Aktualisiert: 07.05.2021 - 09:06

Priorisierung entfällt AstraZeneca: Die wichtigsten Fragen zu Vaxzevria geklärt

Die Impfpriorisierung wird für AstraZeneca aufgehoben – nun in ganz Deutschland. Doch was muss man über das Vakzin Vaxzevria wissen?

Foto: Getty Images/NurPhoto / Kontributor

Die Impfpriorisierung wird für AstraZeneca aufgehoben – nun in ganz Deutschland. Doch was muss man über das Vakzin Vaxzevria wissen?

Die Schlagzeilen um AstraZeneca haben einige Menschen verunsichert, doch viele wollen sich trotzdem mit dem Vektorimpfstoff impfen lassen. Damit keine Termine verfallen, sondern das Vakzin direkt an die geht, die ihn haben wollen, soll nun die Priorisierung in Deutschland für Vaxzevria aufgehoben werden. Was muss man wissen über den Impfstoff?

Einige Bundesländer hatten es bereits vorgemacht. Nun soll ganz Deutschland nachziehen: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte die sofortige Freigabe des Covid-Impfstoffs Vaxzevria von AstraZeneca für alle Impfwilligen erwirken. Somit könnte sich jeder impfen lassen – ohne Priorisierung nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe. Doch noch immer ist gerade bei diesem Impfstoff ist die Verunsicherung groß. Wir klären Fragen zum Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca.

Fragen rund um AstraZeneca: Wie wirkt Vaxzevria?

Anders als die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna ist das Vakzin von AstraZeneca kein mRNA-Impfstoff, sondern ein sogenannter Vektorimpfstoff. Der Unterschied zwischen Vektorimpfstoff und mRNA-Impfstoff liegt vor allem darin, wie die Informationen zur Herstellung eines Stücks Virushülle in die körpereigenen Zellen kommt. Bei den mRNA-Impfstoffen ist der "Bauplan" in Lipidnanopartikel gehüllt, die erst in der Zelle aufplatzen. Bei Vektorimpfstoffen wie Vaxzevria sowie auch dem Vakzin von Johnson & Johnson übernimmt diesen Teil ein für den Menschen ungefährliches Virus, ein Adenovirus, das bei Affen einen leichten Schnupfen auslöst, uns aber nichts anhaben kann. In die DNA dieser Adenoviren wurde ein kleiner Teil des Erbguts des Coronavirus integriert. Dieser Erbgutschnipsel löst eine Kette von Prozessen aus, an deren Ende die Zelle Spike-Proteine des Coronavirus selbst herstellt. Daran trainiert das Immunsystem die Abwehr der "richtigen" Viren.

Bei beiden Impfstoffarten gilt: Sobald die Immunreaktion einsetzt, werden Trägersubstanzen abgebaut bzw. Adenoviren zerstört. Auch die das Spike-Protein herstellenden Zellen werden zerstört, so dass der Körper nicht ungebremst Spike-Proteine herstellen kann. Und auch diese Proteine werden unschädlich gemacht. Keine Sorge: Zellen sterben in unserem Körper ständig – und es kommen immer wieder neue nach. Aufgrund der geringen Dosis besteht hier keinerlei Gefahr für erhöhten Zelltod.

Woher kommt die Verunsicherung bei AstraZeneca?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt, den Impfstoff von AstraZeneca in erster Linie für Über-60-Jährige einzusetzen. Grund sind mehrere Fälle von speziellen Hirnvenenthrombosen, meist in Verbindung mit einem akuten Blutplättchenmangel, einer Thrombozytopenie, bei jüngeren Personen. Trotzdem soll nun jeder mit AstraZeneca geimpft werden können – auf eigenen Wunsch und nach ausführlicher Aufklärung. "Der Einsatz des Impfstoffs liegt im ärztlichen Ermessen", heißt es offiziell.

Wichtig ist dabei zu wissen, wie sich eine solche Sinusvenenthrombose ankündigt: Hirnvenenthrombose und Symptome: So können Mediziner schnell behandeln. Mittlerweile gibt es nämlich bereits gute Behandlungsmöglichkeiten.

Woher genau diese Komplikation kommt, ist noch nicht hundertprozentig klar, jedoch vermuten Experten, dass möglicherweise die Impfstoff-Art die Hirnvenenthrombosen triggert. Einen ähnlichen Mechanismus kennt man bereits als Nebenwirkung des Blutverdünners Heparin, der bei sehr wenigen Menschen eine seltene, akute Autoimmunerkrankung auslöst, die das Blut verklumpen lässt. Aufgrunddessen konnte man allerdings wie erwähnt bereits erfolgreich Behandlungsmethoden entwickeln.

Wie hoch ist das Risiko für eine Hirnvenenthrombose bei Jüngeren?

