Aktualisiert: 11.04.2021 - 21:15

Mutter gibt Antikörper weiter, aber... Sollten Schwangere sich gegen Covid-19 impfen lassen?

Derzeit werden Schwangere noch von der Covid-19-Impfung ausgeschlossen – weil es noch an Daten fehlt. Die trudeln aber langsam ein – und deuten auf Nestschutz hin...

Foto: Getty Images/Miljan Živković

Derzeit werden Schwangere noch von der Covid-19-Impfung ausgeschlossen – weil es noch an Daten fehlt. Die trudeln aber langsam ein – und deuten auf Nestschutz hin...

Aktuell sieht die Impfstrategie vor, Schwangere nicht gegen Covid-19 zu impfen. Denn es fehlen noch jede Menge Daten, die eher für eine Unbedenklichkeit stehen. Deutlich wird allerdings mittlerweile: Werdende Mütter können gebildete Antikörper gegen das Coronavirus auf den Fötus übertragen.

Die Impfstrategie sieht vor: Schwangere sollen sich derzeit nur in Einzelfällen gegen Covid-19 impfen lassen – wenn sie etwa im Krankenhaus arbeiten oder an schweren Vorerkrankungen leiden. Dabei zeigen verschiedene Daten mittlerweile: Von der Covid-19-Impfung profitiert nicht nur die Mutter, sondern auch das Kind. Sollte die Corona-Impfung in der Schwangerschaft also freigegeben werden? Ein Überblick.

Corona-Impfung in der Schwangerschaft: Sicher oder nicht?
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Corona-Impfung trotz Schwangerschaft: Warum eigentlich nicht?

In Deutschland ist man bislang vorsichtig, was die Schutzimpfung gegen Covid-19 bei Schwangeren angeht. Bisher gilt: Schwangere bitte nur in Ausnahmefällen an die Nadel. Geht es nach der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, sollte aber zumindest die Option bestehen. In einer Stellungnahme schrieb die Gesellschaft im Februar, man solle schwangeren Frauen mit schweren Vorerkrankungen oder hohem Ansteckungsrisiko etwa durch Pflege- oder Krankenhausarbeit die Impfung "nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung" anbieten können. Damit sollen sie nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

"Das ist aber an eine individuelle Beratung geknüpft", zitiert "Zeit Online" die Ärztin Janine Zöllkau von der Universität Jena, die die Stellungnahme miterstellt hat. "Da muss man mit jeder einzelnen Frau Risiken, Ängste, Sorgen und den Nutzen abwägen."

Doch wo Ängste, Sorgen und irgendwie auch der Nutzen klar sind, gibt es Unklarheit bezüglich der Risiken – aus der dann wieder Ängste und Sorgen resultieren. Das Problem: Noch fehlen Daten – und das ist der Grund, warum die Ständige Impfkommission (Stiko) Schwangere bislang noch von der Covid-Impfung ausschließt, damit im Zweifelsfall kein hohes Risiko vorliegt.

Schwangere gehören zur Risikogruppe

Das Problem an der Sache: Schwangere zählen zur Risikogruppe, also zu den Menschen, für die eine Infektion mit Sars-CoV-2 gefährlicher werden könnte als für andere. Und nicht nur für sie, sondern auch für das ungeborene Kind. Mittlerweile ist klar: Covid-19 kann in der Schwangerschaft Komplikationen auslösen, etwa Frühgeburten. Auch kann die Erkrankung eher tödlich enden, wie eine Studie von Atolley et al. nahelegt.

Auch gab es vereinzelt Fälle, in denen die Mutter das Coronavirus an das Kind weitergegeben hatte. Diese Fälle sind allerdings sehr selten. Etwas anderes können Mütter aber an ihre Kinder weitergeben. Und das sind Antikörper. Im Winter machte ein Fall die Runde, bei dem ein Baby mit Covid-Antikörpern geboren wurde. Man kennt das bereits als "Nestschutz", und es scheint laut neuester Erkenntnisse auch mit den durch eine Covid-Impfung gebildeten Antikörpern zu funktionieren.

Mütter geben Antikörper an Kinder weiter

Zumindest funktioniert das offenbar sehr gut mit Antikörpern, die mithilfe von mRNA-Impfstoffen gebildet werden. Erkenntnisse einer Studie zeigen: Nicht nur die werdende Mutter ist durch die Impfung geschützt. Die Antikörper, die sie nach der Impfung ausbildet, gibt sie auch an ihr Kind oder ihre Kinder weiter. Zeigen konnte das eine Forschergruppe aus Boston. Die entsprechende Studie ist im Americal Journal of Obstetrics & Gynecology erschienen.

  • Die erste Erkenntnis: Die ausgebildete Antikörperantwort untersuchter geimpfter Frauen, ob schwanger oder nicht, war stark, und zwar stärker als die der untersuchten Frauen, die zuvor an Covid-19 erkrankt waren und damit eine natürliche Immunantwort entwickelt hatten.
  • Die zweite Erkenntnis: Die Forschenden fanden bei geimpften stillenden und schwangeren Frauen Antikörper in der Muttermilch und der Nabelschnur. Sie können die Antikörper also auf das Kind übertragen, das schließlich ebenfalls gegen Covid-19 geschützt ist.

Die zweite Erkenntnis konnten bereits andere Forschergruppen machen, die etwa zuvor erkrankte schwangere Frauen bzw später deren Babys untersucht hatten. Auch hier waren Antikörper auf das Kind übergegangen.

Der Schutz durch die Impfung dürfte aber durch die stärkeren Antikörper auch beim Kind umso größer sein.

Wie sieht's aus mit Nebenwirkungen?

Und noch einen Punkt konnte die Studie klären: Frauen, die in der Schwangerschaft geimpft wurden, zeigten nicht häufiger Nebenwirkungen als Frauen in derselben Altersklasse, die nicht schwanger waren. Und auch Schwangerschaftskomplikationen hatte es keine gegeben. Damit werden vorherige Studien gestützt, die zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen waren: Die Schwangerschaft beeinflusst eine Impfung nicht.

In den USA werden derweil auch manche Schwangere geimpft. 20.000 Impfungen sind bereits vergeben worden, bisher ohne Auffälligkeiten. Die Impfungen von Schwangeren werden vom CDC, einer Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums, genauestens beobachtet.

Studien zur Sicherheit von Impfstoffen für werdende Mütter und ihre Kinder sollen aber folgen, dann dürfte sich die Impfregelung hierzulande wahrscheinlich ebenfalls noch ändern. Bis dahin wird in Deutschland weiter auf den indirekten Schutz gesetzt: Es dürfen sich bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Schwangeren gegen Covid-19 impfen lassen. So soll das Ansteckungsrisiko für die werdende Mutter gemindert werden. Denn Covid-19 in der Schwangerschaft kann definitiv Probleme mitbringen.

Sie sind derzeit in einer Schwangerschaft oder haben einen Kinderwunsch? Sprechen Sie am besten mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen darüber, wie hoch Ihr individuelles Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf und ob eine Impfung gegen das Coronavirus möglicherweise ratsam sein könnte.

Quellen und Studien:

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