Aktualisiert: 16.08.2020 - 21:04

Leben genießen trotz "Zucker" "Ich möchte möglichst wenig über meinen Diabetes nachdenken"

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Karin D. bekam mit 27 Jahren die Diagnose MODY-Diabetes. Heute ist sie 56 – und weiß genau, wie sie trotz Erkrankung ganz normal leben kann.

Foto: Roche Diabetes Care Deutschland

Karin D. bekam mit 27 Jahren die Diagnose MODY-Diabetes. Heute ist sie 56 – und weiß genau, wie sie trotz Erkrankung ganz normal leben kann.

Das Leben genießen mit Diabetes – für Karin D. (56) ist das kein Widerspruch. Sie verrät, wie sie es schafft, entspannt ihren Alltag mit Diabetes zu meistern und dabei ihre Blutzuckerwerte im Griff zu haben.

Dass sie Diabetes hat, erfährt Karin eher zufällig. Sie ist damals 27 und hat gerade an der Abendschule ihre Ausbildung zur Bilanzbuchhalterin begonnen, als sie beim Arzt einen routinemäßigen Gesundheits-Check-up macht. Das Ergebnis: alles prima – bis auf die Blutzuckerwerte. Nach einigen Tests erhält sie die Diagnose Diabetes. Später stellt sich dann heraus, dass es sich um eine Form des seltenen MODY-Diabetes handelt, der Typ-2-Diabetes sehr ähnlich ist und bei Karin mit einer Insulintherapie behandelt wird.

MODY-Diabetes – und trotzdem normal leben?

Zunächst ist Karin verunsichert. "Wie wird das: Ein Leben mit Diabetes? Ich wusste nicht, was da auf mich zukommt." Die Diabetes-Schulungen im Krankenhaus erweisen sich in dieser Phase als Rettungsanker für die junge Frau. Karin lernt, dass sie ihre Blutzuckerwerte regelmäßig messen und dokumentieren muss, weil diese Werte die Grundlage für ihr Diabetes-Management bilden. Sie versteht, dass ihre Werte möglichst lange Zeit in einem bestimmten Bereich liegen sollen, um gefährliche Über- und Unterzuckerungen sowie langfristig Folgeerkrankungen zu verhindern. Außerdem erfährt sie, inwiefern Faktoren wie Ernährung, Sport, Reisen oder auch Stress ihre Werte beeinflussen können und wie sie ihre Therapie erfolgreich im Alltag umsetzen kann. "Und ich habe gelernt, meine Krankheit zu akzeptieren und offen damit umzugehen", berichtet sie. "Das hat mir in dieser Zeit sehr geholfen."

Unter Druck: Karin will alles richtig machen

"Anfangs drehte sich alles um meinen Diabetes. Ich habe mich selbst unter Druck gesetzt, weil ich alles richtig machen wollte", erzählt sie. Ernährung umstellen, Broteinheiten berechnen, Insulin spritzen, auf regelmäßige Mahlzeiten achten, Diabetestagebuch führen – für Karin fühlte sich ihr Diabetes wie ein Vollzeitjob an, der ihr kaum Zeit für die schönen Dinge des Lebens ließ. Dazu kam, dass sie damals sieben- bis achtmal täglich ihre Blutzuckerwerte kontrollierte, was in dieser Häufigkeit gar nicht nötig war. "Ich habe alles so genau genommen, dass selbst mein Arzt meinte, dass ich nicht ganz so streng mit mir sein soll", berichtet sie. "Damals empfand ich meinen Alltag mit Diabetes als anstrengend. Das lag an meiner Haltung, aber auch daran, dass das Messen damals noch nicht so schnell und genau funktioniert hat."

Zwischen Disziplin und Genuss

Mit der Zeit wird Karin entspannter und findet ihren Weg zwischen Disziplin und Genuss. Dazu trägt auch bei, dass sie ein modernes Blutzuckermessgerät gefunden hat, das zu ihr und ihrem Leben passt. "Damit ist das Messen unkompliziert und ich habe mit nur einem kleinen Tropfen Blut in Sekundenschnelle ein sicheres Ergebnis." Zusammen mit einer handlichen Teststreifenbox ist das kleine Messgerät zu ihrem ständigen Begleiter im Alltag geworden: in ihrem Beruf als Bankangestellte, bei der Gartenarbeit oder bei Ausflügen mit ihrem Mann im malerischen Unterfranken.

