09.04.2021 - 11:32

Langersehntes Ziel Covid-19: Großbritannien erreicht Herdenimmunität! Und was ist mit uns?

Von der Redaktion

Ab Montag wird in Großbritannien voraussichtlich eine Herdenimmunität gegen Covid-19 herrschen. Dann soll auch die Außengastronomie wieder öffnen. Pub-Inhaber bereiten sich schon darauf vor.

Foto: Getty Images/ TOLGA AKMEN

Ab Montag wird in Großbritannien voraussichtlich eine Herdenimmunität gegen Covid-19 herrschen. Dann soll auch die Außengastronomie wieder öffnen. Pub-Inhaber bereiten sich schon darauf vor.

Um eine Herdenimmunität gegen Covid-19 zu erlangen, muss ein Großteil der Bevölkerung immun sein. In Großbritannien ist es am Montag so weit.

Sie ist das langersehnte Ziel im Kampf gegen das Coronavirus: Herdenimmunität. Die herrscht dann vor, wenn genügend Mitglieder einer Gesellschaft immun gegen eine Krankheit sind, so dass diese sich nicht mehr weiter ausbreiten kann. Zu Beginn der Pandemie hatten viele noch auf die Herdenimmunität durch "Durchseuchung" gehofft – nachdem wir mittlerweile seit über einem Jahr mit dem Virus leben, wissen wir, dass das nicht passieren wird. Allein Impfungen können die ersehnte Herdenimmunität bringen – und bei denen legte Großbritannien in den letzten Monaten eine ziemliche Geschwindigkeit an den Tag. Diese zahlt sich jetzt aus: Berechnungen zufolge werden am Montag genug Menschen in Großbritannien immun sein, um eine Herdenimmunität zu erreichen.

Herdenimmunität: Hat Großbritannien es geschafft?

Wie die britische Boulevardzeitung Daily Mail berichtete, ergaben Berechnungen des University College London (UCL), dass Großbritannien kommenden Montag die Schwelle zur Herdenimmunität überschreiten wird. Dann werden voraussichtlich 73,4 Prozent gegen das Coronavirus immun sein.

Das UCL bezieht in seine Berechnungen nicht nur Personen ein, die bereits geimpft wurden (derzeit: 31 Millionen Erstimpfungen bei einer Bevölkerung von fast 67 Millionen, also etwas weniger als 50 Prozent), sondern alle, die aktuell Antikörper gegen das Coronavirus im Blut haben. Das bedeutet, dass auch jene, die bereits an Covid-19 erkrankt waren sowie jene, die eine natürliche Immunität gegen das Virus haben, berücksichtigt werden.

Achtung: Zahlen sind Momentaufnahme

Der UCL-Neurowissenschaftler Karl Friston sagte gegenüber der Daily Mail: "Über 50 Prozent der Erwachsenen wurden geimpft, ungefähr 43 Prozent waren dem Virus ausgesetzt und circa 10 Prozent haben eine natürliche Immunität." Unter Berücksichtigung der geschätzten Wirksamkeit der Impfung im Hinblick auf die Immunität bedeutet dies, dass im Moment etwa 70 Prozent der Bevölkerung immun seien.

Zu beachten dabei ist: Es handelt sich bei diesem Prozentsatz um eine Momentaufnahme. Das bedeutet nicht, dass jetzt plötzlich mit dem Impfen aufgehört werden kann. Wer eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden hat, bleibt wahrscheinlich nicht dauerhaft immun und auch der Schutz durch die Erstimpfung muss noch durch eine zweite Impfdosis aufgefrischt werden. Der Kampf gegen das Coronavirus geht also weiter.

Herdenimmunität: Welche Immunitätsrate ist erforderlich?

Darüber, wie viel Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssen, um eine Herdenimmunität zu erreichen, wurde in der Vergangenheit bereits diskutiert. Wissenschaftler kamen dabei zu verschiedenen Ergebnissen. Die Forscher des UCL rechnen der Aussage von Karl Friston zufolge mit einer erforderlichen Immunitätsrate von knapp über 70 Prozent.

Diese Angabe liegt etwas höher als die Herdenimmunitäts-Schwelle von 60 bis 70 Prozent, von denen einige Wissenschaftler lange ausgegangen waren, die dann, auch in Anbetracht der ansteckenderen Coronavirus-Mutanten, aber als zu gering verworfen worden war. Experten wie Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen gehen derzeit von 80 Prozent aus. Auch die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim hält 80 Prozent für realistisch – bei einem R-Wert von 5, denn wie viele Kontakte jemand hat und wie viele andere er theoretisch infizieren würde, schlägt sich ebenfalls in dem für die Herdenimmunität notwendigen Wert nieder.

Wann erreicht Deutschland die Herdenimmunität?

In Deutschland wurden bisher deutlich weniger Menschen gegen das Coronavirus geimpft als in Großbritannien. Laut den Angaben des Robert-Koch-Instituts haben hierzulande derzeit circa 12,2 Millionen Menschen die erste Impfung erhalten. Das sind 14,7 Prozent der Bevölkerung.

Der Mathematiker Christian Hesse von der Universität Stuttgart sagt im Gespräch mit der Bild-Zeitung, man könne davon ausgehen, dass aktuell 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung von einer Covid-19-Erkrankung betroffen sind. Das bedeutet, das aktuell nur maximal 24 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen das Coronavirus im Blut haben. Von einer Herdenimmunität sind wir somit noch weit entfernt.

Wann wir dieses Ziel erreichen, hängt schlussendlich vom Impftempo ab. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte Anfang März berechnet, dass die Corona-Impfungen in den Arztpraxen das Impftempo deutlich beschleunigen könnte – eine Herdenimmunität sei so bis Ende August möglich. Christian Hesse hingegen zeigt sich gegenüber der Bild-Zeitung pessimistischer: "Um bis Oktober 60 Prozent der Erwachsenen durch Impfung immunisiert zu haben, müsste die Impfgeschwindigkeit verdoppelt werden."

Lesen Sie hier mehr über den Zusammenhang zwischen Corona-Impfstoffen und Herdenimmunität. Trotz allem gilt: Impfstoffe werden die Pandemie nicht auf einen Schlag beenden. Zwar bringen sie Hoffnung, dennoch müssen einige Dinge beachtet werden.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe