Aktualisiert: 20.04.2021 - 15:45

Was genau sind Wirkverstärker? Inhaltsstoffe: Das steckt in den Corona-Impfstoffen

Was steckt da eigentlich alles drin? Aluminium? Quecksilber? Hier können wir Sie beruhigen: DAS sind die Inhaltsstoffe der Covid-Vakzine.

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Was steckt da eigentlich alles drin? Aluminium? Quecksilber? Hier können wir Sie beruhigen: DAS sind die Inhaltsstoffe der Covid-Vakzine.

Was genau bekommt man da eigentlich gespritzt, wenn man sich gegen das Coronavirus impfen lässt – und unterscheidet sich das von anderen Impfstoffen?

Impfstoffe sind für viele ein Mysterium – wie auch nicht. Zwar erhält man, ähnlich wie bei Medikamenten, im Falle der Corona-Impfung eine Art "Beipackzettel" – anders als bei vielen anderen Impfungen. Doch wer nicht vom Fach ist, versteht auch hier nicht unbedingt, was genau da drin steckt. Die Impfstoff-Hersteller müssen die Zusammensetzung ihrer Corona-Impfstoffe dennoch immer veröffentlichen, sie sind für jeden einsehbar. Wir erklären, was es mit den Inhaltsstoffen auf sich hat.

Zusammensetzung von Corona-Impfstoffen: Inhaltsliste schon vor Zulassung bekannt

Ein Buch mit sieben Siegeln sind die Impfstoffe nicht. So haben alle Impfstoff-Hersteller bereits vor der Notzulassung ihres Impfstoffes die Liste der Inhaltsstoffe veröffentlicht. Das müssen sie aus gesetzlichen Gründen, um die Gesundheit der Impfwilligen zu schützen. Schließlich kann es zum Beispiel sein, dass jemand auf einen bestimmten Inhaltsstoff allergisch reagiert. So etwas müssen impfende Ärztinnen und Ärzte vorher einschätzen können.

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es
Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

Der wichtigste Inhaltsstoff: Entweder mRNA oder Virus-DNA in Trägervirus

Bei dem Inhaltsstoff, wegen dem wir uns überhaupt impfen lassen, unterscheiden sich die bislang hier zugelassenen Vakzin-Arten: Während Biontech/Pfizer sowie Moderna mRNA nutzen, nutzt AstraZeneca ein sogenanntes Vektorvirus, ein harmloses Adenovirus, das mit der DNA des Spike-Proteins vom Coronavirus versetzt ist.

So setzt sich eine Impfdosis Comirnaty zusammen

Wirkstoff 30 Mikrogramm mRNA: die messenger-Ribonukleinsäure oder Boten-RNA ist eine Art Bauplan, die die genetische Information des Spike-Proteins des Coronavirus Sars-CoV-2 in unseren Körper trägt. Unser Körper kann anhand dieser Bauanleitung erkennen, welche Schutzmechanismen er gegen das Coronavirus entwickeln muss – und macht dann genau das.

Trägersubstanz – vier Lipide: mRNA muss allerdings umhüllt werden, damit sie die Körperzellen passieren kann, in denen sie schließlich wirken soll. Dazu werden etwa 100 Nanometer große Lipidkügelchen, quasi Fettkügelchen genutzt. Zum Einsatz kommen

  • 0,43 Milligramm (4-hidroxibutilo) (azanediol) bis (hexano-6,1-diol) bis (ALC-0315),
  • 0,05 Milligramm 2 (Polyethylenglykol)-2000]-N,N-ditetradecylacetamid (ALC-0159)
  • 0,09 Milligramm 1,2-Distearoyl-sn-Glycero-3-Phosphocholin (DPSC)
  • 0,2 Milligramm Cholesterol

Wichtig ist diese Angabe besonders für Allergiker. Denn die Lipide sind die Substanzen, die am ehesten allergische Reaktionen auslösen können. Bis auf das natürliche Cholesterol sind die drei anderen künstlich hergestellt und kommen auch bereits in anderen medizinischen und kosmetischen Produkten vor. Bekannt ist hier vor allem das Polyethylenglykol. Wer also bereits auf Kosmetika allergisch reagiert hat, sollte dies vor der Impfung auf jeden Fall anmerken. Für Nichtallergiker ist der Stoff in dieser geringen Konzentration aber unbedenklich.

Salze/Säurestabilisatoren: Comirnaty enthält vier Salze, die auch in unserem Körper vorkommen und die den Säuregehalt regulieren sollen:

  • 0,01 Milligramm Kaliumchlorid
  • 0,01 Milligramm monobasisches Kaliumphosphat
  • 0,36 Milligramm Natriumchlorid (Kochsalzlösung)
  • 0,07 Milligramm zweibasiges Natriumphosphat-Dihydrat

Zucker – als Schutz gegen Gefrierschäden: Da der Impfstoff Comirnaty nur sehr tief gekühlt transportiert werden kann, um lange stabil zu bleiben, braucht es einen Schutz vor Gefrierschäden. Dazu kommen pro Impfdosis sechs Milligramm Saccharose zum Einsatz. Das ist nichts anderes als Haushaltszucker.

Was Comirnaty NICHT beinhaltet:

Quecksilber bzw. Konservierungsstoffe: Mittel zum Konservieren kommen in Impfstoffen oft vor, etwa das Bakterien abtötende, Quecksilberverbindungen enthaltende Mittel Thiomersal. Eingesetzt wurde der als unbedenklich eingestufte Konservierungsstoff etwa im Masern-Impfstoff und gilt unter Impfgegnern bis heute als verdächtig, Autismus auszulösen. Die eine Studie, die diesen Zusammenhang gestellt hatte, ist bereits vor Jahren als gefälscht entlarvt worden und wurde mit vielen neuen Studien negiert. Dennoch wird das Konservierungsmittel immer weniger genutzt. In Comirnaty sind keine Konservierungsstoffe enthalten.

Aluminium bzw. Wirkverstärker: Auch Aluminium wird oft als kritisch angesehen und mit der zurückgezogenen Autismus-Studie in Verbindung gebracht. Der Impfstoff enthält jedoch kein reines Aluminium, und auch kein Aluminiumsalz. Sehr geringe Mengen Aluminiumsalze werden bei bestimmten Impfstoffen, nämlich bei inaktivierten Impfstoffen als Wirkverstärker eingesetzt. Ohne Wirkverstärker würde das Immunsystem die abgetöteten Erreger oder Erregerteile in einem dieser sogenannten Totimpfstoffe nicht ausreichend wahrnehmen. Bei Lebendimpfstoffen sowie auch bei mRNA-Impfstoffen sind Wirkverstärker nicht nötig.

Mikrochips: In Foren im Internet war in den vergangenen Monaten oft die Rede von Mikrochips im Impfstoff. Offenbar kam es hier zu Verwechslungen mit den Lipiden als Trägersubstanzen, die auch Nanopartikel genannt werden, weil sie einfach sehr klein sind: "Nano" ist ein Vorsatz für Maßeinheiten, wie etwa "Milli" oder "Zenti". Wir können beruhigen: Hier handelt es sich um Fette, die die mRNA umhüllen – und nichts anderes.

All das gilt übrigens auch für die anderen Impfstoffe: Weder Aluminium, noch Quecksilber oder gar Mikrochips sind enthalten. Stattdessen folgendes:

So setzt sich eine Impfdosis des Moderna-Impfstoffes zusammen

  • Wirkstoff mRNA
  • Lipide: [SM-102] (Heptadecan-9-yl 8-((2-Hydroxyethyl)(8-(nonyloxy)-8-oxooctyl)amino)octanoat), Polyethylenglykol [PEG] 2000 Dimyristoyl-Glycerin [DMG], Cholesterin, und 1,2-distearoyl-sn-glycero-3-phosphocholine [DSPC]
  • Puffer/Säurestabilisatoren: Tromethamin (auch Tris(hydroxymethyl)aminomethan genannt), Tromethamin-Hyrochlorid,
  • Säure: Essigsäure, Natriumacetat (Salz der Essigsäure)
  • Zucker: Saccharose

Der Unterschied zu Comirnaty liegt in den Säuren: Statt Salzen nutzt Moderna Säuren, um den pH-Wert zu regulieren und die mRNA stabil zu halten.

So setzt sich eine Impfdosis Vaxzevria zusammen

Nun kommen Unterschiede: Statt mit mRNA arbeiten Vektor-Impfstoffe wie Vaxzevria von AstraZeneca oder der Impfstoff von Johnson & Johnson mit Vektorviren, bzw. Trägerviren.

  • Wirkstoff Vektorvirus: abgeschwächtes Schimpansen-Adenovirus mit Code des Spike-Proteins von Sars-CoV-2
  • Aminosäuren: Histidin, Histidinhydrochlorid-Monohydrat,
  • Zellaktivitäts-Unterstützer: Magnesiumchlorid-Hexahydrat,
  • Stabilisator: Polysorbat 80 (E 433),
  • Bindemittel: Dinatriumedetat-Dihydrat (EDTA)
  • Zucker: Saccharose
  • Sonstige Bestandteile: Ethanol (Alkohol), Natriumchlorid (Kochsalz) und Wasser zur Injektion

Kann man nach der Impfung jemanden anstecken?

Diese Frage taucht derzeit immer mal wieder auf: Die Sorge, nach der Impfung jemanden mit dem Coronavirus anstecken zu können, kommt nicht von ungefähr: Viele erinnern sich noch an die Lebendimpfstoffe, die es heute nur noch selten gibt. Dabei wird ein intaktes, aber abgeschwächtes Virus dazu genutzt, das Immunsystem zum Aufbauen von Antikörpern zu animieren.

Die Covid-Impfstoffe hingegen funktionieren anders: Es gibt die mRNA-Impfstoffe, bei denen man lediglich einen Bauplan für das Spike-Protein des Virus bekommt, jedoch kein Virus. Und dann gibt es die Vektor-Impfstoffe, bei denen mit einem Trägervirus gearbeitet wird, das jedoch keine Krankheiten auslösen kann.

Durch den Impfstoff ist man entsprechend nicht ansteckend. Infizieren kann man andere nach der Impfung dennoch, wenn man sich kurz vor oder direkt nach der Impfung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert hat. Denn der Impfschutz baut sich erst nach und nach auf und ist erst rund 15 Tage nach der zweiten Impfdosis voll da. Wer also rund um die Impfung in Kontakt mit dem Virus kommt, kann sich infizieren – und damit potentiell auch andere.

Viele fragen sich, ob aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung eine Gefahr bestehen könnte, wenn nach der ersten Impfdosis mit Vaxzevria bei der zweiten Dosis ein mRNA-Impfstoff gegeben wird. Wir klären auf. Zweitimpfung nach AstraZeneca: Das müssen Sie jetzt wissen.

Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum wir uns überhaupt impfen lassen – so generell? Blick einmal umgekehrt: So erfolgreich und nützlich sind Impfungen!

Mehr zu Impfungen sowie zum aktuellen Stand rund um das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite.

Quellen:

PEI über Covid-Impfstoffe, Produktinformation Comirnaty, Produktinformation Moderna, Produktinformation Vaxzevria, AstraZeneca.at, MIT Technology Review: "What are the ingredients of Pfizer’s covid-19 vaccine?", Bundesministerium für Bildung und Forschung: "Das sollten Sie über Impfstoffe wissen"

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