Aktualisiert: 10.06.2021 - 15:49

Das sagt die Charité Corona-Ausbrüche bei Älteren trotz Impfung? Daran liegt's!

Obwohl die Bewohner beide Corona-Impfungen bereits erhalten hatten, kam es in einigen Einrichtungen für ältere Personen zu Covid-19-Ausbrüchen. Wissenschaftler der Berliner Charité glauben nun, den Grund dafür herausgefunden zu haben.

Foto: Getty Images/ Morsa Images

Obwohl die Bewohner beide Corona-Impfungen bereits erhalten hatten, kam es in einigen Einrichtungen für ältere Personen zu Covid-19-Ausbrüchen. Wissenschaftler der Berliner Charité glauben nun, den Grund dafür herausgefunden zu haben.

Was der Grund dafür ist, dass es bei Älteren trotz Impfung zu Corona-Ausbrüchen kam und warum die Impfung der Kontaktpersonen umso wichtiger ist.

"Trotz Impfung: Corona-Ausbruch in Pflegeheim!" – Meldungen wie diese sind Wasser auf den Mühlen der Impfgegner und -skeptiker. Doch es ist wahr: Obwohl Alten- und Pflegeheime oberste Priorität hatten und der Großteil der Bewohner gegen das Coronavirus geimpft wurde, sind mehrere Fälle von Corona-Ausbrüchen in Einrichtungen für ältere Menschen bekannt – Fälle, die von Corona-Leugnern und Co gerne für die eigenen Überzeugungen instrumentalisiert werden. Jetzt haben Forscher herausgefunden, woran es liegt, dass ältere Personen trotz Corona-Impfung an Covid-19 erkranken.

Covid-19 trotz Corona-Impfung: Meistens trifft es Ältere

Die Coronavirus-Impfstoffe, über die wir derzeit verfügen, gelten als überaus effektiv. Zwar entfalten sie ihre vollständige Wirkung erst etwa zwei Wochen nach der letzten Impfdosis, ab diesem Zeitpunkt aber wähnen wir uns auf der sicheren Seite – bis wir einen Bericht über ein Pflegeheim lesen, in dem es trotz vollständiger Impfung der Bewohner zu einem Corona-Ausbruch gekommen ist. Dann fragen wir uns: Wie kann das sein?

Forscher der Berliner Charité geben jetzt eine Antwort auf diese Frage. Das Team nahm eine virologische Analyse eines SARS-CoV-2-Ausbruchs vor, der sich im Februar in einer Berliner Einrichtung zugetragen hatte. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachjournal Emerging Infectious Diseases veröffentlicht und unter anderem auf der Website der Klinik zusammengefasst.

Ausbruch in Berliner Pflegeheim – das verrät die Analyse

In einer Berliner Pflegeeinrichtung infizierten sich im Februar 31 Menschen mit dem Coronavirus. 11 davon waren Pflegekräfte ohne vollständigen Impfschutz, 16 Bewohner waren bereits vollständig mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft, vier Bewohner hatten keinen Impfschutz.

Die vier Personen ohne Impfschutz erkrankten so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Von den geimpften Personen, die erkrankt waren, zeigte nur ein Drittel Symptome wie Husten oder Atemnot. Die Charité-Forscher stellten fest, dass ihre Viruslast im Rachen geringer war als bei den Ungeimpften, außerdem ließ sich das Virus bei ihnen nur knapp 8 statt wie üblich 31 Tage lang nachweisen. Zwei der Geimpften starben später, die Forscher gehen aber nicht von einem Zusammenhang mit der Covid-19-Erkrankung aus.

Der Ausbruch zeigt, dass die Krankheitsverläufe der älteren geimpften Personen milder waren, außerdem waren sie vermutlich weniger ansteckend. Und doch erkrankten sie. Als wahrscheinlichen Grund dafür macht das Charité-Team die geringere Immunantwort der Betroffenen aus.

Das Immunsystem älterer Menschen ist weniger effizient

Dass ältere Menschen trotz Corona-Impfung erkranken können, liegt nicht etwa daran, dass die Impfstoffe mangelhaft wären. Das Phänomen der Ausbrüche in Pflege- und Altenheimen trotz Impfung ist dem Umstand geschuldet, dass das Immunsystem älterer Menschen weniger effizient arbeitet als das Immunsystem junger Menschen.

Im Zusammenhang mit der Corona-Impfung wurde auch über Gürtelrose-Fälle berichtet. Auch hier besteht eine Verbindung mit dem Immunsystem. Was es hingegen mit der – meist harmlosen – Herzmuskelentzündung auf sich hat, unter der einige junge Männer nach der Corona-Impfung litten, erfahren Sie hier.

Ältere Menschen bilden deutlich langsamer Antikörper als junge Menschen. Ein Vergleich des Forscher-Teams von den Immunreaktionen bei Patienten, die älter waren als 70, mit Patienten, die im Schnitt 34 Jahre alt waren, zeigte: Während drei Wochen nach der ersten Dosis mit dem Biontech-Impfstoff bereits 87 Prozent der Jüngeren Antikörper gegen das Coronavirus gebildet hatten, waren es bei den Über-70-Jährigen nur 31 Prozent. Einen Monat nach der zweiten Dosis hatten 99 Prozent der jungen und 91 Prozent der älteren Geimpften Antikörper im Blut. Das bedeutet: Fast bei 10 Prozent der älteren geimpften Personen besteht keine Schutzwirkung. Außerdem konnten die Antikörper der Älteren das Virus schlechter binden und auch die T-Zell-Antwort fiel schwächer aus.

Entgegen einer weitverbreiteten Annahme sagt die Stärke der Impfreaktion übrigens nichts über die Schutzwirkung der Corona-Impfung aus. Daran merkt man also nicht, ob man zu dem geringen Prozentsatz gehört, der keine Antikörper bildet.

Kontaktpersonen sollten sich unbedingt impfen lassen

Leif Erik Sander, Impfstoffforscher an der Charité und einer der leitenden Autoren der Studie, zieht das Fazit, "dass bei älteren Menschen die Immunantwort nach der Impfung deutlich verzögert ist und nicht das Niveau von jungen Impflingen erreicht". Er weist jedoch auch darauf hin, dass die Infektionszahlen in den Pflegeheimen seit Beginn der Impfkampagne drastisch gesunken sind. Es gebe aber vereinzelte Ausbrüche, bei denen ältere Menschen anfälliger zu sein scheinen als jüngere, da ein höherer Prozentsatz von ihnen keinen Immunschutz ausbildet.

Übrigens: Ältere Personen haben auch ein größeres Risiko, sich erneut mit dem Coronavirus zu infizieren.

Privatdozent Florian Kurth, der ebenfalls als leitender Autor an der Studie beteiligt ist, betont, welche Rolle Hygienemaßnahmen und Corona-Tests nach wie vor spielen. Außerdem weist er darauf hin, wie wichtig es ist, dass auch die Kontaktpersonen älterer Menschen geimpft sind, also beispielsweise Besucher und das Pflegepersonal. Das senkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Virus versehentlichen einschleppen und es zu einem Ausbruch unter älteren Personen mit einem weniger effektiven Immunsystem kommt.

Nicht nur bei älteren Menschen ist die Immunantwort verringert, auch bei übergewichtigen Menschen kann das der Fall sein:

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