mischwäldern. Gilt in vielen Mythen als "heiliger Baum".

  • Buche

Junge Bäume haben eine schlanke Krone, ältere eine kuppelförmige. Die Rinde ist grau, glatt und ein wichtiger Holzlieferant.

  • Tanne

Sie kann eine Wuchshöhe von bis zu 90 Metern erreichen und gibt genau wie die Fichte besonders viele heilende Stoffe ab.

  • Lärche

Im Spätherbst verliert sie ihre nadelförmigen Blätter. Die Zapfen bleiben dagegen oft mehrere Jahre am Baum.

Gesunde Waldatmung - so geht's!

Mit dieser Ganzkörper-Atmung nehmen Sie besonders viele heilsame Substanzen aus der Luft auf. Suchen Sie sich im Waldesinneren einen Platz, der Sie anspricht. Ihre Füße stehen schulterbreit parallel zueinander. Gehen Sie nun leicht mit herabhängenden Armen in die Knie. Arme auf Schulterhöhe zur Seite ausstrecken und langsam im Halbkreis über dem Kopf zusammenführen - als wären Sie ein Baum, der seine mächtige Krone dem Himmel entfaltet. Dabei tief einatmen, erst in den Bauch, dann in die Brust.

Nehmen Sie die Waldluft ganz bewusst auf, und fühlen Sie, wie sie Ihre beiden Lungenflügel füllt. Wenn die Arme über dem Kopf, Handfläche auf Handfläche, zusammentreffen, legen Sie die Unterarme parallel aneinander und führen Sie sie vor Ihrem Körper nach unten. Dabei langsam ausatmen, währenddessen Fäuste ballen, den Oberkörper nach vorn beugen und in die Hocke gehen. Die Ellenbogen bei dieser Bewegung auf Höhe der Magengrube an den Körper drücken.

Wichtig: vollständig ausatmen. Richten Sie sich nun wieder auf und beginnen die Übung von vorn. 10-bis 15-mal.

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