Aktualisiert: 04.03.2021 - 16:10

Impfstrategie nimmt endlich Fahrt auf Stiko entscheidet: AstraZeneca soll auch für Ältere freigegeben werden

Die EU und damit auch Deutschland waren die einzigen, die das Vakzin bisher für Ältere zurückgehalten haben. Jetzt gibt die Stiko endlich grünes Licht: Der Impfstoff darf breiter verimpft werden.

Foto: Getty Images/digicomphoto

Die EU und damit auch Deutschland waren die einzigen, die das Vakzin bisher für Ältere zurückgehalten haben. Jetzt gibt die Stiko endlich grünes Licht: Der Impfstoff darf breiter verimpft werden.

Jetzt könnte doch alles nochmal ein wenig Fahrt aufnehmen: Nachdem zuerst fehlende Daten nun nachgereicht wurden, hat die Stiko ihre Empfehlung überarbeitet und will den Corona-Impfstoff von AstraZeneca auch für Personen über 65 Jahren freigeben. Heute Mittag soll der Beschluss stehen.

Nach dem Hin und Her rund um das Vakzin aus England gibt es nun gute Nachrichten: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, den Impfstoff von AstraZeneca auch bei Über-65-Jährigen einzusetzen. Zuvor war er nur für Personen unterhalb dieser Altersgrenze vorgesehen, da es nicht ausreichend Daten von älteren Studienteilnehmern gegeben hatte. Neue Daten unter anderem aus Großbritannien zeigen aber: Das Vakzin wirkt auch bei Älteren. Die Impfkampagne dürfte damit jetzt weiter Fahrt aufnehmen.

Impfung nach Covid-19?
Impfung nach Covid-19?

Stiko-Empfehlung: AstraZeneca auch für Ältere

Die Stiko habe die entsprechende Stellungnahme bereits gestern, am 3. Februar, fertiggestellt, heißt es seitens der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Demnach solle bis heute Mittag die Abstimmungsfrist innerhalb der Kommission laufen. Man rechne aber damit, dass die Empfehlung nach Abgabe dieser "vertraulichen Stellungnahme" allgemein angenommen werde. Danach wolle man die Fachgesellschaften und die Bundesländer informieren.

Im direkten Anschluss dürfte dann eine Änderung der Corona-Impfverordnung erfolgen. Diese wird derzeit sowieso überarbeitet.

Die FAZ rechnet damit, dass eine Verimpfung des AstraZeneca-Vakzins an Ältere damit in den kommenden Wochen gestartet werden könne.

Stiko-Entscheidung dürfte Impfungen stark beschleunigen

Die Entscheidung dürfte endlich Fahrtwind in die kritisierte deutsche Impfstrategie bringen. Bislang werden vor allem Ältere geimpft, aufgrund der bislang fehlenden Zulassung von AstraZeneca jedoch ausschließlich mit den mRNA-Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna. Vor allem das Vakzin von Moderna ist allerdings bislang nur knapp verfügbar, beide Impfstoffe müssen zudem bei tieferen Temperaturen aufbewahrt werden.

Der Impfstoff von AstraZeneca ist hinter dem von Biontech jedoch am besten verfügbar. Derzeit lagern Millionen ungenutzter Impfdosen in Kühlschränken, da zuletzt Unklarheit darüber bestand, wer den Impfstoff nun bekommen solle.

Das "Oxford-Vakzin" AZD1222 war zudem in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, da er in der EU und in Deutschland lediglich für Personen zwischen 18 und 65 Jahren freigegeben worden war und die bisherigen Daten verwirrend aufgefasst wurden. Entsprechend manifestierte sich bei vielen verunsicherten Bürger*innen der Gedanke eines "Impfstoffes zweiter Klasse" bei AstraZeneca. Zuletzt wurden sogar Impftermine abgesagt.

Impfintervall soll ausgeweitet werden: Schnellere Impfungen durch spätere Zweitdosis

Die Entscheidung fußte jedoch lediglich auf fehlenden Daten aus der Altersgruppe über 65. Nun sind diese Daten in Form von Studien aus Großbritannien und aus Belgien da und beweisen, dass der Impfstoff sowohl bei Älteren sicher und sehr wirksam sei als auch bei jüngeren Erwachsenen – insbesondere dann, wenn das Intervall zwischen beiden Impfdosen auf rund drei Monate ausgeweitet wird.

Entsprechend empfiehlt die Stiko in ihrer Stellungnahme auch, dieses Intervall so weit auszunutzen, dass möglichst schnell möglichst viele Menschen die erste Impfdosis erhalten können. So könnten weit schneller als bisher Menschen vor schweren Auswirkungen von Covid-19 geschützt werden. In Großbritannien etwa wird dieses Verfahren mit dem AstraZeneca-Vakzin seit Jahresbeginn erfolgreich durchgeführt. Dort zeigt sich auch, dass das Vakzin gut gegen die auch hierzulande rasch zunehmende Virusvariante B.1.1.7 wirkt.

Der Impfstoff von AstraZeneca lässt sich außerdem gut im Kühlschrank aufbewahren. Damit ist der Weg zur Corona-Impfung beim Hausarzt ab spätestens April noch weiter geebnet.

Bei der Zulassung ab 18 Jahren bleibt es derweil. Für Kinder und Jugendliche gibt es entsprechend weiterhin keinen Impfstoff. Aber auch das liegt an noch fehlenden Daten. Die Hersteller prüfen derzeit entsprechende Studien.

Gute News gab es aber schon vor Wochen: Es scheint so, als könne AstraZeneca auch die Virusübertragung reduzieren. Damit wären Geimpfte zumindest weniger ansteckend. Hier fehlen aber noch weitere Prüfungen. Dennoch kommt das Impfen gegen das Coronavirus in Deutschland endlich etwas schneller voran. Der Blick auf das zweite Quartal 2021 macht ebenso Mut: Bis Ende Juni sollen Deutschland 77 Millionen Impfdosen erreichen.

Die Mitteilung der Stiko lesen Sie hier.

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