Aktualisiert: 03.07.2021 - 15:53

Eigenhaartransplantation Mit welchen Methoden lässt sich Haarausfall wieder "aufforsten"?

Von Gabriele Eisenrieder

Eine Eigenhaartransplantation kann u.a. erblich bedingten Haarausfall ausgleichen.

Foto: Getty Images/andriano_cz

Eine Eigenhaartransplantation kann u.a. erblich bedingten Haarausfall ausgleichen.

Kahle Stellen stören nicht nur Männer, eine Eigenhaartransplantation kann helfen. Der Eingriff ist relativ einfach, aber nicht für jeden geeignet.

Es klingt verlockend, vor allem für Männer, deren Geheimratsecken größer und deren Haar lichter wird – per Verpflanzung zurück zur alten Haarpracht. Die Eigenhaartransplantation ist, spätestens seit sich Star-Trainer Jürgen Klopp das Haupthaar wieder "aufforsten" ließ, den meisten bekannt.

Tatsächlich lässt sich mit einem vergleichsweise unkomplizierten Eingriff das Aussehen deutlich verändern. Nicht nur jüngeres Aussehen kann das Ziel einer Eigenhaartransplantation sein und nicht nur Männer nutzen das Verfahren, um kahle Stellen auszugleichen. Hier erfahren Sie, wem der Eingriff helfen kann, wie bei den Techniken gebohrt oder geschnitten wird und woran Sie eine seriöse Praxis für Eigenhaartransplantation erkennen.

Für wen kommt Eigenhaartransplantation in Frage?

Die Mehrzahl der Eigenhaartransplantation-Klienten sind Männer mit erblich bedingtem Haarausfall. Das ist das "normale" Ausfallen der Kopfhaare, das Männer mit fortschreitendem Alter haben. Außerdem gibt es Menschen, die krankheitsbedingten Haarausfall oder nach Unfällen und OPs Narben und kahle Stellen am Kopf haben. Auch wer von Natur aus eine ungleiche Haarverteilung hat und sie ausgleichen will, könnte mit einer Eigenhaartransplantation Erfolg haben, also z.B. Frauen, die dichtere Augenbrauen wollen oder Männer mit sehr ungleichem Bartwuchs.

Frühe Eigenhaartransplantation: Ab wann macht sie Sinn?

Männer, denen anlagebedingt die Haare schon in ihren Zwanzigern ausgehen, haben oft den Impuls, dem so schnell wie möglich gegenzusteuern, am besten, bevor es auffällig wird. Allerdings funktioniert Eigenhaartransplantation nicht nach diesem Prinzip.

Der Haarausfall wird nicht aufgehalten, sondern verbleibende Haare werden umverteilt. Deshalb raten viele Spezialisten dazu, mindestens bis in die Dreißiger zu warten, um besser einschätzen zu können, wie die natürliche Haarverteilung bzw. Kahlheit beschaffen ist. Außerdem "lohnt" sich logischerweise ein Eingriff mehr, wenn nicht danach wieder und wieder noch fortschreitender Haarausfall kompensiert werden muss.

Studien weisen auch darauf hin, dass Stress Männern schneller die Haare ausgehen lässt! Diese Studie belegt: Zu viel Arbeit begünstigt Haarausfall.

Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Eigenhaartransplantation?

Generell muss für eine Eigenhaartransplantation genug Spenderhaar vorhanden sein. Es wird meist, wenn möglich, aus dem seitlichen oder hinteren Haarkranz entnommen. Die Haarwurzeln dort sind unempfindlich für männliches Hormon und bleiben es auch nach der Transplantation. Diese Haarwurzeln können lebenslang Haarwuchs produzieren, die behandelten kahlen Stellen bleiben also dauerhaft behaart. In Ausnahmefällen können auch Haare aus dem Bart- oder Brustbereich verwendet werden, wenn nicht mehr genug Haare im Haarkranz verfügbar sind.

Außerdem ist wichtig, mögliche gesundheitliche Probleme vorab zu behandeln. Wenn die Ursache für den Haarausfall nicht klar ist, muss sie zunächst gefunden und möglichst behoben werden. Wenn Frauen ungewöhnlichen Haarausfall haben, können z.B. hormonelle Schwankungen, Eisenmangel oder auch psychische Ursachen dahinterstecken. Wir zeigen Hausmittel gegen Haarausfall: Kann man Haarverlust natürlich heilen? Grundsätzlich ist eine gesund durchblutete Kopfhaut wichtig, so dass die implantierten Haare auch wachsen.

Welche Eigenhaartransplantation-Techniken gibt es?

Unsere Haare wachsen in kleinen, natürlichen Gruppen, den sogenannten Follicular Units (Dt.: Haarwurzel-Einheiten). Bei der Eigenhaartransplantation werden also nicht einzelne Haare / Haarwurzeln extrahiert, sondern Follicular Units, die im Labor zurechtgeschnitten werden. Das Einsetzen läuft immer ähnlich ab, bei der Gewinnung aus der Kopfhaut gibt es zwei unterschiedliche Techniken, wie der Verband Deutscher Haarchirurgen erklärt.

1. Streifentechnik (Follicular Unit Transplantation FUT)

Es wird ein ca. 1 cm breiter Streifen Haut mit Haaren entnommen, die dann präpariert und an den gewünschten Stellen wieder eingesetzt werden. Es bleibt eine dünne längsverlaufene Narbe, die unter den Haaren nicht sichtbar ist. Die Streifentechnik kann auch mehrmals angewandt werden, etwa, wenn mit den Jahren weitere lichte Stellen auf dem Kopf entstehen.