Insgesamt geht die Europäische Arzneimittelagentur davon aus, dass solche Fälle bei einem bis zwei von 100.000 Geimpften auftreten. Das entspricht 0,001 bis 0,002 Prozent. Damit ist der Nutzen des Impfstoffs fast immer höher als das Risiko dieser sehr seltenen Nebenwirkungen. Lediglich wenn ein sehr niedriges Infektionsrisiko vorliegt, wenn jemand also fast keinen Kontakt zu anderen Menschen hat, sollten laut EMA Menschen zwischen 20 und 49 Jahren überlegen, ob die Impfung jetzt bereits sein muss. Das heißt aber nicht, dass sich die Impfung mit Vaxzevria nicht auch für sie lohnt: Eine Untersuchung der Universität Cambridge kommt zu dem Schluss: Selbst bei jüngeren Menschen ist das Risiko für eine Einweisung in die Intensivstation aufgrund einer Covid-19-Erkrankung doppelt so hoch wie das Risiko einer schweren Schädigung durch den Impfstoff.

Apropos Covid-19: Das Risiko, eine Hirnvenenthrombose während der Erkrankung selbst zu erleiden, liegt Studien zufolge etwa acht bis zehnmal höher als nach Impfstoffgabe. Damit geht die Nutzen-Risiken-Rechnung klar für den Impfstoff auf.

Was sind normale Nebenwirkungen nach einer AstraZeneca-Impfung?

Die "Nebenwirkungen", die nach einer Impfung als Zeichen einer Immunreaktion des Körpers auftreten, werden eigentlich Impfreaktion genannt. Zu ihnen zählen: Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Unwohlsein und Schüttelfrost, zuweilen auch Fieber. Diese klingen in der Regel nach einem Tag wieder ab. Wer mit vier bis 16 Tagen Abstand zur Impfung allerdings Nebenwirkungen feststellt, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Insbesondere gilt das für schleichend einsetzende, immer stärker werdende Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle bis hin zu epileptischen Anfällen und punktförmigen Einblutungen in der Haut.

Allergische Reaktionen hingegen sind bei Vaxzevria bisher nicht beobachtet worden. Solche würden, wenn, bereits kurz nach der Impfung auftreten.

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?

Was hat es mit der niedrigeren Wirksamkeit auf sich?

Menschen, die mit AstraZeneca geimpft wurden, haben ein um 76 Prozent gemindertes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Bei Biontech ist das Risiko um 95 gemindert. Trotzdem sind die 76 Prozent ein guter Wert für einen Impfstoff. Zum Vergleich: Viele Grippe-Impfstoffe haben bei Älteren oft nur eine Wirksamkeit von 50 Prozent. Vor allem aber schützt der Impfstoff vor einem Aufenthalt auf der Intensivstation: Nach Angaben einer neuen Großstudie in USA, Chile und Peru schützt AstraZeneca mit einer Wirksamkeit von 100 Prozent vor schweren Krankheitsverläufen. Sprich: Schweres Covid-19 mit Todesfolge wird verhindert!

Wen schützt die Impfung?

Vor allem schützt insbesondere die volle Impfdosis natürlich den Geimpften. Jedoch zeigen Daten, dass Geimpfte, die den vollen Impfschutz erhalten haben, auch zumindest nicht mehr ganz so ansteckend sind, sollten sie sich dennoch infizieren. Sprich: Vaxzevria reduziert Virusübertragungen. Dennoch gilt auch für Geimpfte: Weiterhin Maske tragen und Abstand halten, mindestens solange nicht der Großteil geimpft ist. Denn ganz ausgeschlossen ist es nicht, dass man sich, obwohl geimpft, infiziert und damit auch noch ansteckend ist. Man erkrankt nur eben nicht mehr schwer.

Neuer Plan: Schnellere Zweitimpfung soll kommen

Normalerweise ist für den Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung mit AstraZeneca ein Abstand von bis zu zwölf Wochen eingeplant. Das Bundesgesundheitsministerium überlegt nun, die zeitliche Flexibilität zu erhöhen. Laut Zulassungsstudien schränken Zeiträume von vier bis zwölf Wochen zwischen den Impfungen die Wirksamkeit nicht ein. Jedoch rät der Hersteller eher zu längeren Intervallen, da dabei die Wirksamkeit weiter zu steigen scheint. Dennoch könnten kürzere Impfintervalle mit Blick auf den Sommerurlaub für viele ein weiterer Anreiz sein, sich impfen zu lassen.

Zum Vergleich: Bei den mRNA-Impfstoffen ist derzeit ein Abstand von zwei bis sechs Wochen empfohlen, wobei letzteres aktuell ausgereizt wird, um möglichst viele Menschen mit der Erstdosis zu versorgen. Je mehr Menschen diese erste Dosis aber erhalten haben und je mehr Impfstoff verfügbar ist, desto besser lassen sich diese Abstände aber auch anpassen.

Fazit also: Die Impfung mit Vaxzevria von AstraZeneca schützt sehr gut vor einer schweren Erkrankung mit dem Coronavirus, womit der Nutzen die Risiken um Längen übersteigt. Risiken gibt es immer – bei allem, was wir tun. Man muss sie eben in Relation setzen – und ein wenig auf seinen Körper achten.

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