31.07.2017

Heilmedizin aus Fernost Traditionelle Chinesische Medizin: Schonend abnehmen

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Gesunder Körper - gesunder Geist: In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Harmonie von Yin und Yang entscheidend für unsere Gesundheit.

Foto: iStock / marilyna

Gesunder Körper - gesunder Geist: In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Harmonie von Yin und Yang entscheidend für unsere Gesundheit.

Die 3.000 Jahre alte Erfahrungsheilkunde der Traditionellen Chinesischen Medizin will Körper und Geist in Harmonie bringen. So kann sie bei chronischen Beschwerden und Übergewicht helfen.

Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – das sind die fünf Elemente, die nach der chinesischen Ernährungslehre die fünf Grundgeschmacksrichtungen symbolisieren und nach denen alle Lebensmittel eingeteilt werden. Ziel dieser traditionellen Ernährungsweise ist die Harmonie von Yin und Yang und damit Gesundheit für den ganzen Körper.

Als Ergänzung zur Schulmedizin wird die Traditionelle Chinesische Medizin (kurz: TCM) seit den 1980er Jahren auch in Europa immer populärer. Vor allem bei chronischen Beschwerden kann sie als Alternative zu westlichen Methoden häufig gute Erfolge erzielen. Die chinesische Ernährungslehre findet Zuspruch bei Anhängern alternativer Ernährungsweisen und dient als Grundlage für Programme zur Gewichtsreduktion.

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Traditionelle Chinesische Medizin und Ernährungslehre

Die traditionelle chinesische Ernährungslehre, auch “Ernährung nach den 5 Elementen” genannt, ist ein Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Grundlage des chinesischen Verständnisses eines gesunden Körpers ist die Vorstellung, dass in der Natur alles seine Entsprechung oder seinen Gegenpol hat und ohne diesen nicht existieren kann: Nacht und Tag, dunkel und hell, kalt und warm, feucht und trocken, männlich und weiblich.

Symbolisiert werden die beiden Pole durch die Kräfte Yin und Yang. Befinden sich diese Kräfte im Gleichgewicht, kann die Lebensenergie Qi (sprich: tschi) ungehindert im Körper zirkulieren und der Mensch ist gesund. Krankheit ist nach diesem Erklärungsansatz somit immer ein Zeichen eines Ungleichgewichts, einer Disharmonie. Der Ausgleich von Yin und Yang steht damit im Zentrum aller Bemühungen der chinesischen Medizin.

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Der Organismus – ein Wasserkessel

Die TCM ist eine mehr als 3.000 Jahre alte Erfahrungsheilkunde und beruht zum Teil auf völlig anderen Vorstellungen über den menschlichen Körper, als wir es aus der westlichen Medizin gewohnt sind. So bildet zum Beispiel der “Dreifache Erwärmer” - ein imaginäres Organ - das Zentrum für Nahrungsaufnahme, Verdauung, Energiegewinnung und Ausscheidung.

Bildlich vorstellen kann man sich das Ganze wie einen großen Wasserkessel, der durch ein Feuer darunter in Gang gehalten wird. Das Feuer steht für die Verdauungsenergie des Menschen, der Kessel symbolisiert seine Lebensenergie.

Ist das Feuer unter dem Kessel zu schwach, so kann das Wasser im Kessel nicht kochen. Die Folge: Der Mensch ist kraft- und antriebslos und anfällig für Krankheiten. Ist im Gegenteil dazu das Feuer jedoch zu stark, so kocht das Wasser über. Das heißt, es geht wertvolle Energie verloren, der Mensch altert schneller und wird eher krank.

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Yin und Yang

Ein chinesischer Arzt oder Ernährungsberater führt immer zunächst eine umfangreiche Anamnese durch und bezieht auch das Aussehen und die Beschaffenheit der Zunge sowie den Puls mit in seine Diagnostik ein.

Eine Yin-Dominanz äußert sich zum Beispiel in Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit und übermäßiger Schleimproduktion. Trockene Haut, Durst, Unruhe oder Schlaflosigkeit bedeuten dagegen, dass zu viel Yang im Körper vorherrscht. Anhand vieler verschiedener Symptome kann ein TCM-Arzt feststellen, welche Therapie die richtige für die vorliegenden Beschwerden ist.

