12.07.2016

Gesund mit Achilles Komm mit! - Wer alles will, braucht einen Regenbogen

Wir stellen vor: Ellen-Jane Austin ist unsere neue Kolumnistin rund um die Themen Gesundheit, Bewegung, Lebensfreude und Ernährung.

Foto: Frank Joung

Wir stellen vor: Ellen-Jane Austin ist unsere neue Kolumnistin rund um die Themen Gesundheit, Bewegung, Lebensfreude und Ernährung.

Ellen-Jane Austin kennt die Falle, alles zu wollen und nichts zu schaffen. Ob sie einen Ausweg findet? Ab sofort jede Woche – bei bildderfrau.de

Ich bin Laufanfängerin – zum 17. Mal – geschätzt. Das erste Mal hatte ich als Teenager angefangen. Und dann habe ich wieder aufgehört. Und wieder angefangen. Und wieder aufgehört. Bewusst war der Ausstieg nie. Die Laufpausen haben sich angeschlichen, wie ein Gepard an seine Beute.

Erst lässt man mal eine Einheit aus, dann zwickt die Wade, Urlaub, Stress im Job, das Konzert am Abend, der Geburtstag der Freundin, der Regen, der niedrige Akku des Handys, die Lieblingslaufhose in der Wäsche, die 238. Wiederholung von Dirty Dancing – man kennt es. Dabei liebe ich das Laufen. Auch wenn es Hass-Liebe ist.

Zeit für meine Gedanken

Ja, es ist anstrengend, vor allem frühmorgens, kilometerweit durch die Gegend zu hoppeln. Hinterher gleicht die Farbe meines Kopfes einer Portion Ketchup und meine Haare kleben daran wie Vollkorn-Spaghetti – aber es ist meine Zeit, für meine Gedanken. Und wenn ich bei Stress öfter die Laufrunde, statt der Packung Mini Dickmanns wählen würde, fühlte ich mich jetzt vermutlich weniger wie Miss Piggy und mehr wie Lena Gercke.

Aber woher die Zeit und Energie für das Training nehmen? Das Leben ist voller Anforderungen: Job, Familie, Selbstverwirklichung – und die Slim-Fit-Jeans soll auch endlich passen.

Neben den Verpflichtungen gibt es so viele andere wunderbare Zeitfresser: japanisch kochen, Cup Cakes backen, alte Türen fotografieren, mit der besten Freundin ausgehen, auf Flohmärkten und Kreativmessen stöbern, unter der Dusche singen, ... es muss doch einen Weg geben, das alles erleben zu können.

Wie wäre es mit Stadtrundlaufen?

Ehrlich gesagt, ist kaum eine Ausrede gültig, wenn man etwas wirklich will – in diesem Fall: Laufen. Im Urlaub zum Beispiel: Wie wäre es mit Stadtrundlaufen? Das ist wie eine Startrundfahrt – nur lebendiger, und am besten früh morgens, bevor die Touristen-Massen von den Frühstücksbuffets losrollen. Ernsthaft – es lohnt sich das auszuprobieren.

Man sucht eine Route aus, die an möglichst vielen Sehenswürdigkeiten vorbei geht, durch eine schöne Gegend oder am Meer entlang führt – schnürt die Treter und los geht’s. Muss ja nicht weit sein. So habe ich Berlin für mich entdeckt, bevor ich hergezogen bin. Da haben wir’s doch: Kultur und Laufen – das Rundum-Glücklich-Paket. Da muss doch noch mehr gehen.

Ich will, dass Sport Teil meines Lebens ist

Jedenfalls soll es jetzt endlich ein Ende haben mit meiner Hin- und Her-Beziehung zum Laufen und zu Sport generell. Ich will eine feste Bindung. Und ja, ich gebe zu, dass der Gedanke, wieder in meine Jeans aus Teenager-Tagen zu passen, gleichermaßen utopisch wie wunderschön ist. Aber das ist es nicht, was mich antreibt. Dann könnte ich auch sechs Wochen Kohlsuppe essen.

Ich will, dass Sport Teil meines Lebens ist. Ich will joggen, wandern, stehpaddeln, rudern, tanzen – ach, von mir aus auch Eisstockschießen – Hauptsache Bewegung. Und Yoga – schon nach der ersten Stunde war völlig klar: Ich werde niemals aufhören und in ein paar Monaten, als komplett neuer, ausgeglichener Mensch, die verrücktesten Posen brezeln. Das ist jetzt fast ein Jahr her – drei Mal war ich da.

Ich lebe einen Regenbogen

Ich frage mich: Warum hören wir mit Dingen auf, die uns gefallen und gut tun? Sind wir überfordert mit unseren Wünschen und dem Meer an Möglichkeiten?

Wir sollen uns auf das Wesentliche konzentrieren, heißt es. Nicht zu viele Ziele auf einmal verfolgen.

Das will ich nicht. Das kann ich nicht. Das bin ich nicht. Ein Freund sagte einmal zu mir: „Wenn du eine Farbe wärst, wäre sie Regenbogen.“ Und so will ich auch leben. Sicher verliere ich oft den Überblick und lasse sinnvolle Dinge fallen. Vermutlich finde ich keinen Topf voll Gold, passe nie wieder in Kleidergröße 34 und werde kein in sich ruhender Yogi – aber meine Welt ist wundervoll bunt.

Mein Lied der Woche:

Israel Kamakawiwo'ole – Over The Rainbow & What A Wonderful World

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