07.07.2021 - 11:23

Booster-Impfungen Kampf gegen Delta-Variante: Hilft eine dritte Impfung?

Mittlerweile ist bereits ein großer Teil der Bevölkerung vollständig geimpft. Es könnte jedoch sein, dass eine Auffrischimpfung notwendig ist. Schützt eine dritte Corona-Impfung besser gegen die Delta-Variante des Coronavirus?

Foto: Getty Images/ Choreograph

Mittlerweile ist bereits ein großer Teil der Bevölkerung vollständig geimpft. Es könnte jedoch sein, dass eine Auffrischimpfung notwendig ist. Schützt eine dritte Corona-Impfung besser gegen die Delta-Variante des Coronavirus?

Einige Länder wollen bald ein drittes Mal gegen das Coronavirus impfen – andere sind bereits dabei. Hilft der Booster gegen die Delta-Variante?

Lange Zeit dachten wir, zwei Wochen nach der zweiten Corona-Impfung müssten wir uns endlich keine Sorgen mehr machen. Dann wären wir immun, nicht mehr ansteckend und könnten sorgenfrei das Leben genießen – genau wie früher. Doch die Delta-Variante hat unserer Hoffnung auf ein normales Leben einen Dämpfer versetzt. Schien der Ausweg aus der Pandemie gerade noch so greifbar, fürchten sich jetzt viele vor einer vierten Welle im Herbst – trotz Impfungen, denn Daten aus Israel legen nahe, dass der Impfschutz gegen die Delta-Variante schwächer ausfällt. Bereits seit Längerem sind Auffrischimpfungen im Gespräch. Einige Länder führen schon jetzt Booster-Impfungen durch. Doch kann eine dritte Corona-Impfung wirklich etwas gegen die Delta-Variante ausrichten?

Sechs Fakten zur Delta-Mutation
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Ist eine dritte Corona-Impfung notwendig?

Dass manche Impfungen aufgefrischt werden müssen, ist ganz normal. So hält zum Beispiel der Impfschutz gegen Röteln oder Masern ein Leben lang, die Impfung gegen Diphterie und Tetanus hingegen sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Die Corona-Impfstoffe sind aber noch neu, Langzeitstudien gibt es nicht. Deshalb ist noch nicht klar, ob und wann Auffrischimpfungen notwendig sind.

Experten wie der Infektionsimmunologe Leif Erik Sander von der Berliner Charité gehen bereits seit Längerem davon aus, dass für Risikogruppen, Menschen mit verminderter Immunantwort und Menschen mit Kontakt zu Hochrisikopatienten eine Auffrischimpfung erforderlich sein wird. Auch Karl Lauterbach rät zu dieser Vorgehensweise unter Verweis darauf, dass dies in Frankreich bereits so gehandhabt werde. Auch Russland hat bereits mit den Auffrischimpfungen begonnen.

Großbritannien plant laut dem britischen Gesundheitsministerium ebenfalls bereits Booster-Impfungen für besonders gefährdete Gruppen ab September. Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet laut einem Spiegel-Bericht mit Auffrischimpfungen im Winter.

Dritte Corona-Impfung: Welche Impfstoffe kommen in Frage?

Es ist also möglich, dass Booster-Impfungen notwendig sein werden – unabhängig von neuen Virusvarianten. Dies sollte bei keinem der bislang zugelassenen Impfstoffe ein Problem darstellen: Der Spiegel verweist auf eine Studie der University of Oxford, die auf der Plattform Preprints with The Lancet veröffentlicht wurde. Offenbar ruft eine dritte Dosis des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca eine starke Immunreaktion und T-Zell-Antwort hervor – ob diese aber überhaupt notwendig ist, ist unklar. Bei dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson hingegen wäre eine Kreuzimpfung als Booster denkbar. Das Vakzin hat eine geringere Schutzwirkung als die anderen Impfstoffe, ist bislang aber auch das einzige, von dem nur eine Dosis verimpft wird. Bei allen anderen Impfstoffen sollte der Zweittermin unbedingt wahrgenommen werden, denn nur die vollständige Impfung schützt vor schweren Verläufen bei einer Infektion mit der Delta-Variante.

Wie bereits erwähnt, werden Auffrischimpfungen mit mRNA-Impfstoffen bereits durchgeführt. Eine Studie, die im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde, hatte die Gedächtniszellen nach der Impfung mit mRNA-Impfstoffen untersucht und kam zu dem Schluss, dass diese das Virus auch noch lange nach einer Impfung wiedererkennen und dementsprechend reagieren. Es könnte sein, dass die Impfung weitaus länger schützt als angenommen – was wiederum die Notwendigkeit einer dritten Impfung für alle Menschen in Frage stellt. Wie sich allerdings neue, ansteckendere Virusvarianten auf den Schutz auswirken werden, weiß man noch nicht.

Dritte Corona-Impfung: Schützt die Booster-Dosis gegen die Delta-Variante?

Zusammengefasst bedeutet das: Außer bei dem Vakzin von Johnson & Johnson steht noch nicht fest, ob eine Auffrischimpfung einen Mehrwert hätte und besser vor neuen Virusvarianten wie der Delta-Variante schützt. Eine dritte Corona-Impfung wird vermutlich dennoch kommen – vorerst aber nur für Gruppen, bei denen eine verringerte Immunantwort ausgeglichen werden soll und nicht unbedingt im Hinblick auf die Delta-Variante.

Es könnte allerdings sein, dass sich das ändert. Pfizer-Chef Albert Bourla rechnete in der Vergangenheit mit einer dritten, bzw. sogar einer jährlichen Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte letzten Donnerstag zur Rheinischen Post: "Sobald Fälle beobachtet werden, bei denen es trotz zweifacher Impfung zu einer Ansteckung zum Beispiel mit der gefährlichen Delta-Variante und auch zu schweren Krankheitsverläufen kommt, wird man zur Booster-Impfung aufrufen."

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