Aktualisiert: 18.04.2021 - 20:45

In Massen gesundheitsgefährdend Sucralose: Ist die Zuckeralternative wirklich gesünder?

Sucralose ist ein Süßstoff, der in der EU zugelassen ist. Aber ist er auch eine gesündere Alternative?

Foto: Getty Images/Andrii Zastrozhnov/grebeshkovmaxim; Canva.com [M]

Sucralose ist ein Süßstoff, der in der EU zugelassen ist. Aber ist er auch eine gesündere Alternative?

Wer sich gesund ernähren will, verzichtet nicht selten auf Zucker – und greift für die gewisse Süße im Leben eben auf Alternativen zurück. Eine davon ist Sucralose. Aber ist die wirklich so gut, wie man denkt?

Weniger ist mehr – für Sucralose gilt das auf jeden Fall. Der Zuckeraustauschstoff hat nämlich eine viel größere Süßkraft als Haushaltszucker – und das bei fast nicht vorhandenen Kalorien. Perfekt also als Süßungsmittel für sich gesundheitsbewusst ernährende Verbraucher, oder? Nun, nicht ganz. Denn Sucralose kann durchaus ungesund sein. Sehr sogar. Wie bei allem gilt allerdings wieder: Die Dosis macht das Gift. Das alleine ist aber nicht alles. Denn auch die Temperatur spielt hier mit hinein.

Sucralose: Gesunde Alternative zur Kalorienbombe Zucker?

Sucralose ist ein Süßstoff – also ganz salopp ein Stoff, der süß ist, der Speisen und Getränke süßen kann. 600-mal süßer als klassischer Haushaltszucker, die Saccharose oder auch manchmal Sukrose genannt. Sucralose gehört zu den synthetisch hergestellten Süßstoffen und reiht sich damit ein zwischen Aspartam, Acesulfam K und Co. Sie besteht aus Haushaltszucker – allerdings wird der chemisch verändert: er wird chloriert. Chemisch nennt man das Ganze dann Trichlorgalactosaccharose. Umgangssprachlich spricht man hier auch von Chlorzucker – was zugegeben nicht besonders schmackhaft klingt.

Dennoch ist Sucralose per se nicht giftig. Zugelassen ist der Süßstoff in der Europäischen Union als E 955. Und er bringt durchaus seine Vorteile gegenüber Haushaltszucker und anderen Zuckeralternativen mit: Sucralose

  • enthält nur wenige Kalorien
  • ist nicht kariesfördernd
  • hat keinen bitteren Nachgeschmack wie etwa die ebenfalls synthetische Zuckeralternative Saccharin.

Darüber hinaus kann unser Körper den Stoff nicht verwerten. Essen wir Sucralose, liefert uns das keine zusätzliche Energie, stattdessen wird er gänzlich unverändert wieder ausgeschieden. Klingt doch eigentlich gar nicht so schlimm, oder? Ein paar Probleme gibt es dennoch – eines davon betrifft sogar die Umwelt.

Zu viel des Guten ist nie gut: Süßstoffe und der Darm

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gelten in der EU zugelassene Süßstoffe allesamt als gesundheitlich unbedenklich, sofern angegebene Höchstmengen nicht überschritten werden. Bei Sucralose sind das 15 Milligram pro Kilogramm Körpergewicht. Da unser Körper den Stoff eben nicht verwerten kann, kann es bei übermäßigem Verzehr zu Blähungen oder Durchfall kommen. Das passiert bei allen alkoholischen Süßstoffen (Zucker ist übrigens auch ein Alkohol) und aus diesem Grund steht auch immer der Warnhinweis "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken" auf der Verpackung von mit solchen Süßstoffen gesüßten Lebensmitteln.

In Tierversuchen wurde zudem entdeckt, dass Sucralose die Darmflora verändern kann. So wiesen Mäuse nach Gabe von Sucralose über Monate hinweg im Darm eine höhere Anzahl an entzündungsfördernden Proteinen auf. Allerdings ließen sich solche Versuche noch nicht auf den Menschen übertragen. Ein nachweislich schädlicher Effekt auf die menschliche Gesundheit wurde noch nicht entdeckt. Jedoch gibt es Studien, die zeigen, dass regelmäßig konsumierte hohe Mengen an Süßstoffen in Light-Getränken das Herz schädigen können. Vor allem im Fokus ist hier aber Aspartam. Ein Experte beantwortet die Frage: Sind Light-Getränke wirklich gefährlich?

