Aktualisiert: 22.04.2021 - 17:49

Bei Kaffee, Frühstücksflocken und Co ebenfalls "Spargelpipi": Darum nimmt unser Urin bestimmte Gerüche an

Warum riecht der Urin nach dem Genuss der leckeren Stangen eigentlich so merkwürdig – zumindest bei manchen? Wir gehen dem Phänomen Spargelpipi auf den Grund.

Foto: Getty Images/Rike_; Canva.com [M]

Warum riecht der Urin nach dem Genuss der leckeren Stangen eigentlich so merkwürdig – zumindest bei manchen? Wir gehen dem Phänomen Spargelpipi auf den Grund.

Die Spargelsaison ist da – und mit ihr ein Phänomen, das Menschen seit jeher verblüfft: "Oh, Spargelpipi!" hört man es immer mal durch Toilettenkabinen im Restaurant schallen. Dabei ist Spargel nicht das einzige Lebensmittel, das sich olfaktorisch über unseren Urin bemerkbar macht...

Waren Sie schon einmal zur Spargelzeit in einem Restaurant und haben nach dem sättigenden Mahl die Örtlichkeiten aufgesucht? Dann dürfte Ihnen ein ganz charakteristischer Geruch entgegengeschlagen sein – sofern Sie zu denjenigen gehören, die ihn wahrnehmen können. Vielleicht gehören Sie auch selbst zu den "Auserwählten", die die Stangen nach ihrem Genuss in diesen besonderen "Duft" umwandeln können. Spargelpipi ist nämlich genetisch bedingt – es kommt auf ein ganz bestimmtes Enzym an, und das hat nicht jeder.

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Spargelpipi: Ein Enzym ist "schuld"

Jeden Zweiten trifft's Schätzungen zufolge beim Toilettengang nach Spargelkonsum – und zwar blitzschnell: Schon nach rund 15 Minuten kann der Urin nach dem Essen von Spargel "duften". Das liegt an einem bestimmten Enzym, das die im Spargel enthaltene Asparagusinsäure spaltet und sie in schwefelhaltige Abbauprodukte wie S-Methyl-thioacrylat umwandelt – und deren Abbauprodukte wiederum, naja, sind sehr geruchsintensiv, wie das bei Schwefelverbindungen eben so ist. Und das Vorhandensein dieses Enzyms ist genetisch bedingt.

Ob nun weißer oder grüner Spargel, ist übrigens egal. In beiden ist die Asparagusinsäure vorhanden. Welches Enzym genau verantwortlich ist, wissen Forschende übrigens noch nicht. Interessant: Asparagusinsäure ähnelt den chemischen Verbindungen im Sekret von Stinktieren – erklärt einiges.

Exkurs: Was ist ein Enzym?

Enzyme haben wir alle: Das sind Eiweißmoleküle, die dafür da sind, um chemische Prozesse im Körper auszulösen, zu beschleunigen und zu lenken. Ohne Enzyme würde vieles im Körper schlicht nicht funktionieren. Lactase beispielsweise ist so ein Enzym, das manchen Menschen fehlt. Deren Darm ist dann nicht in der Lage, Milchzucker aus Milch und Milchprodukten aufzuspalten, also zu verdauen – was zu Verdauungsproblemen wie Bauchschmerzen führt.

So schlimm ist es zum Glück nicht, wenn das Enzym zur Spaltung von Asparagusinsäure fehlt – im Gegenteil. Wird die Säure nicht gespalten, äußert sich das einzig darin, dass der Urin eben nach dem Spargelessen nicht riecht.

