12.05.2021 - 13:03

Mukormykose "Schwarzer Pilz" als Corona-Nebenwirkung: Häufig müssen beide Augen entfernt werden

Auch in Indien wird gegen das Coronavirus geimpft, so wie hier in Mumbai. Die dritte Corona-Welle hat das Land schwer getroffen. Jetzt stellten Ärzte fest, dass genesende Covid-19-Patienten ein erhöhtes Mukormykose-Risiko haben.

Foto: Getty Images/ Hindustan Times / Kontributor

Auch in Indien wird gegen das Coronavirus geimpft, so wie hier in Mumbai. Die dritte Corona-Welle hat das Land schwer getroffen. Jetzt stellten Ärzte fest, dass genesende Covid-19-Patienten ein erhöhtes Mukormykose-Risiko haben.

Indien kämpft derzeit erbittert gegen die dritte Welle der Coronavirus-Pandemie. Patienten leiden vermehrt unter einem seltenen Pilz.

Die dritte Welle der Coronavirus-Pandemie hat Indien fest im Griff. Immer wieder ereilen uns neue Horror-Nachrichten: Die neue Virus-Variante aus Indien bereitet einigen Experten Kopfzerbrechen, das Gesundheitssystem vermag die hohe Anzahl an Erkrankten nicht mehr zu stemmen, Verstorbene werden auf der Straße verbrannt. Jetzt haben Ärzte eine weitere besorgniserregende Beobachtung gemacht: Offenbar erleiden viele Covid-19-Patienten in Indien eine Mukormykose, auch "schwarzer Pilz" genannt. Das hat es mit der Corona-Nebenwirkung auf sich.

Mukormykosen bei Covid-19-Patienten in Indien: Was steckt hinter dem "schwarzen Pilz"?

Wie RTL berichtete, wurde in Indien ein Anstieg der Mukormykose-Fälle bei genesenen oder genesenden Covid-19-Patienten beobachtet. Die Mukormykose ist eine Pilzinfektion, die durch Pilze der Ordnung Mucorales ausgelöst wird. Mucorales sind Schimmelpilze, die sich normalerweise auf Umweltmaterialien, beispielsweise Holz, ansiedeln. Sie können jedoch auch Pflanzen, Tiere oder Menschen befallen. Als "schwarzer Pilz" wird die Mukormykose bezeichnet, da das betroffene Gewebe im weiteren Krankheitsverlauf abstirbt und sich schwarz färbt.

50 Prozent der Infektionen nehmen einen tödlichen Ausgang. Die Behandlung der Pilzinfektion mit Medikamenten ist schwierig, deshalb ist es häufig die einzige Lösung, das betroffene Gewebe zu entfernen. Da der Pilz die Schleimhäute befällt, bedeutet das nicht selten, dass der Gaumen, die Nasenhöhle oder beide Augen entfernt werden müssen.

Mukormykose: Diabetiker sind die Risikogruppe

Prädestiniert für eine Mukormykose sind Personen, deren Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise durch Diabetes oder eine HIV-Infektion. Wie der Infektiologe und Dr. Oliver Cornely gegenüber RTL berichtete, sind in Deutschland meist Leukämie- oder Transplantationspatienten betroffen. Die Infektion befällt meistens die Nasennebenhöhlen, das Gehirn oder die Lungen, doch kann auch auf andere Körperbereiche übergehen. Infektionen, die die Schleimhäute befallen, erhöhen das Risiko einer Mukormykose.

Insbesondere Diabetiker sind gefährdet: Offenbar wurde die Hälfte bis drei Viertel der Mukormykosen in Indien bei Diabetikern festgestellt. In Indien sind die Diabetes-Raten hoch: Laut einer Studie der Universitäten Harvard und Göttingen sowie des Universitätsklinikums Heidelberg aus dem Jahr 2018 leiden rund sechs Prozent aller Frauen und Männer in Indien an Diabetes.

Kortison-Steroide: Erhöhen Corona-Medikamente das Risiko zusätzlich?

Wer an Diabetes leidet, hat ohnehin ein geschwächtes Immunsystem, was das Risiko für Pilzinfektionen erhöht. Eine Covid-19-Erkrankung schwächt das Immunsystem zusätzlich. Was dann aber noch hinzukommt, ist, dass diverse Medikamente, die zur Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden, das Immunsystem weiter attackieren.

Häufig werden Kortison-Steroide eingesetzt. In schweren Fällen wird zum Beispiel Dexamethason gegeben. Ein Beispiel, das übrigens auch in leichten Verläufen hilft, wäre auch das Asthmaspray Budesonid, das schwere Covid-19-Verläufe in vielen Fällen verhindern soll. Übrigens: Darum warnen Lungenfachärzte davor, Budesonid großflächig bei Covid-19 einzusetzen.

Dexamethason und Co aber sind zwar hilfreich, setzen aber eben auch dem Immunsystem zu. Das Dilemma: Verzichtet man auf den Einsatz solcher Medikamente, verzichtet man auf ein wichtiges Hilfsmittel im Kampf gegen die Coronavirus-Infektion des Patienten – ein Kampf, der auch durch die neue Virus-Variante aus Indien nicht einfacher wird.

Während manch einer noch nie über eine Pilzinfektion klagen musste, haben andere regelmäßig damit zu kämpfen. Denn die Mukormykose ist nicht die einzige Pilzinfektion, die Menschen befallen kann: Viele Frauen leiden unter Scheidenpilz, doch auch Hautpilz oder Nagelpilz betreffen viele Menschen.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe