Aktualisiert: 23.07.2021 - 10:10

Erstellungsstopp wegen Sicherheitslücke Impfzertifikat aus der Apotheke? Derzeit nicht!

Derzeit nicht: Die Ausstellung digitaler Impfnachweise in Apotheken wurde vorerst gestoppt – weil eine Sicherheitslücke entdeckt wurde.

Foto: IMAGO / Ralph Peters

Derzeit nicht: Die Ausstellung digitaler Impfnachweise in Apotheken wurde vorerst gestoppt – weil eine Sicherheitslücke entdeckt wurde.

Wer dieser Tage vor hatte, sich einen Nachweis über seine Covid-19-Schutzimpfung digital aufs Smartphone laden zu lassen, wird warten müssen: Das Ausstellen der Impfzertifikate wurde nämlich gestoppt. Grund ist eine gefundene Sicherheitslücke. Betrifft das auch bereits erstellte Zertifikate?

Wenn sich IT-Sicherheitsspezialisten eine Anwendung ansehen, die für die gesamte Bevölkerung relevant ist, ist klar: Die wird auf Herz und Nieren geprüft. So geschehen nun in Zusammenarbeit mit dem "Handelsblatt". Die Anwendung: Die Software zum Erstellen digitaler Impfnachweise in Apotheken. Und die weist eine gravierende Sicherheitslücke auf. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat das Ausstellen von Corona-Impfzertifikaten daher vorerst gestoppt. Wann es weitergehen wird, ist noch nicht klar.

Vorerst keine Corona-Impfzertifikate: Sicherheitslücke gefunden

Schon seit Mittwoch gibt es in deutschen Apotheken vorerst keine digitalen Impfnachweise mehr. Die Ausstellung ist laut DAV in Rücksprache mit dem Bundesgesundheitsministerium gestoppt worden.

Zwei IT-Spezialisten hatten eine Schwachstelle im System gefunden. Das "Handelsblatt" hatte sich daraufhin "mithilfe von professionell gefälschten Dokumenten" über den DAV-Server einen Gastzugang für einen Apothekeninhaber erzeugen können. Der Clou: Der Apothekeninhaber existiert nicht. Dennoch habe man so problemlos zwei Impfzertifikate erstellen können.

Da diese Schwachstelle von Kriminellen ausgenutzt werden könnte, werden nun alle angemeldeten Apotheken überprüft. Bisher gebe es zwar keine Hinweise auf Zugänge, die unberechtigterweise erstellt worden seien. Doch man wolle hier auf Nummer sicher gehen.

Impfende Ärzt:innen und Impfzentren können die Zertifikate allerdings noch immer ausstellen. Es handelt sich nur um einen Stopp in Apotheken – denn hier wird ein anderes System genutzt, das ursprünglich nur für Mitglieder der DAV gedacht war. Apotheken, die dort nicht Mitglied sind, können aber einen Gastzugang anlegen – und genau hier liegt die Schwachstelle.

Bereits gefälschte Impfnachweise aufgetaucht?

Wer also frisch geimpft ist und sich nun um eine digitale Version seines Nachweis bemühen möchte – die vereinfacht etwa die Einreise in bestimmte Urlaubsländer –, muss warten. Wie lange, ist derzeit noch nicht bekannt.

Aufatmen dürften den Angaben zufolge die, die sich bereits in der Vergangenheit ein digitales Corona-Impfzertifikat haben ausstellen lassen. Eine Sicherheitsgefahr für Nutzer der Impfzertifikate-Apps bestehe nicht. Man gehe zudem davon aus, dass die über 25 Millionen bereits ausgestellten Impfzertifikate korrekt und allesamt von rechtmäßig registrierten Apotheken ausgestellt worden seien. So hieß es zumindest bis Donnerstag Abend. Das Nachrichtenportal "Watson" allerdings berichtet über im Darknet aufgetauchte gefälschte Impfzertifikate, die in der Schweiz entdeckt worden waren. Demzufolge seien gefälschte, aber nicht als Fake erkennbare Impfzertifikate über Messenger-Apps verkauft worden.

Wichtig: Impfzertifikate sind kostenlos – und nur Geimpften vorbehalten. Sollten Sie eines angeboten bekommen, für das Geld verlangt wird, schlagen Sie das Angebot aus. Denn erstens bereichert sich hier jemand an Ihnen, der/die kriminelle Absichten hat. Das Ausstellen gefälschter Impfausweise ist strafbar. Und auch Sie selbst haben als Nichtgeimpfte:r gewisse Verpflichtungen: nämlich die, die Menschen in Ihrem Umfeld vor potentieller Gefahr durch das Coronavirus zu schützen.

Übrigens ist der digitale Impfnachweis keine Pflicht. Zumindest in Deutschland wird auch der gelbe Impfpass akzeptiert, wenn Sie irgendwo nachweisen müssen, dass Sie geimpft sind.

Auch gut zu wissen: Infiziert trotz Impfung? Wann Impfdurchbrüche auftreten können.

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
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Quellen: dpa, NDR Info, AFP, Watson

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