Mancher kann Spargelpipi gar nicht erst riechen

Nun gibt es aber neben den Leuten, deren Urin nach dem Spargelkonsum riecht und denen, deren Urin aufgrund des fehlenden Enzyms nicht riecht, noch eine weitere Gruppe, die zwischen beiden ersteren steht und sich mit diesen überschneidet: Die, die den Spargelurin gar nicht wahrnehmen können. Auch das ist wieder genetisch bedingt: Bei ihnen hat sich im Laufe der Evolution ein Gen eines Geruchsrezeptors so verändert, dass sie den speziellen Geruch von Spargelpipi nicht erkennen. Anosmie nennt man das dann, ein selektives Nicht-Riechen.

Auch andere Lebensmittel können den Uringeruch beeinflussen

Uringeruch kann jede Menge über uns aussagen. Zum Beispiel eben über das, was wir gerade gegessen oder getrunken haben. Ähnlich wie beim Spargel kann unser flüssiges Ausscheideprodukt bei manchen Menschen nämlich nach einer Tasse Kaffee einen charakteristischen Kaffee-Geruch annehmen, während der Toilettengang nach dem Konsum gewisser aufgepoppter Frühstückscerealien eines bekannten Herstellers ebenfalls sehr speziell duftet.

Bei manchen Gerüchen sollten Sie allerdings hellhörig werden: Süßer Uringeruch (ganz unabhängig vom Konsum der oben genannten Frühstückscerealien) zum Beispiel weist auf eine Diabetes-Erkrankung hin, während ein nach Ammoniak riechender Urin auf eine Harnwegsinfektion hindeuten kann.

Auch interessant: Das sagt die Urinfarbe über Ihre Gesundheit

Spargelpipi loswerden: Nur ein Trick hilft

Man kann sich ja an alles gewöhnen, aber strenger Spargelurin kann durchaus unangenehm sein. Einen Trick gibt es, wie Sie ihn zumindest halbwegs loswerden: schon beim Essen viel trinken. Denn so wird der Urin einerseits verdünnt und der Körper wird schnell durchgespült. Bei starkem "Kaffee-Pipi" ist das beispielsweise immer eine gute Idee. Riecht der Urin nach dem Kaffeekonsum nämlich besonders stark, ist das ein Zeichen dafür, dass Sie zu wenig Wasser getrunken haben.

Übrigens: Die durchaus gängige Meinung, Spargel wirke "entschlackend" und der Geruch sei ein Anzeichen dafür, lässt sich hiermit widerlegen. Denn das, was nach dem Spargelkonsum im Urin riecht, sind lediglich die Abbauprodukte dessen, das durch den Spargel erst aufgenommen wird.

Spargel ist gesund – und einzigartig im Geschmack

Dennoch: Spargelpipi ist harmlos – Spargel selbst dagegen mit seinen vielen Ballaststoffen, Vitaminen, Eisen und Calcium sehr gesund. Wussten Sie, dass Spargel sogar gegen Verstopfung helfen kann? Und Herz und Kreislauf danken Ihnen den Verzehr auch.

Zudem ist der Geschmack einzigartig – eine "perfekte Mischung aller fünf Geschmacksrichtungen" nennt es Dr. Corinna Dawid, Lebensmittelchemikerin an der Technischen Universität München, im Gespräch mit der Apotheken-Umschau.

Keine Angst vor Spargelpipi – dagegen nun Appetit bekommen? Hier lesen Sie 11 Tipps und Tricks rund um Spargel und seine Zubereitung, sowie Tricks zum einfachen Spargelschälen. Dann kann's auch schon losgehen, etwa mit dem Klassiker: Weißer Spargel mit Sauce hollandaise!

Grünen Spargel müssen Sie übrigens nicht schälen! Damit ist er blitzschnell zubereitet. Einfach kurz abwaschen, trockene Enden abschneiden und schon geht's mit dem grünen Spargel in den Speckmantel und ab auf den Grill! Mehr Ideen gesucht? Schauen Sie in unsere Galerie:

Noch mehr leckere Spargelrezepte finden Sie auf unserer Themenseite zum liebsten Saisongemüse der Deutschen.

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Quellen: tk.de, Chemieunterricht.de, apotheken-umschau.de

Studien:

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