Aktualisiert: 21.04.2021 - 16:46

Gehirnentzündung, Borreliose und Co Saison gestartet: Wird 2021 ein "Zeckenjahr"?

Sie lauern wieder – und zwar immer früher: Experten rechnen für 2021 mit einem erneuten "Zeckenjahr".

Foto: Getty Images/ArtBoyMB

Sie lauern wieder – und zwar immer früher: Experten rechnen für 2021 mit einem erneuten "Zeckenjahr".

Forscher warnen: Nach dem Rekordjahr 2020 könnte 2021 in Sachen Zecken noch schlimmer ausfallen. Denn die kleinen Krabbeltiere sind in diesem Jahr schon sehr früh sehr aktiv. Experten erkennen einen Trend.

Immer früher aktiv – und immer länger: Die Zeckensaison 2021 könnte noch stärker ausfallen als die im Rekordjahr 2020. Denn schon seit Februar zeigt sich eine selbst für Experten überraschend hohe Aktivität unter den Tierchen. Und die dauert immer länger an, wie Werte aus den Vorjahren zeigen. Zusätzlich gibt es ein weiteres Problem: die Corona-Pandemie.

Zeckensaison 2021: schon längst gestartet

Aktiv sind Zecken mittlerweile schon das ganze Jahr über – darauf weist etwa die Zeckenforscherin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hin. Früher habe es einmal eine Art Winterruhe von Ende November bis Ende Februar gegeben. Denn unter 7 °C fallen Zecken in Winterstarre. Sobald die Temperatur aber wieder steigt, krabbeln sie wieder. "Weil unsere Winter aber deutlich wärmer werden, müssen wir uns daran gewöhnen, dass sie das ganze Jahr über aktiv sind." Und offenbar aktiver denn je.

"Das ist wirklich unglaublich, dass die jetzt schon so aktiv sind. Das ist sehr früh im Jahr", sagt etwa Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, auch bekannt als der "Zeckenpapst" Deutschlands, gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR). "Das kann durchaus darauf hindeuten, dass die Zeckensaison jetzt bald richtig in vollen Gang kommt. Das wird ein interessantes Zeckenjahr werden!", so der Zeckenforscher. Auch er führt das auf die zu warmen Winter zurück. Mehr dazu: Zecken im Winter: Auch jetzt lauert die Gefahr im Gras.

Mehr Zeckenarten, mehr Krankheiten

Problematisch sei dabei auch die vermehrte Ausbreitung von Zeckenarten, die früher hier gar nicht heimisch waren, etwa die Hyalomma-Zecke, die auch das gefährliche Fleckfieber übertragen kann. Bestimmte Arten suchen als Folge klimatischer Veränderungen schon früh im Jahr nach Wirten. Ist ein Wirt gefunden, sticht die Zecke zu – richtig, man spricht nicht von einem Zeckenbiss, sondern von einem Zeckenstich! Einmal zugeschlagen, bleibt die Zecke haften und saugt sich über Stunden bis Tage voll. Je länger sie am Körper hängt, desto höher ist die Gefahr dafür, dass in ihr verweilende Krankheitserreger auf den Wirt übergehen.

Experten rechnen mit erneut hohen FSME-Zahlen

Viele Zecken, das bedeutet entsprechend leider auch viele Infektionen mit den von Zecken übertragenen Erregern. Besonders gefürchtet neben der bakteriell ausgelösten Borreliose ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine durch Viren ausgelöste Gehirnentzündung, die dramatisch enden kann.

Mit bundesweit etwa 540 FSME-Fällen rechnen Experten für 2021. Doch die Zahlen könnten noch höher steigen, erklärt Franz Rubel vom Wiener Institut für Öffentliches Veterinärwesen gegenüber der Tagesschau: "Wir brauchen da noch etwa zehn Prozent Corona-Aufschlag", so seine Prognose. Der Grund: Aufgrund der Pandemie sind Freizeitangebote eingeschränkt, zudem ist die Ansteckungsgefahr mit Sars-CoV-2 im Freien viel geringerer als in Innenräumen. Menschen würden sich daher häufiger im Freien aufhalten. Dies spielte bereits 2020 in die Zeckensaison mit hinein.

2020 hatte es 704 FSME-Erkrankungen in Deutschland gegeben, berichtet das Robert Koch-Institut im Zeckenbericht für 2020. Das war der höchste Wert seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001.

Neue Riskokgebiete hinzugekommen

Gegen FSME gibt es eine Impfung, die insbesondere Menschen in den vom RKI ausgewiesenen Risikogebieten nutzen sollten. Sie schützt bis zu drei Jahre vor der Erkrankung. Die Borreliose wiederum lässt sich nicht durch eine Impfung verhindern, kann aber mit Antibiotika behandelt werden. Je früher sie erkannt wird, desto besser.

Während die Borreliose in allen Gegenden vorkommen kann, sind FSME-Infektionen besonders in bestimmten Gebieten mit sehr hohem Zeckenaufkommen eine Gefahr. Insgesamt 169 Kreise in Deutschland sind bisher als Zecken-Risikogebiete definiert. Besonders Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, das südöstliche Thüringen und Sachsen sind als riskant eingestuft. Regionen mit hohem Risiko gibt es aber auch in Mittelhessen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und im Saarland. Im März fügte das Epidemiologische Bulletin fünf weitere Gebiete hinzu: Dessau-Roßlau ist demnach das erste Risikogebiet in Sachsen-Anhalt. Auch die Landkreise Dillingen an der Donau, Fulda, Mittelsachsen und das Weimarer Land kamen 2021 neu hinzu.

So schützen Sie sich am besten gegen Zecken

Wenn es die Menschen nun also wieder vermehrt nach draußen treibt, gewinnt auch der Zeckenschutz wieder an Bedeutung. Und der heißt neben FSME-Impfung – die im besten Fall bereits in den Wintermonaten erfolgt ist, aber auch kurzfristig nach ärztlicher Absprache möglich ist – vor allem: Am besten lange, nicht zu eng anliegende Kleidung tragen, insbesondere auf geschlossene Hosenbeine achten – etwa die Hose in die Socken stecken. Auf heller Kleidung lassen sich Krabbeltiere schneller entdecken. Meiden Sie am besten gleich hohes Gras, Gebüsch oder Unterholz. Auch manches Zeckenspray kann helfen, die Blutsauger eine Zeit lang fernzuhalten, jedoch ist nichts zuverlässiger als die richtige Kleidung. Und nach dem Aufenthalt im Freien: Körper gründlichst absuchen!

Wie Sie Zecken richtig entfernen, sehen Sie im Video:

Zecken richtig entfernen: So geht’s!
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Hier gibt's mehr Hausmittel gegen Zecken.

Hier finden Sie die Karte der FSME-Risikogebiete, bereitgestellt durch das RKI.

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