Einige Vor- und Nachteile der Streifentechnik, die es zu bedenken gilt:

  • Große Mengen an Follicular Units können in einer Behandlung transplantiert werden, bis zu 2.500 und mehr.
  • Die Entnahmestelle ist überkämmbar, die optische Dichte des Haarkranzes/Haarkleides bleibt weitestgehend gleich.
  • Bei erneuter Haartransplantation kann man die alte Narbe wieder mit entfernen, so dass im Idealfall immer nur eine Narbe verbleibt.
  • Schnitt und Narbe sind umungänglich.
  • Bestimmte Kurzhaarfrisuren oder abrasierte Kopfhaare sind nicht mehr möglich bzw. zeigen immer die Narbe.

2. FUE-Technik (Follicular Unit Extraction)

Die Haar-Entnahme erfolgt mit einer Hohlnadel, die man sich wie einen winzigen Bohrer vorstellen kann, mit dem die Follicular Units aus der Kopfhaut gelöst werden. Dabei kann auch ein Roboter unterstützen, allerdings ist für eine erfolgreiche Eigenhaartransplantation ein erfahrener Operateur/eine erfahrene Operateurin unabdingbar.

Einige Vor- und Nachteile der FUE-Technik, die es zu bedenken gilt:

  • Kein Schnitt und keine Naht sind erforderlich.
  • Gut geeignet für sehr junge Patienten, die noch nicht wissen, ob sie später einmal alle ihre Kopfhaare abrasieren.
  • Entnahme von Haarwurzeln überall am Körper möglich.
  • Zahl der auf einmal zu transplantierenden Follicular Units ist geringer, bei einem Operateur etwa 700-1500.
  • Haarkranz/Haarkleid im Entnahmebereich dünnt sich optisch aus.

Einsetzen der Follicular Units

Nachdem die Follicular Units im Labor präpariert wurden, werden sie auf den kahlen Stellen der Kopfhaut eingesetzt, wofür winzige Öffnungen gestochen werden. Wichtig dabei ist, dass die Haarwurzeln nicht gequetscht werden. Entnahme und Einsetzen finden an einem Behandlungstag unter örtlicher Betäubung statt. Wenn sie nachlässt, kann es zu Schmerzen kommen.

Die Schmerzintensität nach der Streifentechnik ist in etwa wie bei einer Platzwunde, die mit ein paar Stichen genäht wurde. Bei der FUE-Technik fühlen sich die Nachwirkungen mehr wie eine Schürfwunde an, mit Brennen nach der Entnahme.

Wie geht es nach der Haarverpflanzung weiter?

Am dritten Tag nach dem Eingriff können die Haare wieder wie gewohnt gewaschen werden. Eine Schwellung kann etwa zehn bis 14 Tage nach der Operation zu sehen sein. Etwa etwa drei Monate nach dem Eingriff beginnt dann das Wachstum aus den eingepflanzten Haarwurzeln.

Da die Follicular Units aus Bereichen entnommen werden, aus denen in der Regel die Haare nie ganz ausfallen – also z.B. dem Haarkranz – kann man davon ausgehen, dass die neu wachsenden Haare dauerhaft bleiben. Das Resthaar an anderen Stellen des Kopfes kann allerdings auch weiterhin ausfallen, bzw. ist damit zu rechnen.

Eigenhaartransplantation: Welche Kosten fallen an?

Bei einer Eigenhaartransplantation hängen die Kosten vom gewählten Anbieter und individuellen Aufwand ab, z.B. davon, wie viele Haarwurzeln entnommen und eingesetzt werden sollen. In deutschen Praxen mit Zertifizierungen und Mitgliedschaften in Fachverbänden reicht die Spanne ungefähr von 2.000 bis 10.000 Euro.

Wie wählt man bei Eigenhaartransplantation seriöse Anbieter?

Um seriöse Anbieter für Eigenhaartransplantation zu finden, sollten Sie auf verschiedene Faktoren achten:

  • Der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin hat die Facharztanerkennung eines operativen Faches – Chirurg:innen, Gyäkolog:innen, HNO-Ärzt:innen.
  • Beim ersten Termin ist wichtig, zu unterscheiden: Befinde ich mich gerade in einem Beratungs- oder in einem Verkaufsgespräch?
  • Ein seriöses Beratungsgespräch wird immer vom behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin durchgeführt. Es sollte detailliert geklärt werden, welche Behandlungsoptionen Sie haben und mit welchen Ergebnissen Sie in ihrem individuellen Fall rechnen können.
  • Auf keinen Fall sollten Sie unter Druck gesetzt werden, sich sofort an Ort und Stelle für die Behandlung zu entscheiden und vielleicht sogar schon eine Anzahlung zu leisten.
  • Außerdem sollten Sie darauf achten, dass die Behandler Nachweise darüber haben, welche Techniken sie erlernt haben und welche Fortbildungen absolviert wurden.
  • Die Mitgliedschaft in einem Fachverband ist ein Qualitätsmerkmal.
  • Lassen Sie sich nicht von Sensationsmeldungen oder Werbeversprechen irritieren, die revolutionäre Techniken und dergleichen anpreisen, die zugrundeliegenden Methoden sind immer dieselben.

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Informationen und Ärzte zur Eigenhaartransplantation finden Sie auch bei Verband Deutscher Haarchirurgen: https://www.vdhc.de/

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