Dass sie beim Messen am Ball bleibt, zahlt sich aus: "Heute messe ich noch fünfmal täglich: morgens, abends und jeweils vor dem Essen. Durch das regelmäßige Messen habe ich nicht nur meine Werte, sondern auch meinen Körper besser kennengelernt. Ich weiß, wie mein Blutzuckerspiegel auf Bewegung reagiert und was ich essen kann. Deshalb muss ich mir keinen Kopf mehr machen und bin gelassener geworden." Nur unterwegs geht Karin lieber auf Nummer sicher. Bevor sie auf ihr E-Bike oder Motorrad steigt, prüft sie ihren Blutzucker lieber einmal zu oft als zu wenig, um Unterzuckerungen zu vermeiden.

Blutzuckermessen ist zur Routine geworden

Mittlerweile gehört das Messen so fest zu Karins Tagesablauf, dass sie es schon fast automatisch und nebenbei erledigt. Abends kontrolliert sie ihren Blutzucker oft noch auf der Couch, zum Beispiel wenn sie fernsieht oder ihre geliebten historischen Fantasy-Romane liest. Dann sorgt ein beleuchteter Teststreifeneinschub dafür, dass die gemütliche Stimmung nicht durch grelles Licht gestört wird. Auch dass das Gerät die Werte speichert, weiß Karin zu schätzen: "Mein Arzt liest die Daten dann einfach aus und wir können gemeinsam meine Werte besprechen."

Karin ist heute eine lebenslustige Mittfünfzigerin, die ihren Diabetes im Griff hat und die schönen Dinge des Lebens genießt: "Ich mag es entspannt und will möglichst wenig über meinen Diabetes nachdenken." Neben ihrer Arbeit in einer Bank singt sie in einem Chor, verbringt viel Zeit in ihrem Garten am Mainufer und kocht gerne für sich und ihren Mann, der ebenfalls Diabetes hat. Diesen hatte sie übrigens vor vielen Jahren im Wartezimmer bei ihrem Diabetologen kennengelernt. "Da soll noch einer sagen, dass Diabetes nicht auch positive Seiten haben kann," lacht Karin. "Aber im Ernst: Ich habe jetzt schon fast 30 Jahre Diabetes und keine Folgeschäden. Dafür bin ich dankbar und auch ein bisschen stolz, weil ich durch das regelmäßige Messen meine Werte kenne und rechtzeitig reagieren kann. Heute kann ich sagen, dass ich die Balance für mein Leben mit Diabetes gefunden habe und mich rundum wohlfühle."

3 Fragen an den Experten: Dr. Oliver Schubert-Olesen

Dass die Blutzuckermessung für Diabetespatienten zum Alltag gehören muss, ist klar. Jedoch können die Ergebnisse schwanken oder verfälscht werden, etwa durch Auffälligkeiten im Blutbild, durch Medikamente, aber auch durch externe Temperaturen. Verlässliche Ergebnisse aber sind für die Diabetestherapie enorm wichtig, weiß Dr. Oliver Schubert-Olesen, Diabetologe und Leiter einer diabetologischen Schwerpunktpraxis in Buxtehude. Denn bei falschen Messwerten kann die Therapie nicht passgenau auf den Patienten abgestimmt werden. Er weiß aus Erfahrung: Schon Abweichungen des Messergebnisses von zehn Prozent können zu schweren Insulin- Dosierungsfehlern führen. Zu hohe Werte riskieren eine gefährliche Hypoglykämie. Bei zu niedrigen wähnt sich der Betroffene möglicherweise in falscher Sicherheit.

Dr. Schubert-Olesen hat bemerkt: Seine Patienten handhaben ihre Geräte nicht immer richtig. Wichtig ist etwa: Vor der Benutzung Hände waschen! Denn wenn noch Zuckerrückstände an der Hand kleben und so in den Messtropfen gelangen, kann das das Ergebnis verfälschen. Sein Tipp, falls das Händewaschen mal nicht möglich ist: Ersten Bluttropfen wegwischen, den zweiten zur Messung nutzen. Er erklärt weitere Faktoren, die das Messergebnis beeinflussen können:

Vom fehlenden Händewaschen einmal abgesehen: Welche Faktoren beeinflussen das Messergebnis noch?

