16.03.2021 - 09:33

Angesichts bereits jetzt steigender Zahlen Intensivmediziner fordern: Sofort zum Lockdown zurück!

Das Personal auf Deutschlands Intensivstationen ist seit Monaten unter Dauerbelastung. Der Ausblick ist trüb, denn die Zahlen steigen wieder. Daher fordern sie: Lockdown, jetzt!

Foto: Getty Images/Westend61

Das Personal auf Deutschlands Intensivstationen ist seit Monaten unter Dauerbelastung. Der Ausblick ist trüb, denn die Zahlen steigen wieder. Daher fordern sie: Lockdown, jetzt!

Obwohl die bundesweiten Coronavirus-Neuinfektionen weiterhin auf einem höheren Stand sind als vergangenen Herbst, wird weiter gelockert. Intensivmediziner erfüllt das mit großer Sorge. Sie fordern: Lockdown, jetzt!

Nachdem die Corona-Fallzahlen auf recht hohem Niveau stagniert waren, ist bereits jetzt, mit erst seit kurzem umgesetzten Lockerungen, wieder ein Anstieg zu sehen. Prognosen zeichnen ein düsteres Bild – und es sind noch nicht einmal alle angekündigten Lockerungen umgesetzt. Währenddessen verzichten diverse Bundesländer auf die Inzidenz-Notbremse, obwohl der Anteil an der ansteckenderen britischen Mutante weiter steigt. Deutschlands Intensivpersonal beobachtet all das mit großer Sorge. Die Intensivmediziner fordern daher eine sofortige Rückkehr zum Lockdown.

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Sofort wieder Lockdown: Intensivmedinziner plädieren auf Vernunft

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ist sich einig: Ohne Lockdown werden die kommenden Wochen sehr, sehr hart. Dem rbb-Sender "Radioeins" gegenüber äußerte sich nun der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, besorgt: "Von den Daten, die wir jetzt haben und sehen und mit dem Durchsetzen der britischen Mutante würden wir sehr stark dafür plädieren, jetzt sofort wieder in einen Lockdown zu gehen, um ein­fach eine starke dritte Welle zu verhindern."

Er hoffe sehr, dass die Länder es durchsetzen, die ursprünglich beschlossene Notbremse zu ziehen. Eigentlich sollten bei Neuinfektionszahlen über 100 pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen wieder Lockdown-Maßnahmen ergriffen werden. Doch trotz Beschlusses zusammen mit der Bundesregierung liegt die Umsetzung bei den Ländern. Und bereits mehrere Landkreise hatten angekündigt, auf diese Notbremse zu verzichten, oder aktivieren sie nur halbherzig.

Das hohe Niveau kommt schneller als gedacht

Derzeit befinden sich rund 2.800 Menschen mit Covid-19 in intensivmedizinischer Behandlung in Deutschland. Würden jegliche Maßnahmen jetzt ignoriert, würde dies laut Karagiannidis, selbst Arzt an einer Lungenklinik in Köln, "noch einmal 5.000, 6.000 Patienten auf der Intensivstation" bedeuten. "Man sieht sehr deutlich, dass wir sehr schnell jetzt wieder in steigende Intensivzahlen geraten werden, sofern wir dem Virus jetzt die Möglichkeit dazu geben."

Und die Möglichkeit nimmt sich das Virus. Die britische Mutante B.1.1.7 ist tödlicher und ansteckender als der Wildtyp und verdrängt diesen auch hierzulande immer mehr. Währenddessen breiten sich weitere Mutanten weltweit aus.

Auch plädiert er dafür, die Zeit, in der sich das Virus ausbreitet, nicht zu unterschätzen: "Wir gewinnen auch nicht viel, wenn wir jetzt die nächsten ein, zwei Wochen offen lassen, weil wir ganz schnell auf einem hohen Niveau ankommen und es auf dem hohen Niveau doppelt so schwierig sein wird, von den Zahlen wieder herunterzukommen." Daher sei es wichtig, nun so schnell wie möglich die über 50- und über 60-Jährigen zu impfen. Denn dann würden auch weniger Menschen schwer an Covid-19 erkranken.

Intensivpersonal seit Monaten unter Dauerbelastung

Im Zuge dessen spricht er die immer noch steigende Belastung für das Personal auf den Intensivstationen an. Bis heute sei sie ohne Unterbrechung sehr hoch und steige nun erneut weiter. Man müsse sich nun in den Sommer retten, in dem sich die Lage mit Impfungen, Testungen und vielleicht auch Wettereinflüssen wieder beruhigen könne. Doch bis dahin, so seine Nachricht, darf es nicht eskalieren. Daher fordern die Intensivmediziner die Rückkehr zum Lockdown.

Die intensiven Tests sieht er als positiv an, denn so könne man wahrscheinlich rund 50 bis 60 Prozent der Infektionsfälle entdecken.

Doch allein das reicht nicht. Auch mit den Impfungen muss es schneller weitergehen als bisher. Nun gab es allerdings einen herben Rückschlag mit der vorerst ausgesetzten Impfung der AstraZeneca-Vakzine aufgrund einer Vorsichtsmaßnahme. Auch dies verzögert die Impfkampagne nun weiter. Zwar stehen weitere Impfstoffe in den Startlöchern – ab Mitte April sollen erste Lieferungen des Impfstoffes von Johnson & Johnson kommen.

Doch bis dahin müssen noch viele Wochen vergehen. Und wenn wir jetzt nicht aufpassen, steigen die Coronavirus-Fallzahlen in kürzester Zeit rapide – und damit über kurz oder lang auch die Zahl der intensivmedizinisch zu behandelnden Menschen sowie die Zahl der Todesopfer. Und ob ein ständiges Auf und Ab an Lockdown und Lockerungen der Wirtschaft so nutzt, sei dahin gestellt. Von der Psyche der Bevölkerung ganz abzusehen...

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