Aktualisiert: 06.04.2021 - 18:01

E. coli bis Salmonellen Igitt, Bakterien! So dreckig können öffentliche Verkehrsmittel sein

Von der Redaktion

So ein Taxi-Sitz kann offenbar ganz schön schmutzig sein – zumindest laut einer Studie, die öffentliche Verkehrsmittel unter anderem in Berlin untersucht hat.

Foto: Getty Images/Klaus Vedfelt; Canva.com [M]

So ein Taxi-Sitz kann offenbar ganz schön schmutzig sein – zumindest laut einer Studie, die öffentliche Verkehrsmittel unter anderem in Berlin untersucht hat.

Fahren Sie öfter Taxi? Dann lieber zu Hause Hände waschen und Klamotten in die Wäsche – zumindest in Berlin. Eine Studie zeigt nun, welche Bakterien in öffentlichen Verkehrsmitteln lauern.

"Dit härtet ab", sagt wahrscheinlich der typische Berliner bei der Lektüre der vorliegenden Studie, in der die bakterielle Verschmutzung in öffentlichen Verkehrsmitteln untersucht wurde. Ein bisschen mehr Hygiene dürfte es in so manchem öffentlichen Verkehrsmittel in der Hauptstadt dennoch sein, finden wir. Dabei sind Busse und U-Bahnen immerhin sauberer als in zwei anderen Metropolen.

Bakterien im öffentlichen Personennahverkehr: Wo ist's besonders dreckig?

Für eine Studie für das deutsche Dermatologieportal derma.plus haben Forschende Abstriche an Sitzflächen in Bussen, U-Bahnen und Taxis sowie an öffentlichen Sitzbänken auf Bahnhöfen genommen und die gefundenen Bakterien analysiert. Untersucht wurde zwar nur in Berlin, Paris und London und damit an Orten, in denen der Öffentliche Personennahverkehr eine enorm große Rolle spielt und stark frequentiert ist. Ein kleiner Hinweis an andere Verkehrsunternehmen, Hygiene großzuschreiben, darf dennoch mitklingen.

Berliner U-Bahnen überraschend sauber – bis auf...

Dabei fiel immerhin auf: Busse und Bahnen in Berlin sind im Vergleich zu Paris und London überraschend bakterienarm. Dennoch fand man in Berliner U-Bahnen in hohem Maße Bakterienarten, die in Zusammenhang mit Magen-Darm-Infekten stehen. Sprich: Nach der U-Bahn-Fahrt besser Hose aus und Hände waschen und dazwischen lieber nicht so sehr mit den Händen ins Gesicht fassen. Aber das sollte man ja sowieso versuchen zu vermeiden.

Sauberstes Verkehrsmittel sind die Busse

In den Berliner Bussen konnten keine nennenswerten Krankheitserreger gefunden werden, die aus Fäkalien oder Speichel stammen. Generell war die Bakterienkonzentration auf den Sitzflächen der BVG eher gering. Auch in den anderen beiden Städten waren die Busse das sauberste öffentliche Verkehrsmittel.

Die dreckigsten Sitze haben Taxis

Doch ganz sauber ist's auch in Berlin nicht: Auf Sitzflächen in Taxis konnten die Forschenden deutlich mehr Bakterien finden als in den anderen Verkehrsmitteln – und zwar in allen Städten. Hohe Konzentrationen von Enterobakterien wie E. coli oder Salmonellen und Enterokokken. Solche Bakterien landen normalerweise nur auf Sitzflächen, wenn sie mit Fäkalien verunreinigt sind.

Geradezu ein Biotop: Sitzbank am Bahnhof Alexanderplatz und Berliner Straßenbahn

Als interessant zeigte sich ein Abstrich, der am Alexanderplatz im Herzen von Berlin gemacht wurde: Hier fanden die Wissenschaftler:innen unter anderem eine Probe mit hohen Konzentrationen nicht fermentierender, gramnegativer Stäbchen. Ähnliche Funde machte man in der Berliner Straßenbahn. Diese Bakterien kommen normalerweise nur in stehenden Gewässern vor – oder im Abwassersystem und in Rohren.

Sie sind nur gefährlich, wenn sie etwa durch kontaminierte Lüftungen eingeatmet werden. Dann können sie unter Umständen eine Lungenentzündung auslösen. Wer in einem stehenden, mit diesen Stäbchenverunreinigten Gewässer schwimmt, riskiert dagegen eine Ohrenentzündung. An einem Bahnhof ist dieses Risiko wohl eher gering.

Sind Öffis jetzt gefährlich – und wie kann man sich schützen?

Hier kann entwarnt werden: Die meisten der gefunden Mikroorganismen sind harmlos, und stellen vor allem für gesunde Menschen kein großes Risiko dar. Vorsichtig sein sollten Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Eigentlich werden öffentliche Verkehrsmittel auch täglich gereinigt. Gerade wenn das Fahrgastaufkommen aber hoch ist, kann sich vieles ansiedeln und auch vermehren. Einer Studie aus Nottingham, England, zufolge gehen Menschen, die regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, bis zu sechs Mal öfter wegen Atemwegsinfektionen zum Arzt als Menschen, die mit Fahrrad oder Auto fahren oder gleich zu Fuß gehen können. Bestätigt werden konnte diese Studie bisher allerdings nicht. Doch klar ist: Wo sich viele Menschen aufhalten, sind auch viele potentielle Krankheitserreger.

Die Studieninitiatoren zeigen sich jedenfalls ob der Vielzahl und Vielfalt der Bakterien überrascht, die einem auf dem Weg durch eine Stadt so begegnen können. "Es ist jedoch beruhigend zu wissen, dass man sich sehr leicht gegen diese Erreger schützen kann. Es gilt, was wir nach nun einem Jahr in der Pandemie alle verinnerlicht haben sollten: Gründliches Händewaschen vor und nach jeder Fahrt. Außerdem trägt die wöchentliche Reinigung der Kleidung ebenfalls dazu bei, die Konzentration von Bakterien gering zu halten."

Richtig Hände waschen
Richtig Hände waschen

Sprich: Zu Hause Schuhe aus, Straßenkleidung am besten ablegen – Jogginghose ist sowieso viel gemütlicher – und regelmäßig bei 30 bis 60 °C waschen. Ruhig auch die Jacke zwischendurch mal reinigen. Hände waschen zwischendurch nicht vergessen, vor allem vor dem Essen. Und eben: Möglichst nicht mit den Händen ins Gesicht fassen, wenn Sie unterwegs sind. Das gilt nicht nur in den großen Metropolen, sondern überall. Eine gewisse Zahl an Bakterien härtet zwar ab, da hat der Berliner vom Anfang recht. Doch man muss es ja nicht herausfordern.

Hier gibt's die Studie im Detail.

Erwähnte Studie: Troko et al. (BMC, 2011): "Is public transport a risk factor for acute respiratory infection?"

Gesundheit

Gesundheit

Alles rund um das Thema Gesundheit und Ernährung

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe