Aktualisiert: 07.06.2021 - 12:07

Vormals: "Indische Variante" Coronavirus: Delta-Variante soll 40 Prozent ansteckender sein

Laut dem britischen Gesundheitsminister Matt Hancock ist die Delta-Variante des Coronavirus 40 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante. Eventuell müssen die Lockerungen in Großbritannien wegen ihr noch einmal nach hinten verschoben werden.

Foto: imago images/ZUMA Wire

Laut dem britischen Gesundheitsminister Matt Hancock ist die Delta-Variante des Coronavirus 40 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante. Eventuell müssen die Lockerungen in Großbritannien wegen ihr noch einmal nach hinten verschoben werden.

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Großbritannien aus. Sie soll 40 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante sein.

Während uns Nachrichten über Mutationen des Coronavirus vor einigen Monaten noch besorgten und verunsicherten, nehmen wir sie mittlerweile beinahe mit einem Schulterzucken hin. Viren mutieren – und das Coronavirus ist da keine Ausnahme. Es wird weiter mutieren, mindestens bis weltweit ausreichend Menschen geimpft sind.

Im Moment stehen mehrere Corona-Varianten unter Beobachtung, unter anderem die Beta-Variante (ehemals: Südafrika-Variante) und die Gamma-Variante (ehemals: Brasilien-Variante). Außerdem scheint sich ein uns bereits bekanntes Szenario zu wiederholen: Während die Alpha-Variante, die erstmals in England aufgetreten war und sich dann weiter verbreitete, in Deutschland mittlerweile den Wildtyp des Virus verdrängt hat, kämpft Großbritannien derzeit bereits gegen die Delta-Variante (ehemals bekannt als die Corona-Variante aus Indien). Die Delta-Variante des Coronavirus soll um 40 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante sein.

Neue Coronavirus-Varianten: Sind die Mutationen gefährlich?
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Coronavirus: Delta-Variante breitet sich in Großbritannien aus

Bereits im April meldete Großbritannien, die Herdenimmunität gegen das Coronavirus erreicht zu haben. Am 21. Juni sollten sämtliche Corona-Maßnahmen gelockert werden. Doch nun sieht es so aus, als könnte die Delta-Variante den Lockerungsplänen der Briten einen Strich durch die Rechnung machen. Es ist möglich, dass diese noch einmal verschoben werden.

Wie der Spiegel berichtete, verzeichnete Großbritannien zuletzt einen erneuten Anstieg der Neuinfektionen. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen blieb jedoch stabil, die meisten, die an Covid-19 erkrankten, hatten ihre Impfung gegen das Coronavirus noch nicht erhalten.

Es ist möglich, dass der Anstieg der Neuinfektionen auf die Delta-Variante zurückzuführen ist. Diese soll laut dem britischen Gesundheitsministerium 40 Prozent ansteckender sein als die Alpha-Variante (ehemals: britische Variante), die ohnehin bereits ansteckender ist als der Wildtyp des Coronavirus. Aufgrund der zunehmenden Ausbreitung der Delta-Variante gilt Großbritannien derzeit als Virusvariantengebiet, wer von dort aus nach Deutschland einreist, muss für zwei Wochen in Quarantäne.

Noch herrscht in Deutschland die Alpha-Variante vor: Laut Robert-Koch-Institut macht sie 93 Prozent aller Corona-Fälle aus. Die Delta-Variante wurde bei zwei Prozent der Fälle nachgewiesen.

Mehr über die neuen Namen der Virusvarianten lesen Sie hier.

Corona-Variante B.1.617 mitverantwortlich für Corona-Katastrophe in Indien

In Indien war die Kurve der Neuinfektionen mit dem Coronavirus von März bis Mai stark angestiegen. Während es laut Johns-Hopkins-Universität am 19. Februar noch knapp 14.000 neue Fälle pro Tag gab, erreichte die Kurve am 8. Mai mit 414.188 neuen Fällen ihren Höhepunkt. Derzeit sind es immer noch über 100.000 neue Fälle täglich. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, vor allem in der Hauptstadt Neu-Delhi war die Lage mehr als ernst. Laut einem Spiegel-Bericht waren Medikamente, Sauerstoff und Krankenhausbetten knapp, die Corona-Toten wurden provisorisch auf einem Parkplatz verbrannt und eingeäschert.

Wissenschaftler machten die Virusvariante B.1.617, die Delta-Variante, mitverantwortlich für den Anstieg der Infektionszahlen. Die Delta-Variante wird derzeit von Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Robert-Koch-Institut (RKI) beobachtet, sie gilt mittlerweile als "Variant of Concern", also als Variante, die mit Sorge beobachtet wird. Noch im April wurde sie von der Weltgesundheitsorganisation als "Variant of Interest" eingestuft, also als Variante, die mit Interesse beobachtet wird.

Meldungen wie diese mögen erst einmal so wirken, als würde die Pandemie nie ein Ende finden. Doch selbst, wenn der Schutz der Impfung gegenüber einigen Coronavirus-Varianten verringert ist, so ist das wohl kein Weltuntergang: Impfstoffe lassen sich an neue Mutationen anpassen. Teilweise sind diese Anpassungen bereits erfolgt: Der Hersteller Moderna hat seinen Covid-19-Impfstoff bereits angepasst.

Trotz allem ist die Pandemie noch nicht vorbei: Experten warnen vor einer vierten Corona-Welle im Herbst.

So berichtete BILD der FRAU Online in der Vergangenheit über die Delta-Variante:

Christian Drosten: "Nichts, was einen wirklich groß beunruhigt"

Wie gefährlich ist die Virusvariante aus Indien wirklich? Virologe Christian Drosten gibt sich gelassen. Er sieht in B.1.617 vorerst keinen Grund zur Beunruhigung.

In seinem Podcast "Coronavirus-Update" von NDR-Info sagt er, dass es vermutlich nicht die Variante B.1.617 allein sei, die für die heftige dritte Welle in Indien verantwortlich ist. Stattdessen gäbe es dort "mehr eine bunt gemischte Virus-Population". Auch die Variante B.1.1.7, die mittlerweile in Deutschland vorherrscht, ist dort stark vertreten.

Weiterhin träfe das Virus nun auf eine Bevölkerung, deren Anfangsimmunität aus den bisherigen Wellen schon wieder ein bisschen abnimmt. Die indische Variante sei verbreitungsfähiger und robuster gegen die Immunität, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die Menschen durch sie auch schwerer erkranken, es werden lediglich noch mehr Leute gleichzeitig infiziert. Weiterhin sei die Grundgesundheit in Indien weniger gut als beispielsweise in Deutschland.

Im Vergleich mit anderen Coronavirus-Varianten seien die Merkmale der neuen Mutante aber "nichts, was einen wirklich groß beunruhigt". Deshalb hält der Virologe die indische Variante für "in der Medienbewertung überschätzt" – zumindest aktuell. Dass sich das ändern kann, schließt Christian Drosten nicht aus: "Es kann sein, dass in zwei Monaten sich herausstellt, dass doch irgendwas ist mit diesem Virus."

Ist die Mutante aus Indien ansteckender?

In einer Pressemitteilung vom 16. April bezeichnet die WHO-Wissenschaftlerin Maria Van Kerkhove B.1.617 als "Variant of Interest", also eine Variante, die die Forscher mit Interesse beobachten. Die Virus-Varianten aus Großbritannien, Brasilien und Südafrika werden hingegen als "Variants of Concern" eingestuft, also als Varianten, die mit Sorge beobachtet werden. Der Grund dafür, dass B.1.617 einigen Wissenschaftlern Sorgen bereitet, obwohl sie noch nicht als besorgniserregende Variante eingestuft wird, wird in der Pressemitteilung erklärt:

B.1.617 weist gleich zwei Mutationen auf, genau wie einige andere der neuen Virus-Varianten. Bei diesen führen die Veränderungen im Genom des Virus bewiesenermaßen sowohl zu einer erhöhten Übertragbarkeit als auch zu einer reduzierten Neutralisierbarkeit. Das bedeutet: Das Virus ist nicht nur ansteckender, es besteht auch die Gefahr, dass sich Genesene erneut infizieren können – und dass die Impfstoffe, die wir bisher haben, weniger gut dagegen wirken.

Ob das bei der indischen Variante ebenfalls der Fall ist, muss noch erforscht werden. Erst, wenn darüber gesicherte Erkenntnisse vorliegen, könnte sie ebenfalls als "Variant of Concern" eingestuft werden. Wie n-tv bereits berichtete, ist laut dem indischen Gesundheitsministerium aber noch nicht bewiesen, dass die indische Variante ansteckender ist als der Wildtyp.

Internationale Hilfslieferungen angekündigt

Während Charité-Virologe Christian Drosten die Virus-Variante aus Indien nicht als besorgniserregend einstuft, sieht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die neue Mutante kritischer.

Auf Twitter spricht er von einer "Covid-Katastrophe", die sich in Indien anbahne. Die neue Corona-Variante setze sich auch gegen die Variante B.1.1.7 aus Großbritannien durch, die in Deutschland derzeit vorherrscht, weiterhin könne sie den Impfschutz aushebeln. Konkret bedeute das: "Auch auf Europa kommt ein Problem zu." In Anbetracht der sich rasch ausbreitenden Mutanten nimmt er in einem weiteren Tweet Industrieländer in die "Pflicht, auch ärmere Länder schnellstens mit Impfstoff zu versorgen".

Tatsächlich hat die internationale Hilfe für Indien bereits begonnen. Großbritannien lieferte dem Außenministerium in Neu-Delhi zufolge bereits hundert Beatmungsgeräte und 95 Sauerstoffkonzentratoren. Die USA, Kanada und die WHO haben ebenfalls Lieferungen angekündigt. Unter anderem möchte die USA bis zu 60 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca liefern, der in den USA nicht zugelassen ist. Auch die EU-Kommission will Indien über den EU-Katastrophenschutz Sauerstoff, Medikamente und Ausrüstung zukommen lassen.

Einreiseverbote über Indien verhängt

Verschiedene Länder haben Einreiseverbote über Indien verhängt, darunter Großbritannien, Kanada, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. Deutschland zog Anfang dieser Woche nach. Die Einreise ist nun nur noch in Ausnahmefällen und unter Beachtung strenger Sicherheitsmaßnahmen erlaubt.

Nach Angaben der WHO wurde die Corona-Variante aus Indien bereits in 17 Ländern nachgewiesen. Neben Indien stammen die meisten Nachweise aus Großbritannien, den USA und Singapur. In Deutschland wurden laut ZDF bisher 22 Fälle nachgewiesen.

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