01.07.2021 - 10:50

Zahlen steigen wieder Trotz Impfung – Delta tobt in Israel: Ist es bald auch in Deutschland so weit?

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Israel aus. Da besonders Kinder betroffen sind, appelliert die Regierung an die Bevölkerung, ihre 12- bis 15-jährigen Kinder impfen zu lassen.

Foto: Getty Images/ JACK GUEZ

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Israel aus. Da besonders Kinder betroffen sind, appelliert die Regierung an die Bevölkerung, ihre 12- bis 15-jährigen Kinder impfen zu lassen.

Das Beispiel Israels zeigt: Die Delta-Variante des Coronavirus kann den Impfschutz durchbrechen. Doch es gibt auch einen Lichtblick…

Wir waren so nah dran: Nach einigen Startschwierigkeiten läuft die Impfkampagne gegen das Coronavirus in Deutschland nun endlich rund und schreitet zügig voran. Die Pandemie schien schon beinahe besiegt – doch dann kam Delta, eine weitere Variante des Virus. Derzeit breitet sich die Delta-Variante auf der ganzen Welt aus, auch in Europa ist sie bereits angekommen – und in Israel, dem Land, das wegen seiner beispiellosen Impfkampagne als Vorbild im Umgang mit der Corona-Pandemie gilt. Doch jetzt steigen die Infektionszahlen dort wieder, die Delta-Variante ist auch in Israel auf dem Vormarsch. Offenbar kann sie den Schutz der Corona-Impfung durchbrechen.

Sechs Fakten zur Delta-Mutation
Sechs Fakten zur Delta-Mutation

Infektionszahlen steigen: Delta-Variante breitet sich in Israel aus

Circa 57 Prozent der Menschen in Israel sind bereits vollständig gegen das Coronavirus immunisiert. Die Pandemie schien in dem Mittelmeerland bereits seit Monaten besiegt, die Bevölkerung feierte die zurückeroberte Normalität in Bars und auf Konzerten. Doch derzeit steigen die Infektionszahlen in Israel zum ersten Mal seit Langem wieder stark an: Gestern wurden 222 Neuinfektionen nachgewiesen. Damit ist die Zahl der Neuinfektionen so hoch wie zuletzt Mitte April, noch im Juni lag sie teilweise im einstelligen Bereich. Was passiert gerade in Israel?

Die Antwort lautet: Auch dort grassiert mittlerweile die Delta-Variante des Coronavirus. Wie der Focus berichtete, sind dem israelischen Gesundheitsministerium zufolge 90 Prozent der Infektionen auf die neue Mutante zurückzuführen. Seitdem sie vermutlich in Indien erstmals aufgetreten war, breitet sie sich auf der ganzen Welt aus. Sogar in Australien ist die Delta-Variante mittlerweile angekommen.

Wirkt die Corona-Impfung gegen die Delta-Variante?

Während die Delta-Variante in Australien auf eine bisher weitgehend ungeimpfte Bevölkerung trifft, wurde in Israel mehr als die Hälfte der Bevölkerung mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft. Laut einem Bericht der Zeit soll rund die Hälfte der in Israel neu infizierten Erwachsenen bereits doppelt geimpft sein. Das bestätigt die Erkenntnis, dass Delta nicht nur ansteckender, sondern auch besser darin ist, den Immunschutz des Körpers durch Impfung oder durchgestandene Infektion zu durchbrechen.

Die gute Nachricht: Bisher gibt es in Israel offenbar tatsächlich keine schweren Krankheitsverläufe unter Geimpften. Dies bestätigt die Vermutung, dass die Impfstoffe gegen das Coronavirus auch gegen die Delta-Variante schützen – vorausgesetzt, man nimmt auch den Termin für die Zweitimpfung wahr. Laut Pfizer schützt der Impfstoff zu 90 Prozent gegen die Delta-Variante, das Gleiche gilt laut Untersuchungen in Großbritannien für den Impfstoff von AstraZeneca. Israels Gesundheitsexperten weisen allerdings auch darauf hin, dass die Corona-Ausbrüche noch recht frisch sind und noch nicht genügend Daten vorlägen, um verlässliche Aussagen über die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen die Delta-Variante treffen zu können.

Vor allem Kinder infizieren sich mit Delta-Variante

Während geimpfte Erwachsene rund die Hälfte der Erkrankten ausmachen, besteht die andere Hälfte aus Ungeimpften – und das sind vor allem Kinder. In Israel können sich 12- bis 15-Jährige impfen lassen, doch eine strenge Anweisung gab es bislang nicht, vielmehr eine lockere Empfehlung. Gerade nach den Berichten über Herzmuskelentzündungen als Impfnebenwirkung bei jungen Leuten zögerten viele Eltern, Impftermine für ihre Kinder auszumachen. Die Konsequenz: Die Zahl der Impfungen stagnierte, bislang sind nur 20 Prozent der 10- bis 19-Jährigen geimpft.

Beste Voraussetzungen für die Delta-Variante also. Viele der neuen Corona-Ausbrüche fanden in Schulen statt, Hunderte SchülerInnen mussten in Quarantäne. Die Regierung möchte die Bevölkerung nun davon überzeugen, ihre Kinder impfen zu lassen: Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett hat angekündigt, seine vier Kinder impfen zu lassen, die Innenministerin Ajelet Schaked hat dies ihm zufolge bereits getan. Und die Appelle scheinen zu wirken: Die israelischen Krankenkassen verzeichnen einen Anstieg an Corona-Impfungen unter Kindern.

Wie kam die Delta-Variante nach Israel?

Laut der israelischen Regierung wurde die Delta-Variante des Virus vor allem durch Einreisende und Reiserückkehrer aus dem Ausland eigeschleppt, die sich nicht an die Quarantäneverordnung gehalten hatten. Durch die Quarantäne-Brecher breite sich das Virus derzeit aus. Dazu kommt die Überlastung der Teststationen an den israelischen Flughäfen: Offenbar waren Tausende Menschen in das Land gelangt, ohne bei der Ankunft auf das Coronavirus getestet zu werden.

Die Regierung appelliert an alle, nicht notwendige Reisen ins Ausland zu unterlassen – insbesondere mit ungeimpften Kindern. Des Weiteren traten wieder diverse Corona-Maßnahmen in Kraft, wie die Maskenpflicht in Innenräumen. Zuvor hatte die Regierung alle Maßnahmen aufgehoben.

Werden jetzt auch in Deutschland Kinder geimpft?

Experten sorgen sich, dass die derzeitige Pandemie-Situation in Israel uns auch in Deutschland schon bald erwartet. Hier sind 36 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, 54 Prozent haben die Erstimpfung erhalten. Damit ist die Impfquote deutlich geringer als in Israel. Und auch in Deutschland gilt: Die meisten Ungeimpften sind Kinder.

Bislang hat die Ständige Impfkommission (STIKO) keine allgemeine Impfempfehlung für Kinder ausgesprochen, obwohl der Impfstoff von Biontech/Pfizer für 12- bis 15-Jährige zugelassen ist. Einige Experten, darunter SPD-Politiker Karl Lauterbach, plädieren dafür, Kinder impfen zu lassen – gerade im Hinblick auf die Delta-Variante. Derweil beraten Bund und Länder laut Tagesschau darüber, die Einreisebestimmungen für Deutschland wieder zu verschärfen.

Quellen für Zahl der Neuinfektionen und Impfungen: Johns Hopkins University, Our World in Data

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