22.12.2016

Interview Bewegte Frauen: Entspannung und Ausgeglichenheit durch Yoga

Jede Yoga-Übung kann je nach eigener Leistungsfähigkeit durchgeführt werden und ist daher für jede Altersklasse geeignet.

Foto: iStock / FatCamera

Jede Yoga-Übung kann je nach eigener Leistungsfähigkeit durchgeführt werden und ist daher für jede Altersklasse geeignet.

Yoga beruhigt Körper und Geist und ist für Jung und Alt geeignet. Claudia Peters hat ihrer Yoga-Passion Ausdruck verliehen und ein Buch geschrieben. Gemeinsam mit der Illustratorin Dorothea Siegert-Binder hat sie ein luftig-leichtes Bilderbuch kreiert, das mindestens so entspannend wirken soll wie Yoga.

bildderfrau.de: Liebe Frau Peters, Sie haben Theologie und Germanistik studiert, arbeiten als Lehrerin und Autorin und geben Yoga-Stunden. Bitte erklären Sie unseren Leserinnen doch kurz, seit wann es Yoga gibt, woher es kommt und worum es dabei genau geht.

Claudia Peters: Im Allgemeinen denken wir bei Yoga an Gymnastikübungen mit „tierischen“ Namen wie zum Beispiel „Die Kobra“ oder „Der nach unten schauende Hund“. Oder wir sehen vor unserem inneren Auge Gurus, die versunken im Lotussitz meditieren. Dabei ist Yoga viel mehr! Es geht nicht um akrobatische Verrenkung oder Fitness, sondern um eine Schulung des Geistes durch und mit dem Körper, also um Meditation in Aktion. Ein Übungssystem, dessen Ziel zwar auch körperliche Gesundheit ist, das aber im Wesentlichen auf Gleichmut und die Ruhe im Geist abzielt.

Durch die Arbeit in Körperhaltungen (Asanas) wird der Körper gedehnt, und gestärkt. Außerdem verleiht Yoga ihm größere Vitalität und dehnt zudem das Bewusstsein in den ganzen Körper aus. Im Laufe der Übungspraxis werden dabei tiefere Schichten des Geistes erreicht und zur Ruhe gebracht und die Verbindung zwischen Körper und Geist erfahrbar.

Yoga heißt (aus dem Sanskrit übersetzt) "Anbindung" und "Einheit" und basiert auf einer beinahe 3000 Jahre alten indischen Philosophie, die über Gott und die Welt, das Menschsein und vor allem die menschlichen Probleme und Sehnsüchte reflektiert.

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Wann haben Sie mit Yoga angefangen und was fasziniert sie so daran?

Ich habe Yoga mit 15 Jahren bei einem einwöchigen Meditationskurs in der Schweiz kennengelernt. Die Meditationszeiten wurden unterbrochen von einfachen Yogaeinheiten, die nicht nur für meine eingeschlafenen Beine, sondern auch für meinen Geist geradezu eine Wohltat waren. Nach anstrengendem „Nichtstun“, dem Sitzen in der Stille, hatte mein Geist beim Yoga ein Ziel in der Wahrnehmung von Atem und Körper.

Am meisten fasziniert hat mich, dass ich nach einer Übungseinheit von gut einer Stunde jedes Mal „als anderer Mensch“ herauskam: gelassen, entspannt, einverstanden mit mir und dem Leben. Dieses Wohlgefühl im Körper und die Ruhe im Geist wollte ich unbedingt wieder spüren und so machte ich mich zu Hause auf die Suche nach Yogakursen.

Was hat sich für Sie verändert, seit Sie Yoga machen?

Geändert hat sich beispielsweise mein Körperbewusstsein, meine Entspannungsfähigkeit und mein Tagesablauf, in dem Yoga fest eingebaut ist. Außerdem ernähre ich mich gesünder und achte insgesamt mehr darauf, was ich an Worten (Büchern) und Bildern (Fernsehen usw.) in mich aufnehme. Auch meine mein Schuhwerk hat sich verändert und damit auch meine Haltung.

