Aktualisiert: 09.04.2021 - 17:22

Weg zur Herdenimmunität? Laut RKI: Geimpfte Personen seltener ansteckend

Offenbar zeigen Geimpfte eine geringere Viruslast 15 Tage nach der Impfung – und sind damit potentiell weniger ansteckend als symptomlose Infizierte mit negativem Antigen-Schnelltest. Was bedeutet das für mögliche Freiheiten?

Foto: Getty Images/dragana991

Offenbar zeigen Geimpfte eine geringere Viruslast 15 Tage nach der Impfung – und sind damit potentiell weniger ansteckend als symptomlose Infizierte mit negativem Antigen-Schnelltest. Was bedeutet das für mögliche Freiheiten?

Das RKI schätzt die Möglichkeit einer Virusübertragung durch geimpfte Personen als "unwahrscheinlich" ein – das untermauert den Vorstoß des Gesundheitsministeriums, Geimpften mehr Freiheiten einzuräumen. Woher kommt diese Annahme?

Kürzlich machte eine Meldung die Runde, die aufhorchen ließ: Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister, hatte angekündigt, dass Geimpfte zukünftig gewisse Freiheiten zurückerhalten könnten – etwa den Verzicht auf Quarantäne bei Reiserückkehr oder nach positivem Test einer Kontaktperson, oder kein Schnelltest mehr vor dem Einkaufen oder dem Frisörbesuch. Das baut auf einer Meldung des Robert Koch Instituts (RKI) auf, die auf deren Seite ergänzt wurde. Das RKI schätzt das Übertragungsrisiko des Coronavirus durch voll geimpfte Personen als gering ein – zumindest als geringer als durch symptomlose Personen mit negativem Antigen-Schnelltest. Aber heißt das auch, dass Geimpfte das Virus Sars-CoV-2 tatsächlich nicht mehr übertragen können? Nein.

Bis ein Impfschutz aufgebaut ist, dauert es ein paar Tage. Im Video sehen Sie, wie Impfungen überhaupt funktionieren:

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
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Sind Geimpfte nicht mehr ansteckend? RKI geht von geringerem Risiko aus

Das RKI hat kürzlich seine Rubrik "Antworten auf häufig gestellte Fragen" auf der Internetpräsenz um einen neuen Eintrag ergänzt. Unter dem Eintrag "Können Personen, die geimpft sind, das Virus weiterhin übertragen?" steht nun unter Berufung auf diverse Studiendaten: "In der Summe ist daher das Risiko einer Virusübertragung stark vermindert".

Eine Einschränkung gibt es dennoch: "Stark vermindert" heißt nicht "ausgeschlossen": Dass Geimpfte vollständig immun sind und das Virus nicht mehr weitergeben können, davon geht auch Deutschlands oberste Gesundheitsbehörde nicht aus. Es könne durchaus vorkommen, dass "einige Menschen nach Kontakt mit Sars-CoV-2 trotz Impfung (asymptomatisch) PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden."

Das bedeutet soviel wie: Schutzmaßnahmen wie Maske und Abstand sind zum Schutz insbesondere der noch nicht geimpften Bevölkerung dennoch weiterhin nötig.

Und ganz wichtig: Der volle Impfschutz ist laut RKI erst 15 Tage nach Erhalt der zweiten Impfdosis da – und erst ab dann gilt die Annahme des Instituts.

Studien zeigen: Impfung senkt bei trotzdem Infizierten die Viruslast

Dass dennoch ein Restrisiko besteht, liegt daran, dass die Impfung eben nicht hundertprozentig vor einer Infektion schützt – sie schützt nur in nahezu allen Fällen vor einer schweren Erkrankung bzw. vor dem Tod. Dennoch können auch Geimpfte erkranken. Sie selbst sind vor schweren Infektionen geschützt – merken vielleicht nicht einmal etwas. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass sie das Virus weitergeben – nur wahrscheinlich nicht in dem Umfang, in dem sie es mit starken Symptomen weitergeben könnten. FFP2-Maske und Abstand helfen hier.

Laut RKI senken die bislang zugelassenen Impfstoffe das Risiko einer Sars-CoV-2-Infektion sowohl symptomatisch als auch asymptomatisch um 65 Prozent (nach einer Dosis Vaxzevria von AstraZeneca) bis 90 Prozent (nach der zweiten Dosis Comirnaty von Biontech und Pfizer). Damit sei das Risiko, dass Geimpfte weiterhin infektiös seien, "niedrig, aber nicht Null". Dabei berufen die Verantwortlichen sich vor allem auf eine Studie, die derzeit noch im Preprint steht und noch geprüft werden muss – es kann daher durchaus auch noch einmal zu Änderungen kommen.

Der Studie zufolge zeigen geimpfte Personen, die sich 12 bis 24 Tage nach vollständiger Comirnaty-Impfung mit Sars-CoV-2 infiziert hatten, eine vierfach niedrigere Viruslast als Nichtgeimpfte. Mehr dazu: Biontech-Impfstoff verringert offenbar Virusweitergabe.

Auch für Vaxzevria gibt es ähnliche Erkenntnisse: Impfung mit AstraZeneca reduziert Übertragungen.

Vergleich zum Antigen-Schnelltest: Risiko der Virusweitergabe höher

Klar macht das RKI diese Erkenntnis anhand des Vergleichs mit negativen Antigen-Schnelltests. Auch die geben keine hundertprozentige Sicherheit, Maske und Abstand sind dennoch nötig. Antigen-Schnelltests haben eine geringere Sensitivität als PCR-Tests. Der PCR-Test weist Virus-Gene nach, der Schnelltest die Antigene – und die sind bei vielen recht frisch Infizierten oft noch gar nicht richtig ausgebildet. Sprich: In der Frühphase einer Infektion sind Antigen-Tests ungenauer.

Antigen-Tests identifizieren einer Studie aus der "Cochrane Database of Systematic Reviews" zufolge unter Personen mit Symptomen durchschnittlich 72 Prozent der tatsächlich an Covid-19 erkrankten Personen. Hatten die Getesteten keine Symptome, erkannten die Tests nur 58 Prozent der Infizierten. Die Sensitivität der Tests hängt nämlich stark von der Viruslast ab. Ist die Viruslast geringer, sind die Antigen-Schnelltests weniger genau.

Im Fazit heißt das: Die Viruslast bei Geimpften ist im Schnitt offenbar geringer als die bei unwissentlich Infizierten, deren Antigen-Schnelltest negativ ausschlägt. Das RKI schreibt: "Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der 2. Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigenschnell­tests bei symptomlosen infizierten Personen."

Eine Debatte darüber, ob Geimpfte tatsächlich mehr Freiheiten bekommen sollten, dürfte dennoch erst so richtig im Raum stehen, wenn entweder mehr (sichere) Tests für Nichtgeimpfte angeboten werden können oder – und dafür plädieren etwa die Jusos (SPD) gegenüber dem MDR – wenn alle Impfwilligen ein Impfangebot erhalten haben. Der Vorteil: Die Testkapazitäten würden dann besser für die ausreichen, die nicht geimpft werden können oder es nicht wollen. Es zeichnet sich aber ab: Nur, wenn genügend Menschen geimpft werden, kommen wir in eine Normalität und siegen über das Coronavirus. Immerhin geht's nun schneller: Rekord in Deutschland: Mehr als 650.000 Menschen an einem Tag geimpft!

Quellen und Studien:

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