09.04.2021 - 09:21

Schwere Covid-19-Verläufe "Wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen?" Intensivmediziner setzt Corona-Notruf ab

Bald könnten alle Intensivbetten in Deutschland belegt sein – wenn die Regierung nicht handelt. In einem Notruf plädieren der Intensivmediziner Christian Karagiannidis und der Virologe Christian Drosten für eine Verschärfung der Maßnahmen.

Foto: Getty Images/ Siqui Sanchez

Bald könnten alle Intensivbetten in Deutschland belegt sein – wenn die Regierung nicht handelt. In einem Notruf plädieren der Intensivmediziner Christian Karagiannidis und der Virologe Christian Drosten für eine Verschärfung der Maßnahmen.

Die Anzahl der belegten Intensivbetten steigt weiter. Intensivmediziner Christian Karagiannidis und Virologe Christian Drosten warnen vor einem Kollaps.

Nichts Ganzes und nichts Halbes: So lassen sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, die aktuell in Deutschland gelten, wohl am besten beschreiben. Von einem normalen Leben sind wir, selbst in Modellregionen wie Tübingen oder dem Saarland, weit entfernt. Als harter Lockdown lässt sich die Situation aber auch nicht bezeichnen. Stattdessen dümpeln wir bereits seit Monaten im Wellenbrecher-Lockdown herum, der im Dezember verhängt wurde – und das mit unbefriedigenden Ergebnissen: Die Infektionszahlen sind nach wie vor viel zu hoch, die Krankenhäuser füllen sich mit Covid-19-Patienten, die einen schweren Krankheitsverlauf durchmachen. In einem Notruf warnen Intensivmediziner Christian Karagiannidis und Virologe Christian Drosten jetzt vor der steigenden Belegung der Intensivbetten in Deutschland.

Notruf von Intensivmediziner und Drosten: Auslastung der Intensivbetten steigt

Christian Karagiannidis ist der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Divi (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin), das unter anderem Covid-19-Fallzahlen registriert und mit den verfügbaren Behandlungs- und Bettenkapazitäten der deutschen Krankenhäuser abgleicht.

Auf Twitter schreibt der Intensivmediziner: "Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen bevor ihr reagieren wollt??? Wir verpassen jede Ausfahrt zur Senkung der Zahlen." Er verweist auf die Divi-Prognosen zur Auslastung der Intensivbetten – bisher stimmen diese mit der Realität überein.

Laut den Grafiken, die Christian Karagiannidis teilt, stehen wir kurz vor der kompletten Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten. Das bedeutet konkret: Wer aus irgendeinem Grund, nicht nur wegen einer Corona-Infektion, eine intensivmedizinische Behandlung benötigt, erhält diese nicht – weil kein Bett mehr frei ist. Der Mediziner appelliert an die Regierung: "Bitte handelt endlich!"

Charité-Virologe Christian Drosten teilte den Tweet von Christian Karagiannidis. Seine Einschätzung: "Dies ist ein Notruf."

Impfungen ersetzen keinen Lockdown

Die alarmierende Vorhersage bildet den Fall ab, dass die Inzidenz auf 200 steigt und erst dann ein Lockdown verhängt wird. Die Grafik zeigt auch, dass die Kurve, die die Auslastung der Intensivbetten anzeigt, deutlich abgeflacht werden könnte, würde man früher reagieren. Im besten Fall bereits bei einer Inzidenz von 100 – also jetzt, denn im Moment liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland bei 106. Zumindest offiziell, es ist davon auszugehen, dass es wegen der Osterfeiertage zu Verzerrungen kam und der Wert in Wirklichkeit noch einmal höher liegt.

Die Prognose berücksichtigt weiterhin sowohl ein optimistisches als auch ein pessimistisches Impfszenario, zeigt aber auch, dass der Unterschied zwischen den beiden Szenarien nicht groß ist. Die Schlussfolgerung: Ein Lockdown ist unausweichlich – ganz gleich, wie viel gerade geimpft wird.

"Kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt"

In einem weiteren Tweet weist Christian Karagiannidis auf den Ernst der Lage in Städten wie Bonn, Bremen oder Köln hin. Dort gibt es "kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Covid-Patienten". Die schockierenden Zahlen: In Bonn gibt es derzeit nur noch sieben Intensivbetten, in Bremen acht. Auch die Verlegung in andere Regionen sei keine Lösung, da diese bei instabilen Patienten nicht immer möglich sei.

Es ist wahrscheinlich, dass angesichts der drastischen Lage einige Krankenhäuser bald wieder auf den Notbetrieb umstellen müssen. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete, hatte unter anderem die Berliner Charité, Europas größtes Universitätsklinikum, bekanntgegeben, den Normalbetrieb aufgrund der vielen Covid-19-Patienten wieder einschränken zu müssen.

Die Stimmen, die für eine Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie plädieren, werden immer lauter. Nicht nur Intensivmediziner fordern schon seit Längerem die Rückkehr zum Lockdown, auch ein Großteil der Bürger ist dafür: In einer Petition verlangen sie von der Regierung einen strikten Lockdown.

Hier können Sie noch einmal genau nachlesen, was das Coronavirus im Körper anrichtet. Eines steht fest: Eine Covid-19-Erkrankung und eine normale Grippe sind keinesfalls vergleichbar.

Immerhin: Es gibt nicht nur negative News. Hier sind drei gute Nachrichten aus der Corona-Forschung:

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