Insgesamt habe ich, seitdem ich Yoga mache, eine andere Sicht auf das Leben, auf Leben und Tod und die Welt (Toleranz und Akzeptanz). Ich habe mich von einem zu engen Weltbild gelöst und einen anderen Gottesbegriff entwickelt - Sie sehen, es hat sich eine ganze Menge verändert! (lacht)

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Yoga verbessert die Körperhaltung und hilft bei körperlichen Beschwerden. Was ist das Besondere an Yoga, im Vergleich zu anderen Sportarten?

Yoga ist keine Sportart. Es geht zwar auch um Bewegung und Dehnung, um Ausdauer, Disziplin und Geduld. Aber vieles ist anders. Während im Sport die Atmung beispielsweise oft schneller und flacher wird, vertieft und verlangsamt sich der Atem beim Yoga.

Es kommt auch nicht darauf an, bestimmte Leistungen zu vollbringen, sich mit anderen zu messen und es gibt auch keinen Preis oder Pokal zu gewinnen. Es geht darum, durch Atemübungen und Körperhaltungen mehr bei sich anzukommen, im Hier und Jetzt zu leben - um Achtsamkeit.

Kurz gesagt: Yoga ist ein Workin, kein Workout.

Yoga stärkt das seelische Gleichgewicht und sorgt für Entspannung. Wie genau funktioniert dieser Entspannungsprozess?

Yoga ist ein Gesamtpaket aus Körperbewegungen und -haltungen, Atemtechniken, Meditation, gesunder Ernährung und einem grundsätzlich Achtsamkeitsbasierten Lebensstil. In einer Welt mit hohem Tempo, Multitasking, Stress und Leistungsdruck sorgt das Praktizieren von Yoga zunächst einmal für ein Innehalten, Atemholen, eine Ruhepause und für Entschleunigung.

Dabei wirkt Yoga auf alle Körpersysteme: das Nervensystem, das Hormon- und das Drüsensystem, die Verdauung und die Atmung. So werden beispielsweise die Bauchorgane in etlichen Haltungen regelrecht gewrungen, was zu einer besseren Durchblutung und Belebung führt. Das Dehnen von teils langen Muskelketten, das Halten und Lösen eines Asana bewirkt eine Kräftigung, aber auch gleichzeitig eine Entspannung der Muskulatur.

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Ganz wesentlich ist auch, dass die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper und den Atem gelenkt ist, also nach innen fokussiert. Die beruhigende Wirkung auf das Nervensystem ist enorm - was in einer Welt voller visueller und akustischer Reize sehr hilfreich ist. Die Atemtechniken wirken Stress entgegen und beruhigen den Geist.

Die Yogapraxis verändert mit der Zeit den gesamten Lebensstil. Es stellt sich größere Gelassenheit ein. Das haben Messungen des Cortisols, des Stresshormons im Speichel, nachweisen können. Inzwischen gibt es zahlreiche Forschungsarbeiten, die sich mit der gesundheitsfördernden Wirkung von Yoga beschäftigen und diese aufzeigen konnten, vorausgesetzt, die Yogaübungen werden unter fachkundiger Leitung ausgeführt.

In ihrem Buch werden verschiedene Yoga-Figuren erklärt und illustriert. Außerdem werden Sie von Lyrik oder Kurzgeschichten untermalt. Wie sind Sie auf die Idee für dieses Konzept gekommen?

„Bewegte Frauen. Für Yoga-Freundinnen“ ist kein Übungsbuch mit korrekten, ausführlichen Anleitungen. Davon gibt es genügend und sehr gute. „Bewegte Frauen“ ist ein humorvolles und Yoga-begeistertes Büchlein zum Schmökern und Verschenken, mit einer guten Mischung aus Texten zum Schmunzeln, aber auch Verweilen. Das Buch soll auch bestärken und ermutigen.

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Nicht nur als Yogalehrerin, sondern auch als Lektorin bin ich nah an diesen Themen. Von der Künstlerin Dorothea Siegert-Binder schweben bereits seit Jahren zwei wunderbare Engel in unserer Wohnung herum. Auch kannte ich ihre vielen humorvoll gestalteten Frauenfiguren. Und immer noch wird Yoga überwiegend von Frauen ausgeübt. Die Kombination passte!

Die von Ihnen zusammengestellten Geschichten handeln beispielsweise von Glück, Ermutigung und innerer Ruhe. Inwiefern ist Yoga in diesem Zusammenhang hilfreich?

Yoga bringt uns ins Gleichgewicht, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Die Wechselwirkung ist sofort zu spüren. Der Körper wirkt auf den Geist ein und der Geist auf den Körper. Die Übungsabfolgen sind so aufgebaut, dass das Nervensystem zum Ende einer Yogastunde beruhigt ist.

Ein verantwortungsvoller Yogalehrer weiß um die Wirkung der einzelnen Asanas. So wird beispielsweise der ausgleichende, kühlende, beruhigende Schulterstand gerne am Ende einer Stunde eingenommen, nicht aber der belebende, aktivierende Kopfstand. Nach einer bisweilen durchaus anstrengenden Übungsabfolge endet jede Yogastunde zudem mit einer Tiefenentspannung, in der sich die körperlichen Eindrücke setzen und verarbeitet werden können. In Savasana, der Totenstellung, liegen die Übenden bewegungslos da und erleben völlige Hingabe, Loslassen, Entspannung und Eins sein.

In Ihrem Buch finden sich Auszüge von Aristoteles über Buddha bis hin zu Christian Morgenstern. Wollen Sie damit die Universalität und Spiritualität von Yoga zeigen?

Yoga ist keine Religion, sondern ein Übungsweg, den jeder Mensch, unabhängig von seiner Religion oder Konfession ausüben kann. Das heißt nicht, das Yoga nicht spirituell ist. Der Blick auf das, was hinter den Dingen ist, was die Welt im Innersten zusammenhält, was unseren Kern ausmacht, steht immer im Raum.

Einige Übungen heißen „Der Drehsitz“ „Der Bogen“ oder „Schulterstand“. Das hört sich anspruchsvoll an. Ist Yoga etwas für jeden?

Ja. Unbedingt. Niemand ist zu alt, zu steif oder zu untrainiert. Jeder übt an seinem Punkt und mit seinen Voraussetzungen. Das gilt insbesondere für die oben beschriebene Richtung des Iyengar-Yogas. In meinen Kursen üben über 80-Jährige, aber auch Menschen nach einer Krebserkrankung. Jeder zieht seinen ganz individuellen Gewinn aus der Methode.

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Es gibt verschiedene Arten von Yoga. Welche mögen Sie am liebsten?

Die hier im Westen bekannteste Yoga-Richtung ist der Hatha-Yoga, bei dem im Gegensatz zu einigen anderen Richtungen der körperliche Übungsaspekt im Vordergrund steht. Eine besondere Form dieser Yoga-Praxis ist der Iyengar-Yoga, den ich bevorzuge. Er unterscheidet sich von den anderen Yogastilen unter anderem dadurch, dass sogenannte „Props“, also Hilfsmittel, eingesetzt werden. Das können Decken, Gurte, Klötze, Seile und Stühle sein. Diese Hilfsmittel ermöglichen jedem Übenden eine ihm entsprechende Durchführung der Haltung. Die anatomisch sehr präzise Ausrichtung vertieft und optimiert die Wirkung.

Dem indischen Yogalehrer B. K .S. Iyengar (1918-2014) ist es zu verdanken, dass der Hatha-Yoga weiterentwickelt, systematisiert und modifiziert wurde und in der westlichen Welt Verbreitung fand. Auf ihn geht auch die therapeutische Anwendung von Yoga zurück, um chronische Schmerzen und verschiedenste Krankheiten zu lindern oder zu heilen.

Bewegte Frauen: Für Yoga-Freundinnen (Verlag am Eschbach)

Wen wollen Sie mit ihrem Buch erreichen, wer sollte es unbedingt lesen?

Mein Buch richtet sich an alle Yoga-Begeisterten, Yoga-Praktizierenden und solche, die es noch werden wollen. Es ist das ideale Geschenk für einen selbst oder für Yoga-Freundinnen.

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