Aktualisiert: 18.06.2021 - 17:34

Unsterblichkeit? Unmöglich Wie alt können wir werden? Forscher ermitteln maximale Lebensdauer

Warum altern wir? Können wir unsterblich sein? Antworten auf diese Frage gibt nun ein Forscherteam anhand einer großen Studie: Wir Menschen haben eine maximale Lebensdauer – und werden aus einem ganz bestimmten Grund immer gebrechlicher.

Foto: Getty Images/Peter Finch

Warum altern wir? Können wir unsterblich sein? Antworten auf diese Frage gibt nun ein Forscherteam anhand einer großen Studie: Wir Menschen haben eine maximale Lebensdauer – und werden aus einem ganz bestimmten Grund immer gebrechlicher.

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, unsterblich zu sein. Zumindest als Kind klingt das nach grandioser Superheldenkraft. Davon abgesehen, dass unendliches Leben irgendwann wahrscheinlich zu enormer Langeweile führt, ist es rein physisch auch gar nicht möglich. Forschende haben jetzt die maximale Lebensdauer des Menschen ermittelt. Verblüffenderweise hängt die aber nicht nur mit dem körperlichen Befinden zusammen.

Wie alt kann der Mensch werden? Dass unserem Leben eine Grenze gesetzt ist, ist Forschenden schon länger klar. Es gibt ein natürliches Höchstalter. Und wie hoch diese maximale Lebensdauer des Menschen tatsächlich ist, hat ein Forscherteam nun herausgefunden – und dabei noch festgestellt, warum irgendwann einfach Schluss ist. Das hat mit unserer Erholungsfähigkeit zu tun – und die nimmt mit dem Alter ab.

Auch wenn die durchschnittliche Lebenserwartung steigt – es gibt ein Höchstalter

Unsere durchschnittliche Lebenserwartung hängt stark davon ab, wo wir leben. Ist Zugang zu medizinischer Versorgung vorhanden? Sind die Lebensbedingungen gut? All das erhöht diesen Wert. In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Männern bei 78,9 Jahren. Frauen werden mit 83,6 Jahren im Durchschnitt etwas älter. Doch die Lebenserwartung steigt, weltweit. Auch das liegt am medizinischen Fortschritt, an gesünderer Lebensweise und vielen anderen Faktoren.

Aber wenn die Lebenserwartung steigt – bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass wir irgendwann unendlich alt werden können? Oder gibt es da ein Maximum an Jahren, das der menschliche Körper erreichen kann? Studien dazu gab es bereits einige. Einige Jahre zuvor schätzten Wissenschaftler:innen die maximale Lebensdauer des Menschen auf 115 Jahre. Offenbar geht aber mehr. Unsterblichkeit aber ist nicht möglich, und das hat Gründe.

Studie zeigt: Wir erholen uns immer langsamer von Stressfaktoren

Drei große Kohortenstudien in den USA, Großbritannien und Russland hat sich ein Forscherteam in internationaler Zusammensetzung angeschaut: Getestet wurde dabei der Gesundheitszustand der Studienteilnehmer:innen etwa anhand des Blutes (Veränderung der Blutkörperchen-Anzahl) und der Fitness (tägliches Schrittpensum). Nach Altersgruppen gestaffelt wurde bewertet. Und das Ergebnis der im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie zeigt: Wird der Körper belastet, etwa durch eine Krankheit oder großen Stress, gelingt es ihm mit zunehmendem Alter immer schlechter, sich davon zu erholen. Das zeigte sich sowohl in der Anzahl der Blutplättchen als auch in der Fähigkeit, "Schritt zu halten". Die sogenannte Resilienz, die Fähigkeit sich zu erholen, nahm ab.

Sprich: Je älter man wird, desto länger braucht man, um sich von Stressfaktoren zu erholen. Der Stress (ob nun psychisch oder durch körperliche Auslöser) nimmt aber nicht unbedingt ab – und je länger man braucht, um sich von einem Ereignis zu erholen, desto höher ist die Gefahr, dass ein neues Ereignis in diese Erholungszeit fällt – und die Gebrechlichkeit verlängert bzw. sogar weiter erhöht. Die Widerstandsfähigkeit nimmt immer mehr ab.

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So alt können wir maximal werden

Anhand dieser Erkenntnisse konnte das Forscherteam nun berechnen, wie lange es braucht, bis die Widerstandsfähigkeit des Körpers vollständig verschwindet. Laut den Daten ist dies im Alter von 120 bis 150 Jahren der Fall. Darüber hinaus könne der Mensch nicht leben, schließen sie.

Wenn medizinische Versorgung und Lebensbedingungen stimmen, ist ein so hohes Alter theoretisch dann möglich, wenn eine gute Genetik und Glück hinzukommen.

Haben die ältesten Menschen also einfach nebst guten Genen und guter Versorgung vor allem jede Menge Glück? Die älteste bekannte lebende Person war die Französin Jeanne Calment. Sie starb im Jahr 1997 – nach 122 Jahren Lebenszeit. Sie galt auch im hohen Alter noch aus äußerst agil, begann mit 85 mit dem Fechten und fuhr mit 100 Jahren noch Fahrrad. Erst im Alter von 110 Jahren zog sie in ein Seniorenheim. Geistig soll sie bis zu ihrem Tod fit gewesen sein. Ihr Geheimnis fürs hohe Alter: Eigentlich nichts besonders nach eigenen Aussagen. Nur Olivenöl, Knoblauch, Gemüse und Portwein nennt sie als Gründe.

Aktuell ist die älteste noch lebende Person die Japanerin Kane Tanaka. Sie ist im Januar 117 Jahre alt geworden.

Aber kann man diese schwindende Widerstandskraft vielleicht wiederherstellen und die maximale Lebensdauer erhöhen? Tatsächlich wird auch daran geforscht. Es gibt wissenschaftliche Ansätze, den Alterungsprozess umzukehren. Eine Rolle spielen dabei die Telomere, die an den Enden unserer Chromosomen sitzen. Die verkürzen sich nämlich mit der Zeit. Ließe sich diese Verkürzung aufhalten oder gar umkehren, könnte man den Prozess des Alterns theoretisch aufhalten. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Bis dahin gilt es, das Leben, solange es dauert, in allen Zügen auszukosten. Ganz ehrlich: Was bliebe davon, wenn wir wüssten, wir leben ewig?

Studie/Quellen:

  • Pyrkov, Fedichev et al. (Nature Communications, Mai 2021): "Longitudinal analysis of blood markers reveals progressive loss of resilience and predicts human lifespan limit"
  • aponet.de, mdr.de, Supercentenarians via ResearchGate
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