Aktualisiert: 21.09.2021 - 15:26

Biontech legt positive Studiendaten vor Impfung für Kinder unter 12 kommt wohl Anfang 2022

Die Daten für die Coronavirus-Schutzimpfung für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren sind da. Bis die Impfung kommt, dürfte aber 2022 anrücken.

Foto: Getty Images/bogdankosanovic

Die Daten für die Coronavirus-Schutzimpfung für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren sind da. Bis die Impfung kommt, dürfte aber 2022 anrücken.

Die Schule hat wieder gestartet – doch für Kinder unter 12 Jahren steht noch kein Impfstoff bereit. Viele Eltern kritisieren das und befürchten eine Durchseuchung ihrer Sprösslinge. Doch die Impstoffhersteller arbeiten bereits an Dosierungen für Kinder. Jetzt legt der erste Hersteller Daten vor. Und die sind positiv. Bis die Stiko aber die entsprechende Empfehlung gibt, dürften noch einige Wochen ins Land ziehen...

"Wann können wir unsere Kinder schützen?" Die Frage steht seit Wochen im Raum. Bislang ist nur einer der Covid-19-Impfstoffe für Kinder ab 12 Jahren zugelassen, alle Jüngeren schauen in die Röhre – obwohl die Schule wieder startet und von Luftfiltern und Co noch immer wenig zu sehen ist. In ein paar Wochen könnte sich das ändern: Biontech hat nun die Daten für seinen Coronavirus-Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren vorgelegt. Die Immunreaktion scheint stark zu sein. Auf den Markt kommt der in seiner Dosis angepasste mRNA-Impfstoff aber voraussichtlich erst Anfang nächsten Jahres.

Bald Kinder zwischen 5 und 11 Jahren impfen lassen? Biontech arbeitet daran

Bei der Jahrestagung von "House of Pharma" hatte sich Biontech-Chef Șahin bereits zuversichtlich gezeigt: Klinische Studien für jüngere Kinder waren da bereits abgeschlossen. Bis spätestens Mitte Oktober hatte man die Daten zusammenstellen und mit Partner Pfizer vorlegen wollen. Das ging nun früher als gedacht.

Und die Ergebnisse sind gut: So sei die Impfung bei den jungen Proband:innen zwischen fünf und elf Jahren sicher und gut verträglich gewesen, heißt es in einer Mitteilung, aus der der "Spiegel" zitiert. Die Immunantwort sei robust und mit der vergleichbar, die Erwachsene nach beiden vollständigen Impfdosen des mRNA-Impfstoffes Comirnaty zeigen.

In den Studien habe es keine überraschenden Vorfälle gegeben, erklärte Șahin bereits auf der Jahrestagung. Die Phase-I/II/III-Studie läuft seit Ende März mit gesunden Kindern. Ausprobiert werden dabei verschiedene Dosierungen (30 µg, 20 µg und 10 µg) in drei Altersgruppen (sechs Monate bis unter zwei Jahre, zwei bis unter fünf Jahre und fünf bis unter zwölf Jahre). Für die Studie mit Kindern zwischen fünf und elf Jahren standen 2268 Kinder bereit.

Damit ist das Unternehmen aber nicht alleine. Auch Impfstoff-Hersteller Moderna, der den zweiten hier verfügbaren mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus bereitstellt, testet seit März mit Kindern ab sechs Monaten.

EMA muss Zustimmung geben, Stiko die Empfehlung

Jetzt sollen die Daten den Zulassungsbehörden vorgelegt werden. Diese benötigen dann meist noch einige Wochen, um ein Ergebnis vorzubringen. Wenn die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA), die Impfstoffe und Medikamente in Europa zulässt, zustimmt und die Impfung für Kinder zwischen fünf und elf Jahren freigibt, muss in Deutschland noch die Ständige Impfkommission (Stiko) ran. Sie muss die Empfehlung aussprechen, damit Kinderimpfungen nichts mehr im Wege steht.

Ursprünglich hieß es, wenn alles glatt laufe, könnte der erste Corona-Impfstoff noch in diesem Jahr für Kinder unter zwölf Jahren verfügbar sein. Doch die Erfahrung mit der Impfstofffreigabe für Kinder ab zwölf Jahren hat gezeigt: Lieber etwas mehr Zeit einkalkulieren. Die EMA entscheidet in der Regel schnell, da sie bereits während der Studien laufend Daten von den Herstellern erhält. Bei der Stiko kann es aber etwas länger dauern. Hier muss dann bewertet werden, ob der individuelle Nutzen für Kinder unter zwölf Jahren gegen Covid-19 das Risiko potentieller Nebenwirkungen übersteigt.

Die Empfehlung der Stiko braucht es aber nicht zwingend. Kinderärzt:innen können sich zusammen mit Eltern und Kinder dennoch für eine Impfung entscheiden, sobald die EMA Zulassungen für die Altersgruppen ausgesprochen hat. Es muss dabei aber ein aufklärendes Gespräch über potentielle Risiken geben. Schon jetzt impfen manche Kinderärzt:innen auch jüngere Kinder, wenn bestimmte Indikatoren wie Vorerkrankungen vorliegen, die das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf erhöhen.

Kinder unter 12 bekommen reduzierte Impfdosis

Man geht schon länger davon aus, dass Kinder unter zwölf Jahren mit einer reduzierten Dosis geimpft werden. So sah es jedenfalls Anfang September der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Prof. Dr. Jörg Dötsch von der Uniklinik in Köln. Das hatte er kürzlich bei einer Veranstaltung des "Science Media Center" betont, schreibt die "Pharmazeutische Zeitung".

Bis die Zulassung komme, sollten die Impfstoffe seiner Ansicht nach aber unbedingt noch an Kindern mit hohem Risiko für schwere Verläufe von Covid-19 getestet werden.

Dass die Dosis tatsächlich geringer sein wird, bestätigen die Daten von Biontech. Statt der bei Personen über zwölf Jahren üblichen 30 µg (Mikrogramm) pro Impfdosis reichen jüngeren Kindern 10 µg – aber auch sie sollen zweimal geimpft werden. In der Studie betrug der Abstand 21 Tage. Biontech gibt an, die geringeren Dosen bereits vorzubereiten, damit man gleich nach Freigabe mit dem Impfen starten könne.

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Für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ist die Impfung schon länger zugelassen und wird mittlerweile auch von der Stiko empfohlen. Bislang wurden nur typische Impfreaktionen bei Kindern gemeldet. Hier gibt's eine Entscheidungshilfe: Kinder impfen lassen oder Krankheit durchstehen? Die gilt für alle Krankheiten, gegen die es bereits Impfstoffe gibt – nicht nur für die Impfung gegen das Coronavirus.

Währenddessen wird übrigens auch an anderen Impfstoffarten geforscht, unter anderem an einem Corona-Impfstoff als Aerosol zum Inhalieren. Der könnte vor allem für Kinder mit Spritzenangst von Vorteil sein. Auch an Schluckimpfungen gegen Covid-19? wird gearbeitet. Bis die allerdings auf dem Markt sind – wenn überhaupt –, könnten noch Jahre vergehen. So lange warten kann unter Umständen keine gute Idee sein. Auch wenn Kinder selten an Covid-19 erkranken, so ist auch ein schwerer Verlauf nicht gänzlich ausgeschlossen. Und auch von Long Covid bei Kindern, auch als MIS-C oder PIMS bezeichnet, gibt es Fälle.

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