Aktualisiert: 14.04.2021 - 16:53

Weniger Druckschmerzen, empfindlicher gegenüber Temperatur Rote Haare? Dann nehmen Sie Schmerzen anders wahr – aus diesem Grund!

Von der Redaktion

Rothaarige Menschen nehmen Schmerzen anders wahr. Warum das so ist, liegt an einem ganz bestimmten Rezeptor.

Foto: Getty Images/Justin Case

Rothaarige Menschen nehmen Schmerzen anders wahr. Warum das so ist, liegt an einem ganz bestimmten Rezeptor.

Die wenigsten wissen es wahrscheinlich, aber: Rothaarige nehmen Schmerzen anders wahr als Menschen mit anderer natürlicher Haarfarbe. Nun haben Forschende den Grund dafür gefunden.

Wenn wir uns verletzen, tut das meist weh. Schmerzen sind Schmerzen – oder? So einfach ist das nicht. Wissenschaftler wissen schon länger, dass Schmerzempfinden ganz individuell stattfindet. Jeder Mensch nimmt Schmerzen anders wahr. Abhängig ist das von vielen verschiedenen Faktoren, etwa von der Lebenssituation, vom Geschlecht und vom Alter, sogar von der Erziehung oder den kulturellen Hintergründen – und sogar von der Haarfarbe: Rothaarige haben ein anderes Schmerzempfinden als Menschen mit blonden, braunen oder schwarzen Haaren. Und das hat vor allem körperliche Gründe. Jetzt wissen Forscher auch, warum.

Warum Rothaarige Schmerzen anders wahrnehmen, liegt an der Haut

Es ist ein bestimmter Rezeptor, der bei Menschen mit roter Naturhaarfarbe inaktiv ist und der das Schmerzempfinden mitbeeinflusst. Das haben Forschende des Massachusetts General Hospital (MGH) herausgefunden – mithilfe von Mäusen. Denn Tieren mit rotem Fell geht es genauso wie rothaarigen Menschen.

Das "Geheimnis" liegt in unserer Haut, genauer in den Hautzellen, die die Haut pigmentieren, die Melanozyten. In diesen Zellen sitzen verschiedene Rezeptoren, und einer davon ist das Melanocortin-1 (MC1R), das aktiviert wird, wenn wir uns etwa der Sonne aussetzen und "braun werden".

Manche Menschen aber werden kaum braun, da gibt's höchstens etwas (oder dramatisch viel) Sonnenbrand, der nach Abheilen einen strahlend weißen Teint zurücklässt. Sommerbräune? Keine Spur. Vor allem sind davon Rothaarige betroffen. Bei ihnen ist der Rezeptor, das Melanocortin-1 nämlich inaktiv und kann auch nicht aktiviert werden. Das ist bei über 90 Prozent der rothaarigen Menschen der Fall.

Es liegt an den Hormonen

Aber was hat das jetzt mit Schmerzen zu tun? Das konnten die Forschenden aus Massachusetts an rothaarigen Mäusen genauer untersuchen. Auch bei ihnen ist die Melanocortin-1-Rezeptorfunktion inaktiv. Aber nicht nur das: Die Mäuse wiesen zudem einen niedrigen POMC-Spiegel auf. POMC ist die Abkürzung für Proopiomelanocortin, ein Molekül bzw. ein sogenanntes Prohormon, das sich in verschiedene Hormone spalten kann. Zwei davon sind relevant: Eines blockiert Schmerzen, eines sensibilisiert dafür. Das bedeutet, dass POMC dafür verantwortlich ist, dass wir manche Schmerzen teilweise nicht verspüren, andere dafür umso mehr.

Rothaarige verspüren beispielsweise weniger Schmerzen bei mechanischem Druck. Dafür machen ihnen Kälte und Hitze mehr zu schaffen.

Bei den Mäusen konnten die Forschenden feststellen, dass sich die beiden Hormone in geringen Mengen offenbar gegenseitig aufheben. Damit erhöht sich die Schmerzschwelle wahrscheinlich. Und was bei den Mäusen beobachtet wurde, könnte zumindest ähnlich auch für rothaarige Menschen gelten.

Wichtige Ergebnisse für die Schmerzmittelforschung

Wozu nun diese Forschung? Ausschlaggebend sein könnten die Ergebnisse der Forschergruppe zufolge etwa für die Medikamentenforschung. Denn wenn man weiß, dass Menschen unterschiedlich auf Schmerzen reagieren, kann man auch differenzierter bei der Entwicklung von wirksamen Medikamenten vorgehen. Rothaarige etwa sprechen nicht besonders gut auf das Schmerzmittel Lidocain an, wie man in einer Studie im Jahr 2009 herausgefunden hat. Warum dem so ist, weiß man bisher nicht.

So könnten etwa Medikamente entwickelt werden, die die genannten Rezeptoren hemmen und so die Schmerzentwicklung von vorne herein stoppen.

Studien:

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