Aktualisiert: 29.06.2021 - 16:17

Bin ich geschützt? Ist ein Antikörpertest nach der Corona-Impfung sinnvoll?

Einfache Antikörpertests gibt es mittlerweile auch im Drogeriemarkt zu kaufen. Sie können zu Hause durchgeführt werden, sind aber nicht dazu geeignet, um zu klären, ob die Corona-Impfung gewirkt hat.

Foto: Getty Images/ SOPA Images

Einfache Antikörpertests gibt es mittlerweile auch im Drogeriemarkt zu kaufen. Sie können zu Hause durchgeführt werden, sind aber nicht dazu geeignet, um zu klären, ob die Corona-Impfung gewirkt hat.

Sie haben keine Impfreaktion gehabt oder sind sich aus einem anderen Grund unsicher, ob die Impfung gewirkt hat? So können Sie es überprüfen!

Die Hälfte der Menschen in Deutschland hat bereits ihre erste Dosis der Corona-Schutzimpfung erhalten, ein Drittel ist vollständig immunisiert. Die körperliche Reaktion auf die Impfung variiert dabei stark: Während der eine überhaupt nichts davon merkt und der nächste nur leichte Armschmerzen hat, liegt ein anderer nach der Impfung tagelang flach. So mancher, dem es "zu gut" geht, fühlt sich dann verunsichert – obwohl eine leichte oder fehlende Impfreaktion nichts über die Effektivität der Impfung aussagt. Wer sich nicht sicher ist, ob die Impfung bei ihm angeschlagen hat und sich nicht entspannen kann, ehe er diesbezüglich Sicherheit hat, plant eventuell, die Wirkung der Corona-Impfung mit einem Antikörpertest überprüfen zu lassen. Doch macht das überhaupt Sinn?

Coronavirus: Was sind Antikörpertests?
Coronavirus: Was sind Antikörpertests?

Wirkung der Corona-Impfung: Klarheit durch Antikörpertest?

Gleich vorweg: Keine Impfung ist zu 100 Prozent sicher. Es gibt immer Ausnahmen, bei denen der Impfschutz durchbrochen wird. Nichtsdestotrotz sind die bislang verfügbaren Corona-Impfstoffe extrem wirksam: Dem Robert-Koch-Institut zufolge haben diejenigen, die mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna geimpft wurden, eine um 95 Prozent reduzierte Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken. Bei dem Impfstoff von AstraZeneca sind es 80 Prozent, bei Janssen 65 Prozent. Noch stärker reduziert ist das Risiko, im Fall einer Erkrankung ins Krankenhaus zu müssen: Beim AstraZeneca-Impfstoff ist es um 95 Prozent geriner, bei dem Janssen-Vakzin um 100 Prozent. Es ist also keineswegs so, dass die Impfung ein Glücksspiel wäre.

Doch das Robert-Koch-Institut gesteht auch ein, dass bei allen Impfstoffen einige geimpfte Personen ungeschützt bleiben. Nur: Wie findet man heraus, ob man zu dieser – sehr kleinen – Gruppe gehört? Kann ein Antikörpertest Aufschluss darüber geben?

Antikörper = Antikörper?

Antikörpertests wurden bereits letztes Jahr eingesetzt, um zu überprüfen, ob jemand Antikörper gegen das Coronavirus im Blut hat. Waren Antikörper vorhanden, hatte die getestete Person sehr wahrscheinlich bereits eine Corona-Infektion durchgemacht.

Mittlerweile gibt es einfache Antikörpertests sogar im Drogeriemarkt zu kaufen. Diese unterscheiden laut SWR Wissen nicht zwischen Antikörpern, die der Körper selbst gebildet hat, und Antikörpern, die durch eine Impfung gebildet wurden. Das bedeutet, dass man mit einem Antikörpertest auch herausfinden können müsste, ob die Impfung angeschlagen hat – oder?

Auch wenige Antikörper sorgen für guten Schutz

Ganz so einfach ist es leider nicht. Wie Susana Minguet, Immunbiologin an der Uni Freiburg, gegenüber SWR Wissen sagt, kann die Antikörperkonzentration vor allem zu zwei Zeitpunkten sehr wahrscheinlich unter der Nachweisgrenze eines kommerziellen Tests liegen: direkt nach der Impfung und einige Wochen später.