Ein Ungleichgewicht von Yin und Yang im Körper soll auch durch die Ernährung ausgeglichen werden können, indem man überwiegend Lebensmittel verzehrt, die dem entsprechend ausgleichenden Pol zugeordnet sind. Als Yin-Lebensmittel gelten z. B. viele Obstsorten, Gurken, Tomaten, schwarzer Tee und Milch. Yang-Lebensmittel sind dagegen Trockenfrüchte, Fenchel, Lauch, Gewürze, Fleisch und Fisch. Daneben gibt es eine Gruppe neutraler Lebensmittel wie Kohl, Getreide, Möhren und Hülsenfrüchte, die generell ausgleichend wirken.

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Yin steht auch für erfrischende und kühlende Lebensmittel. Damit ist nicht die tatsächliche Temperatur des Lebensmittels gemeint, sondern seine Wirkung im Körper. Pfefferminztee, schwarzer und grüner Tee wirken demnach kühlend, ebenso Obst, Saft und Salat.

Yang-Lebensmittel wiederum haben im gleichen Sinne eine wärmende Wirkung. Dazu gehören z.B. Ingwer, Zimt, Fenchel, Knoblauch, warme Suppen und Getreidekaffee. Alkohol und Bohnenkaffee erhitzen übermäßig stark den Körper und benötigen daher einen kühlenden Ausgleich aus der Yin-Sparte.

Nach den Lehren der Traditionellen Chinesischen Medizin hat auch die Zubereitungsart hat Einfluss auf die Wirkung der Lebensmittel im Körper. Kurzes Kochen in Wasser oder Blanchieren verstärkt die Yin-Wirkung eines Lebensmittels, ebenso die Zugabe von frischem Obst oder Salat. Rösten, Braten, Grillen, Backen und langes Kochen oder Schmoren verstärken dagegen die Yang-Wirkung.

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Die 5 Elemente der chinesischen Ernährungslehre

In der chinesischen Ernährungslehre werden neben der Einteilung in Yin und Yang alle Lebensmittel zusätzlich einem bestimmten Element zugeordnet. Die 5 Elemente bilden einen Regelkreis mit sogenannten Wandlungsphasen, in dem nach dem Vorbild der Natur jeweils ein Element aus dem anderen hervorgeht (helle Pfeile). Außerdem kontrolliert ein Element immer das übernächste (dunkle Pfeile).

Jedem Element ist unter anderem eine Geschmacksrichtung und damit eine bestimmte Gruppe von Lebensmitteln zugeordnet. Einige Lebensmittel gehören auch in mehrere Gruppen.

  • Element Holz = sauer; z. B. Obst, Essig, grüne Gemüse und Salate
  • Element Feuer = bitter; z. B. Chicorée, Radicchio, Kakao, Kaffee, Grapefruit
  • Element Erde = süß; z. B. Kartoffeln, Getreide, Kürbis
  • Element Metall = scharf; z. B. Zwiebeln, Senf, Radieschen, Lauch, Pfeffer
  • Element Wasser = salzig; z. B. Salz, Fisch, Meeresfrüchte, Algen, Wasser

Jede Mahlzeit soll möglichst Zutaten aus jeder der 5 Gruppen enthalten. In der Literatur gibt es dafür umfangreiche Lebensmitteltabellen.

Es wird empfohlen, überwiegend gekochte und warme Speisen zu essen sowie warme Getränke zu trinken. Dem liegt die Annahme zu Grunde, dass kalte Speisen und Getränke “das Feuer im Magen löschen”.

Außerdem geht die chinesische Ernährungslehre davon aus, dass ein starkes Verlangen nach einem bestimmten Geschmack bedeutet, dass das entsprechende Element geschwächt ist und mit Lebensmitteln aus der zugeordneten Gruppe gestärkt werden kann. Süßhunger könnte demnach am besten mit Kartoffeln und Getreideprodukten gestillt werden.

Empfehlungen für den Speiseplan

Auch wenn der Speiseplan nach der chinesischen Ernährungslehre aufgrund unterschiedlicher Konstitutionen für jeden sehr individuell ausfällt und bei körperlichen Beschwerden am besten von einem erfahrenen Therapeuten aufgestellt werden sollte, lassen sich einige Grundregeln für die Ernährung nach den 5 Elementen ableiten:

  • Regelmäßig essen! Am besten zu festgelegten Zeit und in ruhiger, entspannter Umgebung. Die Hauptmahlzeit sollte am Mittag erfolgen, die Abendmahlzeit nicht zu spät.
  • Auf Hunger- und Sättigungsgefühl achten! Essen Sie nicht zu viel, stehen Sie aber auch nicht hungrig vom Tisch auf.
  • Speisen aus frischen, naturbelassenen Produkten der Region frisch zubereiten! Industriell stark verarbeitete, tiefgekühlte, konservierte Lebensmittel sowie die Zubereitung in der Mikrowelle werden in der chinesischen Ernährung abgelehnt.
  • Die Lebensmittel nach Jahreszeit und Witterung auswählen. Im Sommer sollten die Lebensmittel eher kühlen (Yin), im Winter erwärmen (Yang).
  • Mindestens zweimal am Tag etwas Gekochtes essen! Speisen und Getränke sollten überwiegend warm sein. Eiskaltes und sehr Heißes beeinträchtigt die Verdauung und Energiegewinnung.
  • In einer Mahlzeit möglichst Zutaten aus allen 5 Elementen bzw. Geschmacksrichtungen verwenden!
  • Etwa 50% der Nahrung sollten aus Vollkorngetreide bestehen. Dazu kommen Gemüse, Hülsenfrüchte, frische Kräuter und Gewürze. Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Eier sowie Milch und Milchprodukte je nach Verträglichkeit machen nur etwa 10% der Nahrung aus.

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Vor- und Nachteile der Traditionellen Chinesischen Medizin

Es ist nicht ganz leicht, die Grundlagen der chinesischen Ernährungslehre nachzuvollziehen. Während die westliche Medizin sich auf die messbaren Kriterien der Energie- und Nährstoffversorgung stützt, liegen der Traditionellen Chinesischen Medizin vor allem beobachtende Elemente und Erfahrungen einer mehr als 3.000-jährigen Tradition zu Grunde.

Hinzu kommt, dass selbst Experten manchen Zuordnungen von Lebensmitteln zu Yin und Yang aufgrund ihrer Widersprüchlichkeit skeptisch gegenüber stehen. Um die Regeln der 5-Elemente-Küche anwenden zu können, benötigt man umfangreiche Literatur und Lebensmitteltabellen.

Positiv zu bewerten ist, dass die Lebensmittelauswahl auf den Grundlagen einer vollwertigen Ernährung basiert. Außerdem entspricht die Ernährung auch ökologischen Gesichtspunkten und befürwortet saisonale und regionale Lebensmittel. Es gibt keine Verbote. Dafür wird großer Wert auf bewusstes Essen und eine Beachtung der Hunger- und Sättigungssignale gelegt. Damit eignet sich die Ernährung auch im Rahmen einer gesunden Ernährungsumstellung und kann langfristig zu einer Gewichtsreduktion bzw. -stabilisierung führen.

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Kritisieren kann man dagegen aus ernährungswissenschaftlicher Sicht, dass Lebensmittel überwiegend gekocht verzehrt werden sollen. Schon allein wegen der Versorgung mit hitzelabilen Vitaminen wie Vitamin C sollten Sie mindestens einmal pro Tag eine Portion Rohkost zu sich nehmen.

Der oftmals eingeschränkte Verzehr von Milchprodukten kann zu einer Unterversorgung mit Calcium und Vitamin D führen. Milchprodukte sollten daher, wenn sie vertragen werden, auf jeden Fall in den täglichen Speiseplan eingebaut werden.

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Oftmals wird im Rahmen einer Ernährung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin auch empfohlen, die Trinkmenge zu reduzieren und vor allem zu den Mahlzeiten nichts zu trinken. Dies ist gerade im Rahmen einer Gewichtsreduktion nicht sinnvoll, da nur mit einer ausreichenden Flüssigkeitsmenge von 2-2,5 Litern pro Tag die Versorgung des Organismus sichergestellt und eine Gewichtsreduktion ermöglicht werden kann.

Für die übrigen Empfehlungen gilt wie bei vielen alternativen Ernährungsmethoden deshalb am besten das Prinzip: Ausprobieren, was gut tut und bekommt!

Quellen u.a.:
Karin Schiele: Traditionelle chinesische Ernährung, Ernährungsumschau (54) 2007 Heft 1 und 2

Zum Weiterlesen:
Christiane Seifert: Die 5 Elemente Küche; Knaur-Verlag 2005
Barbara Temelie und Beatrice Trebuth: Das 5 Elemente Kochbuch; Joy-Verlag 2002
Barbara Temelie: Ernährung nach den 5 Elementen; Joy-Verlag 1999

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