28.02.2018

Vorsicht vor Muskelschäden EMS-Training: Das sind die häufigsten Nebenwirkungen

Ein professioneller Trainer ist beim EMS unabdingbar. Sonst drohen Verletzungen. Welche Nebenwirkungen das EMS-Training mitbringen kann.

Foto: iStock/InnerVisionPRO

Ein professioneller Trainer ist beim EMS unabdingbar. Sonst drohen Verletzungen. Welche Nebenwirkungen das EMS-Training mitbringen kann.

Muskeln aufbauen durch elektrische Stimulation: Das verspricht ganz kurz gesagt das sogenannte EMS-Training. Aber welche Nebenwirkungen gibt es? Oder handelt es sich doch um ein echtes Sportwunder?

Mit der elektrischen Muskelstimulation versprechen Anbieter vor allem eines: Fit werden und Muskeln aufbauen in kürzester Zeit. Denn ein Training mit der mittlerweile immer beliebter werdenden Methode dauert nur rund 20 Minuten. Die Abkürzung steht für "Elektro-Myo-Stimulation“ – und unterstützt eigentlich einen natürlichen Prozess. Aber hat das EMS-Training auch Nebenwirkungen?

EMS-Training: Nebenwirkungen gefährlich oder sinnvoller Sport?

Wenn der Mensch sportlich aktiv wird und sich körperlich anstrengt, schickt unser Gehirn über die Nerven elektrische Impulse an die Muskeln, die daraufhin stimuliert werden und sich zusammenziehen – die sogenannte Muskel-Kontraktion. Bei EMS-Übungen werden die Muskeln zusätzlich durch äußerlich ankommende Stromimpulse aktiviert, so dass die Muskelanstrengung größer wird.

Kurios sieht es aus, wenn man einen Blick in ein EMS-Sportstudio wirft. Menschen in hautengen Anzügen, komplett verkabelt, stehen da und machen eigentlich ganz einfach aussehende Übungen. In den Anzügen sind Elektroden verbaut, die die Stromimpulse an den Körper weiterleiten. Damit das gut funktioniert, werden die enganliegenden Anzüge noch befeuchtet mit Wasser, um die elektrische Leitfähigkeit zu vergrößern.

Muskeln aufbauen gut und schön, aber wie soll in der kurzen Zeit denn das Fett verschwinden? Ganz einfach: Je mehr Muskeln Ihr Körper besitzt, desto mehr Fett verbrennen Sie auch.

Was ist das Problem an der elektrischen Muskelstimulation?

Also eigentlich eine recht gute, vor allem innovative Art, fit zu bleiben – sollte man meinen. Und das ist es auch, solange es richtig gemacht wird. Das ist aber gar nicht so einfach umzusetzen. Denn EMS-Training kann durchaus Nebenwirkungen mit sich bringen.

Das Problem ist, dass man seinen Körper mit dieser Art Muskelstimulation schnell selbst überfordert. Und das kann vor allem für die gefährlich werden, die vorher nicht allzu viel Bewegung und entsprechend wenig Muskelmasse haben oder sonst wenig anderen Sport treiben.

Immer wieder gibt es Meldungen über Verletzungen. So können die stimulierten Muskelgruppen durch zu starke elektrische Impulse durchaus Schaden nehmen, was wiederum zu Muskelschmerzen, aber, wie in diversen Fällen bekannt geworden ist, sogar zu Herzrasen, Kopfschmerzen und Co. führen. Auch ein Nierenschaden kann drohen, wenn sich Muskelteilchen von beschädigtem Gewebe lösen.

Andere berichten von Ohnmacht im Studio, gebrochenen Knochen oder anderen nachhaltigen Beschwerden.

Trainer müssen richtig informieren und auf Sie eingehen

Fakt ist, dass Betreiber von EMS-Fitnessstudios nicht verpflichtet sind, den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden ihrer Kunden genau zu prüfen. Sie sollten also in jedem Fall ehrlich im Vorfeld sagen, ob und welche Beschwerden Sie mitbringen. Gleichwohl ist der Trainer aber durchaus verpflichtet, einzuschreiten, wenn beispielsweise Schmerzen auftreten.

Vor einem EMS-Training sollten Sie vom Trainer über alle Risiken aufgeklärt werden, denn die Trainingsart ist nicht für jeden geeignet. Wer unter Multipler Sklerose, Krebs oder Epilepsie leidet, einen Herzschrittmacher besitzt oder schwanger ist, sollte sich lieber für ein anderes Training entscheiden.

Wer nicht zu diesen Risikogruppen gehört und sich die möglichen Risiken gut überlegt, kann den Sport durchaus ausprobieren – aber Vorsicht! Bitten Sie darum, dass gerade am Anfang mit nicht zu starken Strömen gearbeitet wird. Ihre Muskeln müssen sich erst einmal daran gewöhnen. Sobald Schmerzen auftreten, melden Sie sich. Ein guter Trainer geht direkt auf Probleme ein.

EMS-Training kann unter richtiger Aufsicht sinnvoll sein

In der Medizin wird die Elektro-Myo-Stimulation übrigens schon lange eingesetzt, um gezielt Muskeln wieder aufzubauen, etwa nach OPs. Dabei werden schließlich auch die Gelenke geschont. Allerdings nutzen Ärzte diese Form des Muskelaufbaus nur kurzfristig. Denn auch Gelenke müssen irgendwann wieder belastet werden, sonst werden sie schwach. Auch, wenn aufgebaute Muskeln dann zusätzlich stützen, die Gefahr für Gelenkschäden steigt.

Beim EMS wird damit geworben, dass Muskeln einzeln trainiert werden können, was wiederum sogenannte Dysbalancen ausgleichen kann. Was Sie dabei aber nicht lernen, ist es, wie schwere Lasten am besten gehoben werden und wie Sie sich unter Last richtig bewegen. Die Gefahr, sich beim Transport von Getränkekisten oder Umzugskartons zu "verheben", steigt also theoretisch auch. Dann lieber ein bisschen mehr Zeit investieren und den Sportausreden entschlossen entgegentreten. Mit Yoga zum Beispiel nehmen Sie sich nicht nur Zeit für Ihren Körper, sondern auch für Ihren Geist – und das ist oft noch viel mehr wert als das schnelle Training. Haben Sie schon einmal von der 98-jährigen Yoga-Lehrerin gehört?

Eher als Zusatztraining geeignet

Richtig angewendet, bringt die Methode durchaus Erfolge – auch in den immer beliebter werdenden Studios. Als Zusatztraining ist es sicherlich sinnvoller, wenn Sie trotzdem auch noch "richtigen" Sport machen. Und achten Sie auf jeden Fall darauf, sich vorab gut informieren zu lassen, auch über jegliche Nebenwirkungen des EMS-Trainings, und bei jeglichen Schmerzen sofort Bescheid zu geben. Mit Muskelkater als "Nebenwirkung" sollten Sie aber so oder so rechnen. Mit unseren 5 Tipps gegen Muskelkater werden Sie den aber zum Glück schnell wieder los.

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