19.03.2021 - 10:16

Impfstrategie Darum impft Chile schneller als jedes andere Land

Chile impft derzeit schneller als jedes andere Land der Welt. Was das hohe Tempo in Sachen Corona-Impfung möglich macht, erfahren Sie hier.

Foto: Getty Images/ Claudio Santana

Chile impft derzeit schneller als jedes andere Land der Welt. Was das hohe Tempo in Sachen Corona-Impfung möglich macht, erfahren Sie hier.

Andere Länder, andere Impfstrategien: Chile impft seine Bevölkerung im Eiltempo. Das macht den Impfrekord möglich...

Israels Impfstrategie ist derzeit in aller Munde, und auch die USA ziehen ordentlich an. Doch ein anderes Land legt sogar noch ein deutlich höheres Tempo an den Tag, was die Corona-Impfung betrifft: Chile impft derzeit schneller als jedes andere Land der Welt. Bereits ein Viertel der 19 Millionen Menschen umfassenden Bevölkerung hat die erste Dosis der Corona-Impfung erhalten, ein Zehntel ist vollständig geimpft. Das ehrgeizige Ziel des südamerikanischen Landes: Bis Juni sollen 80 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein. Doch wie schafft Chile das, womit so viele andere Länder zu kämpfen scheinen?

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Corona-Impfung: Das macht Chile richtig

Einen großen Vorteil hat Chile dadurch erlangt, dass sich das Land frühzeitig um die Impfstoff-Beschaffung gekümmert hat. Bereits kurz nach dem ersten bestätigten Corona-Fall in Chile um März 2020 schloss die Regierung Verträge mit Impfstoffherstellern ab – und zwar mit allen Impfstoffherstellern, unabhängig von politischen Überlegungen und Präferenzen. Im Interview mit dem Spiegel sagte die Gesundheitsexpertin Soledad Martínez, die an der Universität von Chile lehrt, dass man genug Impfstoff bestellt habe, um alle Erwachsenen zwei Mal durchzuimpfen.

Auf dieses Corona-Vakzin setzt Chile

Eine Schlüsselrolle spielt dabei einer der Impfstoffe aus China: das Vakzin CoronaVac des Herstellers Sinovac. Chile testet den Impfstoff und wird deshalb bei der Impfstoffvergabe bevorzugt: Sinovac führt gemeinsam mit der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile eine Impfstoff-Studie im Land durch.

CoronaVac erzielt zwar nur eine Schutzwirkung von 50 Prozent, verhindert aber offenbar 100 Prozent der schweren Krankheitsverläufe – und darauf kommt es an, um die Todeszahlen zu senken und die Krankenhäuser nicht zu überlasten. "Perfektion anzustreben, ist in dieser Situation nicht hilfreich", sagt Soledad Martínez – das Gleiche gilt übrigens auch für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca, dessen Wirksamkeit von 69 Prozent oft bemängelt wurde.

Den Impfstoff von Biontech hingegen erhalten zum Beispiel Menschen mit Immunproblemen. Generell gilt: Man kann sich nicht aussuchen, welchen Impfstoff man erhält.

Infrastruktur erleichtert Impfungen

Ein weiterer Grund dafür, dass es mit den Corona-Impfungen in Chile so gut vorangeht: Das Land hat bereits vor langer Zeit die notwendige Infrastruktur geschaffen. Laut dem chilenischen Gesundheitsminister Enrique Paris gibt es in Chile seit 1978 einen stabilen Impfplan. Während der letzten Jahrzehnte wurde in Chile auch im großen Stil gegen Grippe geimpft. Zu diesem Zweck gibt es Gesundheitszentren, die für bestimmte Gebiete zuständig sind – auch in ländlichen Gebieten.

Doch damit nicht genug: Das Land legt auch ein hohes Maß an Flexibilität an den Tag. Laut Soledad Martínez wird nicht nur in den Gesundheitszentren, sondern beispielsweise auch in Fußballstadien, Schulen oder Drive-Ins geimpft. Außerdem werden in Chile, anders als in Deutschland, keine Impftermine vergeben. Stattdessen gibt es bestimmte Tage für bestimmte Personengruppen. An diesem Tag können sich dann alle Angehörige dieser Gruppe in einem Gesundheitszentrum impfen lassen, egal ob in der eigenen Heimatstadt oder woanders. Mitführen muss man dafür nur den eigenen Ausweis.

Trotz Impfrekord: Sieben-Tage-Inzidenz nach wie vor hoch

Da in Chile bereits so lange im großen Stil gegen Grippe geimpft wird – übrigens auch mit den Grippeimpfstoffen von SinoVac – und, laut Soledad Martínez, die Impfungen dort im Gegensatz zu zum Beispiel Brasilien nicht politisiert werden, profitiert das Land außerdem davon, dass es relativ wenig Impfskeptiker gibt.

Natürlich ist auch der chilenische Weg nicht perfekt: Da Sinovac zwar vor schweren Krankheitsverläufen schützt, aber weder Infektionen noch die Weitergabe verhindert, sind die Infektionszahlen nach wie vor hoch, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei knapp 200. Neben den Impfungen sind also weitere Sicherheitsmaßnahmen notwendig. Dennoch stehen die Zeichen gut, dass Chile sein ehrgeiziges Ziel erreicht – umso beeindruckender, wenn man bedenkt, wie schwer die Corona-Pandemie das Land letztes Jahr getroffen hatte.

Quellen: spiegel.de, dw.com, sueddeutsche.de, aerzteblatt.de, corona-in-zahlen.de

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