Dr. Schubert-Olesen: "Wenn die Teststreifen feucht oder zu heiß gelagert wurden, besteht die Gefahr, dass die für die chemische Reaktion der Messung benötigten Moleküle zerstört werden. Im besten Fall bekommt der Patient dann eine Fehlermeldung, im schlechtesten Fall falsche Werte. Aber auch Messungen hoch in den Bergen können irreführende Ergebnisse hervorrufen. Das sollten Patienten wissen, wenn sie zum Beispiel im Wander- oder Skiurlaub sind. Häufig ist auch ein zu niedriger Hämatokritwert wie beispielsweise bei einer Anämie die Ursache für fehlerhafte Blutzuckermesswerte. Dieser kann zu hohe Messwerte erzeugen, während hohe Hämatokritwerte zu verfälschten niedrigen Werten führen können."

Wie groß ist der Einfluss von Medikamenten auf die Messgenauigkeit?

Dr. Schubert-Olesen: "Interferenzen durch Medikamente können das Messergebnis potenziell negativ beeinflussen, wobei sowohl Abweichungen nach oben als auch nach unten möglich sind. Das kann zu schwerwiegenden bis hin zu fatalen klinischen Verläufen führen. Dabei gibt es viele durchaus gängige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die das Messergebnis verfälschen können und die viele Geräte nicht erkennen bzw. korrigieren, zum Beispiel Ascorbinsäure oder Paracetamol. Für uns Ärzte und unsere Diabetesteams ist es dabei problematisch, dass viele Patienten uns nicht darüber informieren, wenn sie diese vermeintlich harmlosen Substanzen einnehmen. Wir müssen also immer wieder aktiv ihre Medikation abfragen, was für alle Beteiligten mühsam, aber alternativlos ist."

Wie nehmen Sie die Qualität der aktuellen Messgeräte in diesem Kontext wahr?

Dr. Schubert-Olesen: "Die Unterschiede sind aus meiner Erfahrung enorm: Viele, vor allem günstige Messgeräte halte ich eher für Schätzgeräte – und das, obwohl sie die Vorgaben der ISO-Norm1 erfüllen. Das liegt daran, dass als Mindestanforderung 95 Prozent der gemessenen Blutzuckerwerte innerhalb eines Toleranzbereichs von ±15 mg/dl bzw. ±15 Prozent liegen müssen. Aus meiner Erfahrung kann diese tolerierte Ungenauigkeit bei manchen Patienten schon zu Problemen führen. Die Qualität eines Messgeräts zeigt sich in meinen Augen besonders auch bei der Testung auf Störsubstanzen. Auch hierfür gibt es eine Vorgabe der ISO-Norm, die besagt, dass der Hersteller die Interferenz bestimmter Medikamente überprüfen muss – die Liste umfasst aber nur 24 Substanzen. Das ist aus meiner Sicht viel zu wenig und wird der Wirklichkeit unserer Patienten nicht gerecht – zumal ich die Entwicklung beobachte, dass immer mehr Menschen immer mehr Arzneimittel einnehmen. Es gibt aber durchaus auch Hersteller, die ihre Geräte ausführlich auf Interferenzen testen."

Es gibt so viele Arten von Diabetes melltius. MODY-Diabetes kommt recht selten vor, es ähnelt in seiner Form aber dem weitaus häufiger auftretenden Typ 2 Diabetes. Typ 1 Diabetes kann dagegen auch schon in jungen Jahren auftreten. Hier möglich zur Überwachung der Blutzuckerwerte ist ein CGM-Sensor unter der Haut.

Machen Sie den Test: Wie hoch ist Ihr Diabetes-Risiko? Und wissen Sie schon, wie Diabetes Typ 1 und Typ 2 überhaupt entstehen?

Mehr zum Experten Dr. Oliver Schubert-Olesen lesen Sie auf seiner Internetseite.

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