05.09.2018

Psychische Erkrankung So kann Sport gegen Depression wirken

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Bewegung und Sport sind sinnvolle Maßnahmen, welche die Stimmung positiv beeinflussen und wieder mehr Selbstvertrauen aufbauen können.

Foto: iStock/Wavebreakmedia

Bewegung und Sport sind sinnvolle Maßnahmen, welche die Stimmung positiv beeinflussen und wieder mehr Selbstvertrauen aufbauen können.

Psychische Erkrankungen werden heutzutage immer häufiger und früher festgestellt. Dabei können diese viele Gesichter und ebenso viele Ursachen für die Entstehung haben. Experten sind sich sicher, dass regelmäßige Bewegung und Sport bei Depressionen positive Auswirkungen hat. Lesen Sie mehr...

Sportler berichten immer wieder von der positiv berauschenden Wirkung ihrer Sporteinheit auf die Psyche, dem sogenannten "Runners High". Doch wussten Sie, dass Sport bei Depressionen auch eine positive Wirkung hat und damit ähnliche Effekte erzielt werden können wie durch eine psychotherapeutische Behandlung oder durch Medikamente? Erfahren Sie hier mehr.

Raus aus dem Kopf – rein in den Körper: So kann Sport bei einer Depression helfen

Depression ist eine schwere und meist unterschätzte Erkrankung, von der Frauen rund doppelt so oft betroffen sind wie Männer. Sie äußert sich auf unterschiedliche Weise, doch ist häufig verbunden mit zunehmender Isolierung von der Umwelt und sozialen Kontakten, innerem Rückzug und Antriebslosigkeit, ebenso wie Angstzuständen.

Wir haben Ihnen die typischen Symptome von Depressionen zusammengestellt, damit die psychische Erkrankung schnell erkannt wird.

Eine professionelle ärztliche Behandlung, sowie die Unterstützung durch einen Psychotherapeuten und das Umfeld sind von zentraler Bedeutung um das Leben depressiver Menschen wieder in den Fluss zu bringen. Auch körperliche Betätigung trägt maßgeblich dazu bei wieder mehr Licht ins Dunkel zu bringen und die körperliche und seelische Gesundheit wieder auszugleichen. Inzwischen gibt es einige Studien, die zeigen konnten, dass Sport in diesem Prozess einen sehr positiven Einfluss auf den Verlauf der Krankheit hat.

Sport bei Depressionen zielt nicht nur auf die körperliche Betätigung ab. Bewegung und Spiel (in der Gruppe) tragen dazu bei, das Gedankenkarussell zu durchbrechen. Weg von den negativen Gedanken, hin zum (Wieder-)Erleben der eigenen körperlichen Fähigkeiten. Grenzen entdecken und überwinden und somit neues Selbstbewusstsein aufbauen. Nicht nur deshalb ist sportliche Betätigung inzwischen oft ein fester Bestandteil in den meisten Behandlungseinrichtungen für psychisch Erkrankte. Insgesamt wird der Bewegung im Rahmen einer Therapie jedoch immer noch ein zu geringer Stellenwert eingeräumt.

Physiologische Effekte von Sport

Körperliche Aktivität hat allgemein eine stimmungsaufhellende Wirkung. Bei Depression scheint dieser Effekt jedoch noch ausgeprägter zu sein als bei Gesunden. Durch Sport werden vermehrt Endorphine ausgeschüttet. Diese körpereigenen Stoffe fördern die Freude und dämpfen das Schmerzempfinden.

Dafür ist keinesfalls Hochleistungssport notwendig, auch zügige Spaziergänge oder intensive Gartenarbeit führen zu diesem Effekt. Gleichzeitig wird das Stresshormon Cortisol abgebaut und somit ein hoher Cortisolspiegel gesenkt, welcher ebenfalls auf die Stimmung drückt. Es gibt einige Studien, die darauf hinweisen, dass Bewegung und Sport bei Depression genauso wirksam sind wie die Behandlung mit Antidepressiva oder einer Psychotherapie, doch aktuell fehlen noch ausreichende wissenschaftliche Belege dafür, ob Sport allein gegen Depression hilft.

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Welche Sportart ist die richtige?

Es gibt keine Untersuchungen, welche Sportart am besten geeignet ist (Laufen, Radfahren etc.). Entscheidender als die Sportart selbst ist es, dass regelmäßig Bewegung stattfindet, weshalb vor allem die individuellen Vorlieben im Vordergrund stehen sollten. Meist ist es leichter mit anderen Menschen zusammen Sport auszuüben (z. B. im Verein).

Ebenso ist es vorteilhaft eine Sportart auszuwählen, die zu Tageslicht und an der frischen Luft ausgeführt wird, da dies ebenfalls die Stimmung hebt, das Stresslevel sinken lässt und zusätzlich die Produktion von Vitamin D (jedenfalls in den Sommermonaten) in Gang gebracht wird.

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So klappt's mit der Motivation

Da Depressionen meist mit massiver Antriebs- und Lustlosigkeit einhergehen sind viele Betroffene nicht in der Lage sich selbst zum Sport aufzuraffen. Hier ergibt es Sinn (eventuell auch als Angehöriger des Betroffenen) spezielle Gruppen aufzusuchen, in denen Gleichgesinnte unter Aufsicht speziell ausgebildeter Übungsleiter gemeinsam Sport machen (Rehabilitationssport).

Der Austausch trägt außerdem dazu bei, dass sich Betroffene mit ihrer Krankheit nicht allein fühlen. Das Gemeinschaftsgefühl und Verständnis, ebenso wie das gemeinsame Erreichen eines kleinen Ziels (wie dem Durchziehen einer Sporteinheit) ist ebenfalls eine wichtige Komponente um regelmäßig dabei zu bleiben.

Wir haben Ihnen vier wertvolle Tipps zusammengestellt, mit denen Sie Ihren Vorsatz, mehr Sport zu machen, endlich umsetzen können.

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Fazit: Sport beeinflusst Stimmung positiv

Sport kommt prinzipiell für alle Menschen mit Depressionen infrage und lässt sich perfekt mit anderen Behandlungsmethoden kombinieren. Bei schweren Depressionen wird auf jeden Fall eine psychotherapeutische und/oder medikamentöse Behandlung empfohlen, jedoch sollte eine Verschreibung nie voreilig stattfinden.

Es sollten generell immer verschiedene ganzheitliche Ansätze ausprobiert werden (Ernährungsumstellung, Bewegung, Änderung der Lebenssituation). Bleiben sie kritisch, denn im Gegensatz zum Verschreiben von Antidepressiva verdient an Bewegung an der frischen Luft und einer gesunden natürlichen Ernährung niemand Geld.

Die Thematik fordert also stets ein eigenverantwortliches Handeln, die aktive Suche nach Angeboten und die liebevolle Unterstützung durch das Umfeld. Bewegung und Sport sind bei Depressionen nicht nur sinnvolle Maßnahmen, für die es weder ein Rezept, noch einen Arzt oder Therapeuten braucht, sondern nachweislich Mittel, welche die Stimmung positiv beeinflussen und wieder mehr Selbstvertrauen aufbauen können.

Auf unseren Themenseite finden Sie weitere Ratgeber rund um Depressionen und deren Behandlungsmöglichkeiten sowie Tipps und Tricks für das beste (individuelle) Sport- und Fitnessprogramm.

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Dr. Carolin Hobler ist Fitness-Expertin bei GYMONDO – Deutschlands führender Online-Fitness- und Ernährungsplattform. Mehr Informationen zu GYMONDO gibt es unter www.gymondo.de.

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