Aktualisiert: 22.06.2021 - 16:27

Wie kann das sein? Hohe Corona-Zahlen trotz Impfungen: Was ist in Chile los?

In Chile fungieren Minibusse als mobile Impfzentren. Doch obwohl das südamerikanische Land bei der Corona-Impfung bisher gut vorankam, steigt die Zahl der Neuinfektionen jetzt.

Foto: Getty Images/ MARTIN BERNETTI

In Chile fungieren Minibusse als mobile Impfzentren. Doch obwohl das südamerikanische Land bei der Corona-Impfung bisher gut vorankam, steigt die Zahl der Neuinfektionen jetzt.

In Chile explodieren die Corona-Zahlen – und das, obwohl das Land hohe Impfquoten verzeichnet. Könnte es im Herbst bei uns ähnlich aussehen?

Erinnern Sie sich noch an die Meldungen, die uns im März aus Chile erreichten? Das südamerikanische Land impfte seine Bevölkerung im Eiltempo und war dabei zeitweise schneller als jedes andere Land! Mittlerweile ist die Hälfte der chilenischen Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft, weitere 13 Prozent haben zumindest die erste Impfdosis erhalten. Doch nicht nur die Impfquote steigt: Trotz der Impfungen explodiert in Chile die Zahl der Corona-Neuinfektionen. Wie kann das sein?

Trotz Corona-Impfungen: Chile verzeichnet viele Neuinfektionen

Derzeit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland bei 8. In Chile hingegen liegt sie bei 206 – und das obwohl Chile bereits so einen großen Teil der Bevölkerung geimpft hat. Das sorgt für Verwirrung – und für Angst. Ist die Impfung etwa doch nicht der sichere Ausweg aus dem Übel? Sind wir doch noch nicht aus dem Schneider? Womit müssen wir im Herbst rechnen?

Tatsächlich gibt es für den Anstieg der Neuinfektionen in Chile mehrere Gründe – und die könnten auch für Deutschland relevant werden, denn von der Herdenimmunität sind auch wir noch weit entfernt. Der Sommer mit seinen niedrigen Inzidenzwerten, Open-Air-Veranstaltungen und offenen Restaurants mag ein anderes Signal senden, doch die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei…

Anstieg der Neuinfektionen in Chile – daran liegt's

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland führt als Gründe für die vielen Corona-Neuinfektionen unter anderem den südamerikanischen Winter auf, der in Chile in den letzten Monaten herrschte. Während dieser Zeit kommt es dort offenbar immer vermehrt zu Atemwegserkrankungen. Auch die beengten Wohn- und Lebensverhältnisse in den Metropolregionen tragen zur Verbreitung des Virus bei, indem sie das Abstandhalten erschweren.

Doch auch die Disziplin in der Bevölkerung zur Befolgung der Hygieneregeln lässt nach – Kritiker werfen der Regierung vor, diese Entwicklung durch das übereilte Feiern des Impferfolges befeuert zu haben. Die Bevölkerung glaubte, die Pandemie sei vorbei – und muss nun feststellen, dass das nicht der Fall ist.

Ist der Impfstoff schuld?

Nun sind nachlassende Disziplin und Winter das eine – aber die Impfungen müssen doch helfen. Oder? Chile nutzt für die Corona-Impfungen den Impfstoff des chinesischen Herstellers Sinovac, Zweifel an deren Effektivität weist die Panamerikanische Gesundheitsorganisation OPS jedoch zurück.

Jarbas Barbosa von der OPS weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Impfstoffe "keine Wundermittel" seien. Sie betont, dass die Vakzine nicht gleich am nächsten Tag wirken – und dass selbstverständlich beide Impfdosen verabreicht werden müssen, um den bestmöglichen Schutz zu garantieren – insbesondere, weil auch noch keine Herdenimmunität gegen das Coronavirus erreicht sei.

Die Zweitimpfung ist wichtig!

Gerade diese Bemerkung sollten auch wir uns zu Herzen nehmen – denn nicht nur in Chile lässt die Impfdisziplin bei einigen nach der ersten Dosis nach. Die Tatsache, dass man bereits nach der Erstimpfung einen gewissen Schutz aufbaut, scheint viele in falscher Sicherheit zu wiegen. Laut der New York Times haben sich in den USA acht Prozent der Geimpften die zweite Dosis nicht abgeholt, wohingegen Impfzentren in Deutschland bemängeln, dass viele ihren Termin für die zweite Impfung absagen, weil er mit ihren Urlaubsplänen kollidiert.

Meldungen wie diese zeigen, dass es unverzichtbar ist, die Impfkampagne weiter voranzutreiben – in Chile, in Deutschland und überall sonst.

Zahlen: ourworldindata.org, rki.de

Sie würden sich gerne impfen lassen, sind sich aber unsicher wegen etwaiger Nebenwirkungen? In den meisten Fällen sind diese nicht schwerwiegend und der Nutzen überwiegt auf jeden Fall das Risiko. Mehr über die bisher erfassten Nebenwirkungen der Corona-Impfung erfahren Sie hier.

Bislang sind in Deutschland vier Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen. Startet mit dem Corona-Impfstoff von Novavax bald der nächste Impfstoff-Kandidat ins Rennen?

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