Fructoseintoleranz? Dann bitte keine Sucralose

Problematisch kann der Stoff allerdings für Menschen mit Fructoseintoleranz sein. Wir haben bereits gelernt, dass sich der Süßstoff aus Haushaltszucker aufbaut. Im Körper werden die Sucralose-Moleküle umgewandelt, und dabei entsteht ein kleiner Teil 1,6-Dichlorfructose, eine Fructoseart. Fructose ist ebenfalls ein Zucker. Saccharose, also der Haushaltszucker, ist ein sogenanntes Disaccharid und setzt sich aus den Monosacchariden Glucose und Fructose zusammen. Im Körper werden solche Zweifachzucker wie die Saccharose gespalten. Fructose selbst kann unser Körper nicht verwerten, sie wird aber normalerweise im Körper während der Verdauung in Glucose, den Traubenzucker, umgewandelt. Passiert das nicht, und der Fruchtzucker bleibt in seiner Form, führt das zu Verdauungsproblemen. Menschen mit Fructoseintoleranz müssen daher genau auf ihre Ernährung achten.

Unter einer leichten Form dieser Verdauungsstörung leiden mittlerweile recht viele Menschen, die meisten können ein wenig Fructose noch ganz gut vertragen. Seltener ist die angeborene Fructoseintoleranz, bei der schon kleinste Mengen Fructose sogar lebensbedrohliche Konsequenzen auslösen können. Bei ihnen kann entsprechend auch der kleine Teil aus der Sucralose problematisch sein.

Mehr dazu: Leben mit Fructose-Intoleranz: eine Betroffene berichtet

Vorsicht bei hohen Temperaturen

Für gesunde Menschen ist Sucralose in Maßen normalerweise aber kein Problem. Es sei denn, sie wird erhitzt. Dann kann das, was mit ihr chemisch passiert, nämlich definitiv schädlich werden: Sucralose kann sich nämlich bei hohen Temperaturen zersetzen, Forscher vermuten, dass das schon bei 120 °C aufwärts passieren kann. Sie haben die Verdacht, dass sich dann Dioxine bilden – und die sind schon in kleinsten Mengen extrem gesundheitsschädlich.

Sollten Sie also Sucralose zu Hause einsetzen wollen, um Zucker zu ersetzen, nutzen Sie sie bitte nur für kalte Speisen oder höchstens für kochende Flüssigkeiten, aber bitte niemals bei Frittiertem oder in Backwaren, da die bei der Zubereitung hohen Temperaturen ausgesetzt sind.

Sucralose in der Umwelt: Süßes bleibt...

Doch es geht in diesem Artikel nicht nur um unsere Gesundheit, sondern auch um die des Planeten – und die sind unweigerlich miteinander verknüpft, denn geht es unserer Erde nicht gut, leiden auch wir früher oder später darunter.

Ob Sucralose konkrete Auswirkungen auf unsere Umwelt hat, ist noch nicht gänzlich erforscht. Klar ist aber: Es reichert sich im Grundwasser an, denn es wird nur langsam abgebaut. Selbst in Kläranlagen lässt es sich nicht richtig herausfiltern. Das Fazit: Der Süßstoff bleibt, und mischt sich damit sogar unters Trinkwasser. In den USA konnte eine Studie in acht von zwölf Trinkwasserproben im Jahr 2011 Sucralose nachweisen. Im Jahresbericht des hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie schrieb man 2012, dass in 19 von 22 Grundwasserproben Süßstoffe gefunden wurden – neben Sucralose betraf das Acesulfam, Cyclamat und Saccharin.

Auf uns Menschen dürften diese geringen Rückstände wahrscheinlich keinen großen Einfluss haben. Anders sieht es aber mit der Tier- und Pflanzenwelt aus. Da ist sich die Wissenschaft noch nicht so ganz einig. Klar dürfte jedoch sein: Vorsicht ist auch hier besser als Nachsicht. Es gibt so viele süße Alternativen, da überlegen wir uns zweimal, ob es unbedingt das Lebensmittel mit Sucralose sein muss. Vielleicht möchten Sie es ja auch einmal probieren, ganz zuckerfrei zu leben?

Zuckerfrei lebt die Moderatorin und Autorin Anastasia Zampounidis bereits seit vielen Jahren. Im Interview hat sie uns verraten, wie das funktioniert und wie sie sich damit fühlt:

Interview mit Anastasia Zampounidis
Interview mit Anastasia Zampounidis

Wer mit Zuckeralternativen abnehmen will, hat nämlich noch ein ganz anderes Problem: Süßstoffe zählen zu den Maststoffen – und die erschweren das Abnehmen!.

Und wenn's doch mal süß, aber zuckerfrei sein soll: Wir haben verschiedene Zuckerersatz-Sorten geprüft!

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Quellen & Studien:

BfR über Sucralose sowie Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe, Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (bgvv)über den Süßstoff Sucralose, Chemie.de, Deutschlandfunk Kultur, Utopia.de, Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie, dpa

Bian, Lu et al. (Frontiers in Physiology, 2017): "Gut Microbiome Response to Sucralose and Its Potential Role in Inducing Liver Inflammation in Mice"

Robertson, Schiff et al. (Water Research, Vol. 88, 2016): "Degradation of sucralose in groundwater and implications for age dating contaminated groundwater"

Mawhinney, Snyder et al. (Environmental Science & Technology, 2011): "Artificial Sweetener Sucralose in U.S. Drinking Water Systems"

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