Aktualisiert: 11.06.2021 - 15:58

Zu wenig infizierte Probanden Wo bleibt Curevac? Vakzin offenbar aus Impfkampagne gestrichen

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

Diese Impfstoff-Arten gibt es und so funktionieren sie.

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Laut Medienberichten plant das Gesundheitsministerium vorerst nicht mehr mit dem Corona-Impfstoff vom Tübinger Unternehmen Curevac. Zuletzt wurde zwar mit einer Zulassung im Juni gerechnet, doch es gab immer wieder Probleme. Wann kommt der Impfstoff – und brauchen wir ihn dann noch?

Die Impfkampagne in Deutschland läuft immer schneller. Am vergangenen Mittwoch sind über 1,3 Millionen Menschen an einem Tag gegen das Coronavirus geimpft worden, gestern waren es erneut über eine Million. Insgesamt ist jetzt fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung mindestens einmal geimpft, ein Viertel bereits vollständig – mit den vier bislang zugelassenen Impfstoffen. Braucht es da noch weitere Impfstoff-Kandidaten?

Einer dieser Kandidaten, mit denen eigentlich fest gerechnet wurde, ist das Vakzin des deutschen Unternehmens Curevac. Doch der Impfstoff lässt aus diversen Gründen auf sich warten. Jetzt gab es erneut Probleme. Die Konsequenz: Jens Spahn hat den Impfstoff von Curevac laut Medienberichten offenbar aus der laufenden Impfkampagne herausgestrichen und setzt stattdessen auf die bisherigen Vakzine. Das bedeutet aber nicht, dass der Impfstoff von Curevac nicht mehr benötigt wird.

Laufende Impfkampagne ohne Curevac? Deshalb gibt's Probleme

Das eigentlich als vielversprechend geltende Vakzin aus Tübingen baut, wie Biontech und Moderna, auf die mRNA-Technologie, funktioniert dabei aber nochmals ein wenig anders. Und genau da liegt eines der Probleme: Während Biontech und Moderna auf eine modifizierte Variante einer mRNA, das in Säugetieren seltener vorkommende Pseudouridin, setzen, nutzt Curevac die Reinform, das Uridin. Diese mRNA kommt der menschlichen mRNA im Körper näher. Möglicherweise könnte das Vakzin damit sogar noch besser wirken – vielleicht aber auch nicht. Und genau das weiß man bisher immer noch nicht, denn es fehlt an Probanden, die sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben.

Insgesamt fast 40.000 Proband:innen hat das Unternehmen in seine Phase-III-Studie mit einbezogen. In diesem Teil der Studie soll unter anderem geprüft werden, wie wirksam das Vakzin ist. Doch dafür müssen sich in der Vergleichsgruppe auch Probanden mit dem Coronavirus infizieren. Doch bisher hätten sich in den Kontrollgruppen zu wenige angesteckt, es seien nur 59 Fälle aufgetreten. Benötigt aber werden 160.

Der Grund: Niedrige Inzidenzen in den Studienländern (Deutschland, Niederlande, Belgien, Spanien und diversen Ländern in Lateinamerika wie Argentinien, Kolumbien und Mexiko). Man hofft nun, die letzten Daten bis Ende Juni der EMA vorlegen zu können. Doch die muss die Daten dann noch auswerten.

Zulassung erst ab August?

Eigentlich hatte das Unternehmen noch im April auf eine EMA-Zulassung im Mai gehofft. Die Europäische Arzneimittelbehörde muss alle Impfstoffe freigeben, bevor sie genutzt werden dürfen. Schon im zweiten Quartal sollte daher auch in Deutschland mit dem Vakzin geimpft werden. Doch mittlerweile ist es fast Mitte Juni und der Impfstoff ist noch immer nicht zugelassen. Zuletzt lag die Hoffnung auf Ende Juni, doch auch das wird fraglich. Offenbar spricht der Bundesgesundheitsminister mittlerweile von August als frühestmöglichem Zulassungs-Zeitpunkt.

Dem "Mannheimer Morgen" zufolge habe Curevac selbst seinen Zeitplan mittlerweile korrigiert, mit Verweis auf die Probleme beim Einreichen der finalen Datensätze. Immerhin: Für die Produktion dürfte dann gesorgt sein. Unter anderem will sich Curevac dafür mit Bayer zusammentun.

Curevac bleibt trotzdem wichtige Stütze im langfristigen Impfplan

Das bedeutet allerdings nicht, dass Curevac gänzlich aus der Impfstrategie fällt. Lediglich verschiebt sich alles etwas. Vorerst muss man daher wohl weiter auf die hier bereits notzugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson setzen. Die Lieferungen von AstraZeneca allerdings sollen mit der Zeit auslaufen. Aufgrund von Lieferproblemen hatte das britisch-schwedische Unternehmen die Vertragsbedingungen nicht wie geplant einhalten können.

Bis einschließlich Juni ist Curevac in den aktuellen Lieferplänen für Ärzte und Impfzentren nun nicht eingeplant. Ursprünglich hatte es bis Ende Mai geheißen, bis Ende Juni noch 1,4 Millionen Dosen zu liefern. Bis Ende September sollten es dann 9,4 Millionen sein und im vierten Quartal des Jahres 2021 dann 28,9 Millionen. Angesichts nahender Auffrischimpfungen, sogenannter Booster-Impfungen spätestens ab Herbst, wird der mRNA-Impfstoff bei gesicherter Wirksamkeit dann sicherlich eine große Rolle für die weiteren Impfungen im Kampf gegen das Coronavirus spielen. Einen großen Vorteil hat das Vakzin nämlich vor allem gegenüber den anderen mRNA-Impfstoffen: Es lässt sich auch bei Standard-Kühlschranktemperaturen für mehrere Monate lagern.

Corona-Impfstoffe im Vergleich: Das leisten die einzelnen Vakzine

Quellen: Impfquotenmonitoring des RKI, Mannheimer Morgen, dpa, Pharmazeutische Zeitung, RP Online

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