Aktualisiert: 31.05.2021 - 19:01

Zuverlässig oder nicht? Verwirrung um Bürgertests: Woran merke ich, dass es richtig gemacht wird?

Bürgertests gibt es mittlerweile an gefühlt jeder Straßenecke. Doch sind die kostenlosen Corona-Schnelltests auch wirklich zuverlässig?

Foto: imago images/Ralph Peters

Bürgertests gibt es mittlerweile an gefühlt jeder Straßenecke. Doch sind die kostenlosen Corona-Schnelltests auch wirklich zuverlässig?

Die kostenlosen Corona-Schnelltests machen vieles einfacher. Doch kann man sich wirklich auf sie verlassen? Darauf sollten Sie achten.

Erinnern Sie sich daran, wie kompliziert es noch vor einem halben Jahr war, sich auf das Coronavirus testen zu lassen? Selbst bei Symptomen oder einem Risikokontakt war es schwierig bis unmöglich, einen PCR-Test zu ergattern – und auf das Ergebnis musste man mehrere Tage warten. Mit der Einführung der kostenlosen Corona-Schnelltests für alle hat sich das geändert. An gefühlt jeder Straßenecke gibt es nun ein Corona-Testzentrum. Doch wie zuverlässig sind die Bürgertests eigentlich?

Bürgertests: Wie zuverlässig sind die Corona-Schnelltests?

Dass Antigen-Schnelltests weniger zuverlässig sind als PCR-Tests, dürfte mittlerweile vermutlich den meisten bekannt sein. Der Grund dafür: Ein PCR-Test, der in einem Labor ausgewertet wird, springt bereits bei geringeren Virusmengen an als der weniger sensible Corona-Schnelltest. Dafür sind die Bürgertests quasi überall verfügbar – und kostenlos. Da nehmen die meisten die geringere Sensibilität billigend in Kauf.

Doch wer sich bereits mehrmals einem Bürgertest unterzogen und dabei vielleicht sogar schon verschiedene Teststellen getestet hat, weiß: Bürgertest ist nicht gleich Bürgertest. Die Durchführung der Tests variiert stark: Während einem ein Mitarbeiter das Wattestäbchen gefühlt bis ins Gehirn rammt, streicht ein anderer nur sanft an der Innenseite der Nase entlang. Und wenngleich die Streichel-Variante auch deutlich angenehmer ist, so können wir uns bei der Hirn-Methode zumindest sicher sein, dass der Test richtig durchgeführt wurde – oder?

Ohne Würgereiz keine Sicherheit?

Tatsächlich ist diese Frage nicht ganz einfach zu beantworten. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz: "Wenn man ohne leichten Würgereiz oder ohne eine Träne aus einem Test kommt, dann kann es kaum gut gewesen sein."

Auf der Website der WeCare Services GmbH, die unter dem Label "Schnelltest Berlin" als von der Senatsverwaltung zertifizierter Partner kostenlose Bürgertests anbietet, wirbt man hingegen mit einem "angenehmen Abstrich im vorderen Nasenbereich", der für eine "zuverlässige Auswertung des Antigen-Schnelltests" ausreiche. Was stimmt denn nun?

Schnelltests sind "idiotensicher"

Gegenüber RTL bezeichnet der Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht die Corona-Schnelltests als "idiotensicher". Wie tief das Stäbchen in die Nase oder den Rachen vordringt, ist dem Arzt zufolge kaum aussagekräftig darüber, wie gut der Test ist. Somit sei die Qualität des Bürgertests auch für den Kunden nur schwer einzuschätzen. Dennoch gilt: Ging der Abstrich "extrem schnell" und war das Stäbchen "kaum in der Nase", könne man das Ergebnis schon anzweifeln, da es möglich sei, dass nicht genügend Viren aufgenommen wurden, um ein zuverlässiges Ergebnis zu erhalten.

Ob zu Hause oder im Testzentrum: Diese Fehler können beim Corona-Schnelltest passieren!

Schlussendlich bieten eben auch Bürgertests keine 100%ige Sicherheit – nicht nur wegen der notwendigen Virenmenge, sondern auch, weil sie eben nur eine Momentaufnahme ermöglichen. Auch Virologe Christian Drosten hatte in der Vergangenheit bereits vor der beschränkten Zuverlässigkeit der Antigen-Schnelltests gewarnt. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie nun auf Selbst- und Bürgertests verzichten sollten – vielmehr sollten Sie auf dem Schirm haben, dass nach wie vor auch weitere Coronavirus-Sicherheitsmaßnahmen wie Abstand oder genügend Frischluft einzuhalten sind.

Viele testen sich zusätzlich zu den Bürgertests auch regelmäßig selbst: So funktionieren die Corona-Selbsttests! Nordrhein-Westfalen setzt außerdem auf spezielle Corona-Tests für Kinder: So funktionieren die Lolli-Tests!

Wer kontrolliert die Bürgertests?

Die Bürgertests gibt es nicht nur in Apotheken oder Arztpraxen, auch Diskotheken, Möbelhäuser oder Baumärkte bieten die Corona-Schnelltests an. Doch wenn sich gefühlt jeder die Bezeichnung Bürgertest auf die Fahnen schreiben kann – wer kontrolliert, ob die notwendigen Qualitätsstandards auch wirklich eingehalten werden? Mit der Abrechnung zumindest scheint es so manches Testzentrum nicht allzu genau zu nehmen: Gerade erst sorgten Berichte über Betrüger für Schlagzeilen. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn kündigte nun an, stichprobenartig mehr Kontrollen durchführen zu wollen.

Fest steht: Wer Bürgertests anbieten möchte, muss laut einem Bericht der Tagesschau lediglich einen Online-Kurs absolvieren, bevor er einen Antrag beim Gesundheitsamt stellt. Dieser wird meist bewilligt. Zu überprüfen, wie sorgfältig jedes einzelne Testzentrum arbeitet, gestaltet sich eher schwierig. Fürs Erste gilt bei der Testzentrum-Suche also die gleiche Empfehlung wie für jeden Arzt, Friseur oder Kosmetiker auch: Hören Sie sich um, probieren Sie verschiedene Testzentren aus, fragen Sie nach Empfehlungen und entscheiden Sie sich für eine Einrichtung, der Sie vertrauen.

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