07.06.2021 - 11:26

Das müssen Sie jetzt wissen Impfpriorisierung fällt weg: Ab heute kann sich jeder impfen lassen, aber...

Alle Plätze im Wartebereich nach der Impfung belegt: So wie hier im Münchner Impfzentrum sieht es derzeit überall aus. Das wird sich durch die Aufhebung der Impfpriorisierung nicht ändern. Wie kommt man jetzt schnell an einen Termin?

Foto: IMAGO / kolbert-press

Alle Plätze im Wartebereich nach der Impfung belegt: So wie hier im Münchner Impfzentrum sieht es derzeit überall aus. Das wird sich durch die Aufhebung der Impfpriorisierung nicht ändern. Wie kommt man jetzt schnell an einen Termin?

Nach Monaten des Wartens, des knappen Impfstoffs und des Vortritt-Lassens: Ab heute fällt die Impfpriorisierung weg, ab sofort kann sich jeder ab 12 Jahren in Deutschland gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 impfen lassen. Zumindest theoretisch...

Ab dem 7. Juni impfen offiziell auch die Betriebsärzte mit, ab heute dürfen Eltern für ihre Kinder ab 12 Jahren einen Impftermin vereinbaren – und generell fällt die Impfpriorisierung weg. Sprich: Jeder, der möchte, kann sich nun um einen Impftermin bemühen. Das heißt aber nicht, dass die Impfungen nun schneller vorwärts gehen. Denn der Impfstoff ist noch immer rar. Bis wann kann jeder Impfwillige mit einem Termin rechnen?

Impfpriorisierung aufgehoben – was bedeutet das nun?

Heute dürften die Telefone in den Arztpraxen und die Seiten der Impfzentren noch mehr überlastet sein als bereits in den vergangenen Wochen. Denn ab heute darf sich jeder ab 12 um einen Impftermin bemühen. Die Impfpriorisierung, die dafür sorgen sollte, dass erst die Älteren und Vorerkrankten sowie gewisse Berufsgruppen den knappen Impfstoff erhalten sollten, ist ab heute gekippt.

Doch es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass nun jeder sofort an die Reihe kommt. Denn von Impfstoffmengen, die dafür ausreichen würden, sind wir noch immer weit entfernt. Wöchentlich können zwar mittlerweile mehrere Millionen Impfdosen verabreicht werden. Doch noch immer sind nicht alle aus den erste drei Prioritätsgruppen geimpft. Auch, wenn die Impfpriorisierung nun fällt, haben die doch weiterhin Vorrang, die bereits ihre Termine haben oder noch auf der Warteliste stehen.

Wie kommt man nun an einen Impftermin, was bedeutet die Aufhebung der Priorisierungsgruppen in der Praxis überhaupt? Ein Überblick:

Was bedeutet es, dass die Impfpriorisierung nun aufgehoben ist?

Grundsätzlich darf sich nun jeder über 12 Jahren mit einem der verfügbaren Impfstoffe gegen das Coronavirus impfen lassen, wobei die Vektorimpfstoffe weiterhin für Menschen ab 60 empfohlen werden. Wer jünger ist, darf sich nach ärztlicher Rücksprache und Aufklärung dennoch mit Vaxzevria von AstraZeneca oder Janssen von Johnson & Johnson impfen lassen. Für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren ist bisher allerdings nur der mRNA-Impfstoff Comirnaty von Biontech und Pfizer zugelassen.

Jeder sollte sich vor der Terminbuchung allerdings über die Vorgaben des eigenen Bundeslandes kundig machen, denn hier kann es durchaus Abweichungen geben.

Welche Bundesländer heben die Impfpriorisierung noch nicht vollständig auf?

In den folgenden Bundesländern gibt es auch über den 7. Juni hinaus noch Einschränkungen, insbesondere in den Impfzentren. Die sollen hier vorrangig noch für Risikogruppen Termine vergeben:

Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein vergeben in den Impfzentren vorerst Termine anhand der Priorisierungsliste.

Bremen arbeitet die Priorisierungslisten in den Impfzentren erst einmal ab.

Auch im Saarland werden Personen der ersten drei Priorisierungsgruppen weiter vorrangig geimpft, Termine für Menschen aus der Priogruppe 4 sind allerdings nicht ausgeschlossen.

Wer impft ab 7. Juni?

Zu den Impfzentren und Hausärzten kommen nun auch niedergelassene Privatärztinnen und Privatärzte sowie Betriebsärztinnen und Betriebsärzte.

Bekomme ich jetzt sofort einen Impftermin?

Leider bedeutet die Aufhebung der Priorisierungen nicht, dass jetzt jeder sofort dran kommt. Mitunter kann es noch Wochen bis sogar Monate dauern, bis wirklich jeder, der sich impfen lassen möchte, auch einen Termin bekommen kann. Das liegt daran, dass der Impfstoff noch immer nur sukzessive ankommt.

Derzeit wird der wöchentlich ankommende Impfstoff außerdem vor allem für die jetzt anstehenden Zweitimpfungen benötigt, weshalb weniger Termine für Erstimpfungen vergeben werden können.

In dieser Woche stehen in Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium rund 6,7 Millionen Impfdosen zur Verfügung:

  • Die Impfzentren erhalten 1,6 Millionen Dosen Comirnaty, 480.000 Dosen Vaxzevria und 540.000 Dosen des mRNA-Impfstoffes von Moderna.
  • Die Hausarztpraxen erhalten 2,6 Millionen Comirnaty-Dosen, 304.800 Vaxzevria-Dosen und 513.600 Impfdosen des Impfstoffes Janssen, der für die Grundimmunisierung nur eine Spritze benötigt.
  • Die Betriebsärztinnen und -ärzte wiederum erhalten 702.000 Dosen Comirnaty.

Sollte ich sofort in meiner Hausarztpraxis anrufen, um einen Termin zu bekommen?

Der Ansturm auf die Arztpraxen war in den vergangenen Wochen bereits enorm hoch, nun wird mit noch mehr Nachfragen gerechnet. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), bittet im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" die Bevölkerung: "Bitte haben Sie Geduld und bedrängen Sie nicht die Ärzte und Ärztinnen und deren Teams, die medizinischen Fachangestellten." Er beschwichtigt: "Alle werden geimpft werden – und das so schnell wie möglich. Aber nicht alle auf einmal."

Sollten sofort Termine für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren gemacht werden?

Auch wenn die Ständige Impfkommission mit ihrer Empfehlung der mRNA-Impfung für die Altersgruppe 12-16 noch zögert und die Impfung voraussichtlich vorerst nicht allen Kindern in diesem Alter empfiehlt, sondern nur vorerkrankten Kindern, dürfen sich Kinder nach Rücksprache zusammen mit den Eltern und Ärzten auch ohne Vorerkrankungen impfen lassen. Doch auch hier ist der Impfstoff noch knapp. Hinzu kommt, dass für diese junge Altersgruppe bisher nur Comirnaty in Betracht kommt, weil dieser Impfstoff als einziger für jüngere Menschen zugelassen ist.

Doch Kinderärztinnen und Kinderärzte bekommen derzeit noch sehr wenige Impfdosen pro Woche. Daher spricht sich etwa Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht für gezielte Impfungen für Kinder mit Vorerkrankungen aus. Die Morgenpost zitiert sie: "Ärztinnen und Ärzte können hierbei am besten beurteilen und beraten, für wen eine Impfung am dringlichsten ist." Es sei wichtig, dass die Kinder und Eltern zusammen mit den Ärzten eine "verantwortungsbewusste und freiwillige Entscheidung" träfen.

Wie komme ich jetzt an meinen Impftermin?

Fassen wir zusammen: Auch wenn die Impfpriorisierung für die Vergabe der Termine theoretisch keine Rolle mehr spielt, wird sie das vorerst weiterhin für die Impfungen tun: Bis wirklich jeder, der möchte, seine Impftermine wahrnehmen kann, wird es noch eine ganze Zeit dauern.

Aber wie jetzt an den ersehnten Termin kommen? Anrufen beim Arzt ist schwierig, denn die Arztpraxen können auch nicht mehr Termine vergeben als Impfstoff vorhanden ist und vertrösten derzeit noch. Anmelden im Impfzentrum auf den bekannten Seiten oder Telefonnummern ist möglich – doch mit der Rückmeldung dürfte es noch dauern. Dennoch dürfte der Telefon-Trick für Impftermine in den Impfzentren hier noch immer hilfreich sein. Wer in einem Angestelltenverhältnis steht, kann bei seiner Geschäftsführung Impfmöglichkeiten erfragen, sofern noch nicht bekannt. Zudem gibt es diverse Monitoring-Seiten für bestimmte Städte oder Bundesländer, die freie Impftermine oder impfende Ärzte auflisten. Außer in den Impfzentren gilt: Wer spontan ist, hat bessere Karten. Mitunter lohnt es sich, immer mal ein Auge auf freie Termine zu haben, um spontan freigewordene Slots zu ergattern.

Übrigens: Aufgrund der Knappheit wird es auch noch dauern, bis man sich den Impfstoff tatsächlich aussuchen kann – auch wenn nun alle vier Vakzine theoretisch für alle ab 18 freigegeben sind. Wer sich lieber schneller impfen lassen will, hat jetzt mit Vaxzevria oder auch Janssen bessere Karten. Wer lieber auf mRNA-Impfstoffe warten will, muss möglicherweise noch mit einigen Wochen Wartezeit rechnen.

Ebenfalls möglich aber ist die Kreuzimpfung: Wer sich mit Vaxzevria impfen lässt und jünger als 60 ist, dürfte zur Zweitimpfung in den meisten Fällen den Arm für einen mRNA-Imfpstoff hochkrempeln. Nach bisherigen Erkenntnissen bietet diese Impfreihenfolge einen sogar noch umfassenderen Schutz.

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Bis einschließlich 6. Juni 2021 sind in Deutschland knapp 38 Millionen Menschen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. Das entspricht einem Prozentsatz von 45,7 Prozent. 21,3 Prozent der Bevölkerung haben bisher vollständigen Impfschutz erhalten – das sind etwas mehr als 17,7 Millionen Menschen.

Quellen: RKI Impfquoten-Monitoring, morgenpost.de, Neue Osnabrücker Zeitung, dpa, afp, eigene Recherche

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