03.04.2021 - 09:08

Erst einmal nur Erstimpfungen? Hausärzt:innen: Impfreihenfolge sollte nun gelockert werden

Ab April dürfen Hausärzt:innen gegen das Coronavirus impfen. Damit davon möglichst viele Menschen etwas haben, plädieren sie darauf, die Erstimpfungen vorzuziehen und die Impfreihenfolge entsprechend anzupassen.

Foto: Getty Images/recep-bg

Ab April dürfen Hausärzt:innen gegen das Coronavirus impfen. Damit davon möglichst viele Menschen etwas haben, plädieren sie darauf, die Erstimpfungen vorzuziehen und die Impfreihenfolge entsprechend anzupassen.

Ab diesem Monat sollen Hausärzt:innen in die Impfkampagne mit einsteigen und ihre Patient:innen auch in ihren Praxen impfen können. Damit das sinnvoll kappt, fordern sie eine Neubewertung der Impfprioritäten – denn der ersehnte Impfstoff ist nun endlich in größeren Mengen vorhanden.

Im April bekommt Deutschland mehr Impfstoff geliefert als in den drei Monaten zuvor zusammen. Ein Teil davon soll nun an Hausärzt:innen gehen, die in ihren Praxen impfen können. Damit kommen allerdings neue Herausforderungen. Wie geht man nun weiter vor? Ist die bisherige Priorisierungsliste noch sinnvoll? Der Deutsche Hausärzteverband plädiert auf eine Lockerung der Impfreihenfolge.

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Hausärzt:innen hoffen auf Änderung der Impfreihenfolge

Die nun steigenden Impfstofflieferungen würden die bisherige Priorisierungsliste aufweichen müssen, sagte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, gegenüber der "Rheinischen Post": "Die war und ist eine gute Leitlinie für die Ärztinnen und Ärzte, solange der Impfstoff noch in geringen Mengen verfügbar ist." Doch nun stehen andere Zeiten an: "Allerdings werden wir bald nicht mehr so sehr auf Zahlen, sondern zunehmend auf die Gesundheit der Menschen schauen müssen."

Denn wo bisher das Alter im Fokus stand, komme man nun in die Altersgruppen, in denen bestimmte Berufe oder Vorerkrankungen an Priorität gewinnen. "Ein Mann von 69 Jahren mit Hypertonus und Diabetes sollte vielleicht eher die Impfung erhalten als eine 72-jährige Triathletin", so Weigeldt. Man müsse schnellstmöglich alle Impfwilligen immunisieren, sobald genügend Impfstoff da sei.

Erst einmal nur Erstimpfungen?

Dem stimmt auch Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, zu: Alle vorhandenen Impfstoffdosen sollten nun erst einmal für Erstimpfungen verwendet werden, so wie man es in England etwa gemacht hat. "Angesichts der steigenden Neuinfektionszahlen sollten wir die Reservekapazitäten für die Zweitdosen weitgehend auflösen und diese sofort verimpfen", sagte er der "Rheinischen Post". Wichtig sei dafür, dass die zugesagten Impfstoffmengen auch wirklich geliefert würden.

Dass mit der zweiten Impfdosis durchaus länger gewartet werden könne, habe sich in Studien gezeigt. So könne "der zeitliche Abstand für die Zweitimpfung ohne Nachteile ausgeschöpft werden". Denn bereits nach der ersten Dosis sei eine gute Schutzwirkung vorhanden, erklärte Reinhardt. "Davon sollten jetzt möglichst viele Menschen profitieren. Das ist wesentlich, um die dritte Infektionswelle zu brechen."

Mehr Impfdosen für Deutschland

Bis Ende März wurden in Deutschland rund 9,2 Millionen Bundesbürger:innen geimpft. Im April soll Deutschland mehr als 15 Millionen Impfstoffdosen erhalten. Die meisten davon kommen vom deutschen Startup Biontech, das seinen Impfstoff Comirnaty zusammen mit dem Pharmariesen Pfizer herstellt. Deutschland rechnet bis Ende des zweiten Quartals mit insgesamt 77 Millionen Impfdosen. Zum Ende des dritten Quartals 2021 soll die Zahl dann auf 126,6 Millionen Dosen steigen – sofern ein zweiter Vertrag mit Moderna greift. Weitere 100 Millionen Impfdosen folgen dann im Dezember. Auch das Vakzin von Jensen, einer Tochter von Johnson & Johnson, steht in den Startlöchern und dürfte in der zweiten Aprilhälfte zusätzlich zur Verfügung stehen.

Angesichts der neuesten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) dürfte die Impfreihenfolge nun sowieso geändert werden. Während Comirnaty nun vor allem für Jüngere eingesetzt werden soll, darf der Impfstoff von AstraZeneca, der nun auf den Namen Vaxzevria hört, vorerst nur an über 60-Jährige ausgegeben werden – es sei denn, es erfolgt zuvor ein aufklärendes Gespräch mit Impfärzt:innen. Ausführliche Hintergrundinformationen dazu: AstraZeneca nur noch ab 60 – das müssen Sie jetzt wissen

Die Hausarztpraxen sollen vorerst ausschließlich mit Comirnaty beliefert werden – allerdings erst einmal nur mit wenigen Dosen pro Praxis. Man startet Anfang April mit jeweils 20 Impfdosen. Der Impfstoff Comirnaty muss eigentlich stark gekühlt werden, kann aber für eine gewisse Zeit auch bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden, bevor er verimpft wird.

Trotz Lichtblicken in Sachen Impfung hält uns das Coronavirus weiter auf Trab: Angesichts der anziehenden dritten Welle mit der ansteckenderen Virusvariante B.1.1.7 muss die Impfkampagne nach vorne getrieben werden. Die Erstdosis vorzuziehen und die Impfreihenfolge anzupassen, wären diesbezüglich wichtige Schritte.

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