Dazu kommt, dass die Antikörperkonzentration bei Geimpften stark variieren kann. Wenn jemand vergleichsweise wenig Antikörper hat, bedeutet das aber nicht, dass die Person weniger gut geschützt ist. Darüber hinaus sind Antikörper nicht allein für den Schutz vor dem Virus verantwortlich, auch die sogenannten Gedächtniszellen lösen die Immunantwort aus. Diese kann ein herkömmlicher Antikörpertest jedoch nicht nachweisen.

Das kann der Antikörpertest im Labor

Eine geeignetere Methode, die Wirksamkeit der Impfung zu überprüfen, ist der Antikörpertest im Labor. Dieser erkennt auch, ob die Antikörper von der Impfung oder von einer Coronavirus-Infektion stammen. Das liegt daran, dass durch die Impfstoffe nur Antikörper gegen einen Teil des Virus gebildet werden, nämlich gegen das Spike-Protein.

Das Problem an der Sache: Man weiß bisher noch nicht, ab welcher Antikörperanzahl man gegen das Coronavirus geschützt ist, es gibt noch keine festen Grenzwerte. Laut dem Immunologen Carsten Watzl eignet sich der Antikörpertest im Labor vor allem für zwei Dinge: Man kann damit überprüfen ob man bereits infiziert war. Außerdem sind sie für Menschen interessant, die eine Immunschwäche haben oder Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken. Bei diesen könne es durchaus Sinn machen, nachzugucken, ob sich Antikörper gebildet hätten.

Nutzlos für alle anderen sind Antikörpertests allerdings nicht: Carsten Watzl zufolge gibt es einen "Zusammenhang zwischen der Menge von Antikörpern und der Menge neutralisierender Antikörper". Das bedeutet: Wenn man viele Antikörper im Blut hat, ist es unwahrscheinlich, dass diese im Falle einer Infektion nichts gegen das Virus ausrichten.

Lieber Neutralisationstest als Antikörpertest:

Thomas Lorentz aus dem Vorstand des Berufsverbands Deutscher Laborärzte rät statt zu einem herkömmlichen Antikörpertest zu einem sogenannten Neutralisationstest. Dieser ist quasi der Goldstandard beim Nachweis von Antikörpern.

Der Neutralisationstest prüft laut Apotheken Umschau nicht nur die Anwesenheit von Antikörpern, sondern auch deren Funktionalität. Im Labor wird das Blutserum der getesteten Person mit Teilen des Coronavirus in Berührung gebracht, auf diese Weise wird geprüft, wie gut es das Virus abhalten kann. Laut Thomas Lorentz bietet zwar auch dieser Test keine 100%ige Sicherheit, doch "ein positiver Neutralisationstest heißt fast immer, dass man geschützt ist".

Wie teuer ist ein Neutralisationstest?

Wer einen Neutralisationstest machen möchte, kann dies bei einigen Laboren tun, die auch andere Tests wie herkömmliche Antikörpertests anbieten. Die Kosten für den Neutralisationstest muss man allerdings selbst übernehmen. Sie belaufen sich, je nach Anbieter, auf etwa 30 bis 55 Euro. Den geeigneten Zeitpunkt klären Sie am besten im Vorfeld mit dem Labor oder Arzt ab: Laut dem Institut für Medizinische Diagnostik Berlin-Potsdam ist eine Bestimmung des Antikörpertiters frühestens zwei bis drei Wochen nach der zweiten Impfung sinnvoll.

Viele denken nur deshalb darüber nach, einen Antikörpertest zu machen, da sie keine oder nur eine leichte Impfreaktion hatten. Dabei sagt die Impfreaktion nichts über die Schutzwirkung der Corona-Impfung aus! Dass man, bevor man seine Antikörper untersuchen lassen kann, einige Wochen warten muss, ist logisch, denn eine Impfung wirkt nicht sofort, man ist auch nicht unmittelbar danach immun.

Die bisher verfügbaren Impfstoffe haben eine hohe Schutzwirkung. Trotzdem hoffen Experten auf einen "Super-Impfstoff", der jahrelang schützt. Das könnte aber nach hinten losgehen…

Mehr Neuigkeiten und Informationen über das Coronavirus und Impfungen gibt es auf unseren Themenseiten.

Gesundheit

Gesundheit

Alles rund um das Thema Gesundheit und Ernährung

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe