Aktualisiert: 26.05.2021 - 17:21

RKI mahnt: Erfolg nicht überschätzen Die Inzidenzen sinken – die Vorsicht muss bleiben!

Von der Redaktion

Die Maske wird er sich, wie wir alle, noch länger aufsetzen müssen. Trotz fallender Inzidenzen warnt das RKI: Der Basisschutz muss uns weiter begleiten.

Foto: Getty Images/Pool/Auswahl

Die Maske wird er sich, wie wir alle, noch länger aufsetzen müssen. Trotz fallender Inzidenzen warnt das RKI: Der Basisschutz muss uns weiter begleiten.

Endlich. Endlich sinken die Corona-Infektionszahlen. Sollten Karl Lauterbach und Co etwa recht behalten und uns steht ein entspannter Sommer bevor? Gut möglich – doch dafür dürfen wir jetzt nicht übermütig werden, mahnt das RKI.

Die Inzidenz in Deutschland liegt derzeit in über der Hälfte der Gebiete unter 50. Zum ersten Mal seit Oktober 2020. Was bis dahin noch als kritisch galt, wird nun mit weitreichender Erleichterung aufgefasst. Doch bedeuten die derzeitigen Werte tatsächlich, dass wir aufatmen können?

Zumindest scheint sich der positive Trend derzeit fortzusetzen, doch trotz sinkender Corona-Neuinfektionen mahnt das Robert-Koch-Institut (RKI) weiter zur Vorsicht. Denn auch wenn sich ein Gefühl der Entspannung breitmacht, sind die Zahlen doch immer noch hoch. Noch immer stecken sich täglich nachgewiesenermaßen mehrere Tausend Menschen neu mit dem Coronavirus an. Noch immer sterben täglich Menschen an den Folgen ihrer Covid-19-Erkrankung. Noch immer ist viel los auf Deutschlands Intensivstationen. Das derzeitige Konstrukt steht auf wackeligen Beinen. Wenn wir jetzt nicht aufpassen, kann das Coronavirus schnell wieder an Fahrt aufnehmen. Denn da gibt es auch noch diese besorgniserregenden Varianten...

Weiter vorsichtig sein: RKI warnt vor zu starken Corona-Lockerungen

"Die Gefahr ist noch nicht gebannt", mahnte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag vor Pfingsten. Denn derzeit gibt es erste Öffnungsschritte in Deutschland. Die tun gut, keine Frage. Doch sie stehen auf fragilem Grund. "Wir dürfen nicht zu­lassen, dass das Virus wieder Oberhand gewinnt, weil wir auf einmal zu viel wollen", so Wieler.

Nach Pfingsten sieht die Lage noch einmal entspannter aus: Die Inzidenz für Gesamtdeutschland liegt bei 46,8, am 26. Mai stehen für den Vortag 2.626 Neuinfektionen auf dem Plan. 270 Menschen allerdings haben einen Tag zuvor den Kampf gegen das Virus verloren – von insgesamt fast 88.000. Davon abgesehen, dass die Inzidenzwerte aufgrund des Feiertagswochenendes niedriger sein dürften als in der Realität, sind das alles immer noch verdammt hohe Zahlen.

Hohe Impfbereitschaft und Sommer nutzen

Immerhin: Der Trend ist gut. Positiv bewertete Wieler die Impfbereitschaft, die in den vergangenen Monaten gestiegen ist. Derzeit würden sich demnach 73 Prozent der vom RKI Befragten sicher impfen lassen wollen, während zehn weitere Prozent eher zur Impfung tendieren. "Das ist sinnvoll, wirksam und verant­wortungsvoll", so Wieler. Insgesamt müsse man einen Wert von rund 80 Prozent Geimpfter und Genesener erreichen, um von einer Kontrolle über das Coronavirus sprechen zu können. Dafür müsse der Sommer nun gemeinsam genutzt werden, um die Virusausbreitung zu unterdrücken. Nur so könne man "gut durch Herbst und Winter kommen".

Dass die Impfbereitschaft nicht sinken dürfe, betont auch Christian Drosten im NDR-Podcast "Coronavirus Update", insbesondere vor dem Hintergrund der indischen Coronavirus-Variante B.1.617. Denn es zeige sich anhand erster Daten, dass zwar die erste Impfdosis kaum gegen die neue Variante reiche, der volle Impfschutz dagegen weiterhin sehr guten Schutz biete. Bevor sich die Variante also hier ausbreiten könne, müsse so schnell wie möglich geimpft werden. Noch liegt der Anteil der Variante bei rund drei Prozent in Deutschland, während die britische Mutante B.1.1.7 noch dominiert.

Basisschutz muss bleiben

Wichtig dafür blieben die Maßnahmen – von Maskentragen über Tests bis hin zum Impfen. "Diese Pande­mie ist wie ein prall gefüllter Luftballon, den wir gemeinsam unter der Wasseroberfläche halten müssen", beschreibt der RKI-Chef. Zwar habe der Ballon an Luft verloren, doch sie würde noch immer reichen, um alles zunichte zu machen. "Wenn wir ihn jetzt los­lassen, springt er immer noch unkontrolliert über die Wasseroberfläche." Das gelte es zu verhindern.

Ein Zusammenspiel muss also her: Wichtige Maßnahmen wie der "Basisschutz" mit Abstand, Maske und Hygiene sowie großflächiges Testen beibehalten, während weiter so schnell wie möglich geimpft wird. Dann können auch Öffnungsschritte her. Übermut dürfe es aber nicht geben, sagt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Klar ist: Mit sinkenden Zahlen sinkt die Bereitschaft für harte Einschränkungen. Dass alle Dämme brechen, erwartet Drosten jedenfalls nicht. Kein Problem sehe er etwa in der Außengastronomie, wenn auch dort weiter auf Abstand und auf Tests gesetzt werde. Klar muss aber auch jedem sein, dass der genannte Basisschutz gegen das Coronavirus uns noch weiter begleiten wird und das auch muss. Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Ansteckungsorte aufgedeckt: Sequenzierung erkennt Infektionswege

Derzeit gibt es laut Jens Spahn täglich rund eine Million Impfungen. Wenn das Tempo beibehalten wird und alle anderen Bedingungen, darunter auch die Ausbreitung der Varianten, mitspielen, können wir vielleicht auch schon in ein paar Wochen wie nun in Malta eine Herdenimmunität verkünden, die zumindest eine Zeit lang anhält. Es muss aber jedem klar sein: Erreichen können wir das nur gemeinsam.

Wann muss die Corona-Impfung aufgefrischt werden?

Quellen: dpa, aerzteblatt.de, RKI, NDR-Podcast "Coronavirus Update"

Hier finden Sie das Covid-19-Dashboard des RKI

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