12.09.2016

GESUND MIT ACHILLES Komm mit! – Ein Monat ohne Zucker: „Ich war süchtig“

Zuckersucht: Einen Cupcake essen wollen – erst nach dem letzten aufhören.

Foto: iStock/wundervisuals

Zuckersucht: Einen Cupcake essen wollen – erst nach dem letzten aufhören.

Ade Gummitierchen und Brownies – einen Monat lebte Ellen-Jane Austin ohne süße Leckereien. Hier ihre Erfahrungen aus einem Monat Zuckerfasten.

Wie bin ich bloß auf diese bekloppte Idee gekommen? Ein Monat ohne Zucker – das ist doch völlig irre. Das habe ich mir in den vergangenen 30 Tagen sicher an die 300 Mal gesagt. Davon 290 Mal innerhalb der ersten drei Tage.

Tatsächlich war der Selbstversuch fast schon erschreckend einfach. Zumindest während ich im Zuckerverzicht steckte. Jetzt, da ich wieder Ed von Schleck schlecken und süffigen Aperol Spritz schlürfen darf – und davon nicht genug bekomme, fällt mir wieder ein, warum ich den Entzug gemacht habe: Ich war zuckersüchtig. Und bin es noch.

>> Aperol Lemon Spritz

Das war die Motivation: Sucht loswerden, abnehmen, wohler fühlen

Wenn man den unzähligen Artikeln im Internet glauben darf, bringt ein zuckerfreies Leben viele positive Nebenwirkungen mit sich – z.B.:

  • Abnehmen
  • mehr Energie
  • reinere Haut
  • weniger Stimmungsschwankungen

eine Risikominderung in Sachen

  • Diabetes
  • Krebs
  • Bluthochdruck
  • Arteriosklerose
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Gicht
  • Osteoporose
  • und Karies

Für mich ging es vor allem darum, mich nicht mehr abhängig zu fühlen. Wenn ich dabei abnehme, bessere Laune habe und einen schönen Teint bekomme – immer her damit.

11 Snacks für Ihren Feierabend, die nicht ansetzen

Das waren die Regeln: Kein Industriezucker, keine Süßstoffe

Es gibt verschiedene Programme, um vom Zucker weg zu kommen. Einige verbieten sogar Fruchtzucker – das war mir zu radikal. Ich beschloss, auf Industriezucker und künstliche Süßstoffe zu verzichten. Außerdem wollte ich alle versteckten Zucker meiden, die in verarbeiteten Lebensmitteln stecken – z.B.: Glukose, Dextrose oder Maltodextrin.

Das war hart: gereizt und müde

Jetzt weiß ich, woher der Ausdruck „kein Zuckerschlecken“ kommt – den hat ein armes Wesen gesagt, während der ersten Tage, in denen es versuchte, ohne Zucker zu leben .

Überall lauerten Versuchungen: Geburtstagskuchen im Büro, Cocktails bei der Party, sogar in der Salami auf dem Butterbrot steckt Zucker. Anfangs war ich massiv genervt vom Verzicht und auch sonst war meine Laune eher schwierig – ja, ich war ordentlich zickig. Ich habe es sogar gemerkt und konnte trotzdem kaum etwas dagegen tun.

Die schlimmsten Symptome:

  • Laune: genervt, gereizt, frustriert, unkonzentriert
  • Körper: Kopfschmerzen, müde, heißhungrig

Das war herrlich: Höhenflug und Experimentierfreude

Was für ein Rausch: Nachdem die erste Woche überstanden war, fühlte ich mich wie die Königin der Zuckerfreien. Gedanklich waren meine Heißhungerattacken Äonen entfernt.

Nachmittagsdurchhänger? Was ist das? Ich hatte wieder richtig Lust auf Sport und Bewegung und fühlte mich unkapputbar. Zwar nervte es ab und an nicht einfach so spontan ins Restaurant gehen zu können, aber ich habe schnell eine Ersatzfreude gefunden: Das experimentelle Kochen, Backen und Cocktail-Mixen ohne Zucker.

Zugegeben, der Schokokuchen schmeckte verdächtig gesund, aber die Drinks waren der Hammer. Frisches oder gefrorenes Obst mit Fruchtsäften, Wasser und Eis (und manchmal Alkohol) im Standmixer verarbeitet, ergibt die süffigsten Trink-Eis-Kreationen.

Ich habe es sogar geschafft, ein komplettes Picknick zuckerfrei vorzubereiten – inklusive super-saftiger Bananen-Muffins.

Die schönsten Symptome:

  • Laune: erleichtert, stolz, zufrieden, fokussiert
  • Körper: fit, satt, 2,5 Kilo leichter

Das hat mich überrascht: Kuchen und Schokolade sind nicht das Problem

Wer zuckerfrei leben will, muss nicht auf Süßigkeiten verzichten. Es gibt geniale Rezepte für gesunde und dennoch extrem leckere Naschereien. Tatsächlich lässt der Hunger auf Süßes nach. Und es gibt im Biomarkt sogar zuckerfreie Schokolade.

Schwierig wird es im Alltag, besonders beim Einkaufen. Nach ein paar Tagen habe ich mich schlicht geweigert, einen Supermarkt zu betreten. Hier finden sich primär verarbeitete Lebensmittel, und die sind in den allermeisten Fällen voller Zucker. Mal eben schnell einen Snack holen: War nicht drin. Außer Obst oder Käse ... wobei man beim Käse auch aufpassen muss – gerade in Frischkäsesorten steckt oft das gemeine Süß.

Das habe ich gelernt: Zuckerfrei leben, ist super – und eine ständige Herausforderung

Zwei Lektionen nehme ich allen anderen Erfahrungen voran für mich mit:

  1. Ohne Zucker zu leben, geht gut, macht Spaß und ist fühlbar gesund
  2. Wieder mit dem Zucker anfangen, schleudert dich ganz schnell zurück in alte Angewohnheiten.

Ich hatte viel Freude bei diesem Experiment und dennoch wollte ich nicht einfach weiter machen? Warum nicht, wenn ich doch groß getönt habe, dass es so fabelhaft ist? Weil ich süchtig war – und bin. Schon nach einer Woche habe ich eine Tüte Lakritze gekauft und so lange gefuttert, bis mir übel wurde – und dann noch weiter. Sich in so einem Moment zu erwischen ist ziemlich frustrierend und beschämend.

Das bringt die Zukunft: Ein zuckerfreies Leben – für immer?

Ich mochte das Leben ohne Zucker und ein Teil von mir wünscht sich, ganz umzusteigen. Der andere jammert: „Das geht doch nicht. Die vielen schönen Torten. Und dann bist du so unflexibel beim Ausgehen. Und wenn Freunde dich zum Essen einladen. Hatte ich schon die Torten erwähnt?“

Ich wäre gerne Gelegenheits-Zuckeresser – so wie Gelegenheitsraucher. Nur zu bestimmten Anlässen würde ich Zucker essen und hätte kein Problem es sonst zu lassen. Ich befürchte nur, das wird nicht so einfach.

Mein Song der Woche: Maroon 5 – Sugar

Wer Lust auf was Süßes hat, sich aber nicht das nächste Stück Schokokuchen reinschieben möchte, sollte unbedingt dieses Video ansehen. Die Jungs von Maroon 5 überraschen darin einen Haufen Brautpaare mit einem Spontanauftritt bei ihrer Hochzeit – die überwältigten Gesichter sind herrlich. Wenn ich das Video gesehen habe, wummert mein Herz vor Freude und der Süß-Heißhunger ist vergessen.

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