Aktualisiert: 07.05.2021 - 09:48

Erster Impfstoff ohne Priorisierung Impfung für alle: AstraZeneca freigegeben

Schlange stehen vor dem Impfzentrum oder der Arztpraxis? Das geht schon jetzt, denn die Impfreihenfolge wurde für das Vakzin von AstraZeneca gekippt.

Foto: Getty Images/bojanstory

Schlange stehen vor dem Impfzentrum oder der Arztpraxis? Das geht schon jetzt, denn die Impfreihenfolge wurde für das Vakzin von AstraZeneca gekippt.

Erst tröpfelte es dahin, jetzt geht es doch immer schneller. Während diverse Bundesländer bereits Vaxzevria, den Impfstoff von AstraZeneca, für alle Altersgruppen ab 18 freigegeben hatten, zieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jetzt nach. Bevor später alle Impfstoffe für alle freigegeben werden sollen, entfällt nun bereits deutschlandweit die Priorisierung für Vaxzevria.

In Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Berlin und schließlich Brandenburg kennt man das Szenario schon, nun soll es für ganz Deutschland folgen: Die Impfpriorisierung soll für das Vakzin von AstraZeneca bereits jetzt gekippt werden. Das heißt schon jetzt: "Impfung für alle" – zumindest für die, die den Vektorimpfstoff wollen. Wer über 18 ist und möchte, kann sich insbesondere bei Hausärzten nach einem aufklärenden Gespräch schon jetzt mit dem Imfpstoff Vaxzevria gegen das Coronavirus impfen lassen. Der Grund: Man möchte verhindern, dass Impfstoff liegen bleibt. Doch auch sonst geht es mittlerweile immer schneller.

Impfung für alle? Diese Bundesländer verteilen übrige AstraZeneca-Dosen

Bund und Länder haben es beschlossen: Die Impfreihenfolge wird für Vaxzevria, das Vakzin von AstraZeneca, in ganz Deutschland aufgehoben. Bisher konnte sich, wer in den oben genannten Bundesländern lebt, damit impfen lassen. "Das heißt, dass beim Impfen in den Arztpraxen die Ärzte entscheiden, wer jetzt wann mit dem Impfen dran ist", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin. So könne man "pragmatische Flexibilität" walten lassen.

Wichtig dabei: Die Impfärzte müssen vor allem Menschen unter 60 Jahren zuvor ausführlich beraten, vor allem zur zwar sehr seltenen, aber schweren Komplikation der Hirnvenenthrombose. Sofern aus ärztlicher Sicht also nichts dagegen spricht, kann sich nun jeder ab 18 Jahren gegen das Coronavirus impfen lassen.

Für die übrigen Impfstoffe, insbesondere die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Pfizer sowie Moderna, gilt weiterhin die bisherige Impfreihenfolge. Derzeit können sich Impfwillige aus der Prio-Gruppe 3 anmelden. Jedoch sind noch immer nicht alle aus den Gruppen 1 und 2 geimpft, so dass es hier mitunter zu langen Wartezeiten kommen kann. Diese Lücke soll die Freigabe von AstraZeneca für alle schließen. Auch der Vektorimpfstoff schützt gut vor einer Erkrankung und verhindert nach bisherigen Erkenntnissen alle schweren Erkrankungen und vor allem Todesfälle durch Covid-19. Mehr dazu: AstraZeneca: Die wichtigsten Fragen zu Vaxzevria geklärt!

Zweitimpfung vorziehen? Mitunter möglich

Und noch eine Neuerung gibt es: Die Zweitimpfung, derzeit bei AstraZeneca nach zwölf Wochen angesetzt, soll nach Ermessen der Impfärzte ebenfalls verkürzt werden können, allerdings nicht auf kürzer als vier Wochen. In den Studien zur Zulassung ist von einem möglichen Impfintervall von vier bis zwölf Wochen die Rede, dieser Zeitraum kann je nach Arztermessen ausgeschöpft werden. Es gilt aber: Ein längeres Intervall scheint der Studienlage zufolge besser zu schützen.

Bei den mRNA-Impfstoffen liegt das Impfintervall zwischen zwei und sechs Wochen. Für den Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson ist nur eine Spritze notwendig.

Impfangebot für Jugendliche bis Ende August

Bisher sind mit Ausnahme von Comirnaty (Biontech/Pfizer, Zulassung ab 16) alle Impfstoffe erst für Menschen ab 18 zugelassen. Das soll sich bald ändern, denn die laufenden Studien zeigen sich erfolgreich. Entsprechend möchte der Gesundheitsminister den zwölf- bis 18-Jährigen bis Ende August ein Impfangebot machen. Bund und Länder haben sich darauf bereits geeinigt. Dazu sollen die Bundesländer bis Ende Mai ein Konzent erarbeiten. Die Zulassung des Impfstoffes Comirnaty ab 12 ist für Juni geplant.

Dennoch: Bis alle Impfwilligen geimpft sind, wird es dauern

Klar muss allerdings sein: Selbst wenn die Priorisierung nun teilweise aufgehoben ist und mit jedem Tag mehr Menschen geimpft werden können, wird nicht jeder in den kommenden Wochen den ersehnten Piks erhalten. Ab Juni sollen aber auch Betriebsärzte mit in die Impfungen einsteigen. Es ist nun also nur noch abhängig von der gelieferten Impfstoffmenge – und dem Impfwillen der Bürgerinnen und Bürger. Die Impfbereitschaft war Umfragen zufolge (DeutschlandTrend, ARD) zuletzt aber gestiegen: 79 Prozent der Befragten wollen sich auf jeden Fall impfen lassen oder haben die Impfung bereits erhalten. Nur sieben Prozent lehnen sie völlig ab.

Bedenken Sie bitte auch: Der volle Impfschutz muss sich erst aufbauen. In den Fällen Vaxzevria, Comirnaty (Biontech/Pfizer) und dem Impfstoff von Moderna sind dafür zwei Impfdosen in zeitlichen Abständen von mehreren Wochen notwendig. Derzeit geht man davon aus, dass der volle Impfschutz rund 15 Tage nach Gabe der zweiten Impfdosis aufgebaut ist. Wer mit Johnson & Johnson geimpft wird, kann mit vollem Impfschutz 28 Tage nach der Spritze rechnen.

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