02.08.2016

Gesund mit Achilles Was ist Voguing? Modeln, Tanz, Workout, Therapie

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Voguing ist viel mehr als einfach nur tanzen!

Foto: iStock/shironosov

Voguing ist viel mehr als einfach nur tanzen!

Voguing: Workout auf High Heels – Tanzen, Modeln und Mentaltraining zugleich. Es stärkt Kondition, Kraft und Selbstbewusstsein.

Was passiert beim Voguing?

Beim Voguing imitieren Tänzer die Körperbewegungen und Gestik von Models. Der Tanz besteht aus einer Aneinanderreihung von Posen. Also typische Arm- und Beinbewegungen, wie sie Models auf dem Laufsteg oder auf Zeitschriftencovern machen. Diese Posen werden schnell hintereinander in einem Tanz kombiniert. Hinzu kommen Einflüsse aus Breakdance, Eiskunstlauf, Martial Arts und Kung-Fu.

Welche Stile gibt es?

Beim Voguing unterscheidet man drei Stile.

  • Old Way: Die ursprüngliche Form. Arme und Beine bilden dabei klare Linien, rechte Winkel und sind oft symmetrisch. Ägyptische Hieroglyphen oder Pharaonen werden imitiert. Wichtig: Die Bewegungen sind präzise durchzuführen.
  • New Way: Evolution des Old Way. Die Schritte und Armbewegungen sind schneller. Beweglichkeit ist wichtig. Typisch sind Bewegungen, die aussähen, als würde man sich die Schulter auskugeln.
  • Vogue Fem: Die weibliche Interpretation des Old Way. Die Bewegungen sind femininer. Typisch hierfür: das "Hair Whipping". Die Haare werden im Takt zur Musik hin- und hergeschwungen.

Video: Voguing – Tanz, Workout, Modeln, Therapie

Um was geht es beim Voguing?

Voguing ist nicht nur Tanz, sondern auch Schauspielen. Tänzer schlüpfen in andere Rollen. Auf einer Bühne präsentiert man sich und sein Kostüm. Dabei steht nicht der Tanz an sich, sondern der Tänzer als Individuum im Vordergrund. Man muss kein guter Tänzer sein, um ein guter Voguer zu werden. Viel wichtiger: Selbstbewusstes Auftreten, Bühnenpräsenz, ein kreatives Kostüm, individiuelle Schritte. Beim Voguing gibt es keine Choreographie – alles wird improvisiert.

Wie entstand Voguing?

Bereits in den 20er Jahren soll es Maskenbälle in New York gegeben haben, bei denen man sich verkleidete. Dabei sollte nicht zu erkennen sein, ob jemand Frau oder Mann war. Später in den 60er entwickelte sich im New Yorker Stadtteil Harlem Voguing als Tanz Unterprivilegierter, sagt Vogue-Tänzerin Georgina Philp aka Leo Melody. "Minderheiten hatten damals keine Chance in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Viele sehnten sich nach einem besseren Leben – ein Traum, wie ihn weiße Models in der Mode-Zeitschrift Vogue verkörperten."

Um ihrer Realität zu entfliehen, fingen vor allem Lesben, Schwule und Transsexuelle an sich zu verkleiden und Models zu imitieren. Inspirationsquelle damals neben Models: Hollywood-Diven und Las Vegas Show Girls mit Federboas und Glitzer-Kleidern.

Was wird beim Voguing trainiert?

Voguing ist Tanz und Workout zugleich und trainiert den ganzen Körper: Bauch, Beine, Po, vor allem auch die Arme.

Das Modelähnliche Posieren und Catwalk-Laufen kosten viele Anfänger Überwindung. "Wenn man sich einmal getraut hat, merkt man, wie viel Spaß das macht", so Philp. Außerdem trainiere es das Selbstbewusstsein. Wer in High Heels tanzen möchte, kann dies tun – es ist aber nicht Pflicht.

Zu wem passt Voguing?

Es ist für jeden geeignet, der Lust auf Tanz und Bewegung hat. Für Mutige, die gern durchs Scheinwerferlicht gleiten. Für Schüchterne, die Bühnenangst haben und ihr Selbstbewusstsein aufmöbeln wollen. Für Frauen, die lernen möchten auf High Heels zu gehen. Für Männer, die mal ausprobieren wollen, wie es sich auf Absatzschuhen anfühlt.

Wo kann man Voguing lernen?

Voguing wird in vielen Tanzstudios angeboten. Für Anfänger gibt es oft ein- oder zweistündige Workshops, in denen man Voguing einfach mal ausprobieren kann. Sehr zu empfehlen ist der Besuch eines sogenannter „Balls“. Das ist ein Event, auf dem sich die Tänzer treffen und in Battles gegeneinander antreten und tanzen. Wer nicht selbst mitmachen möchte, kommt einfach als Zuschauer.

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